Neuzugänge | Lee, Enfield und Thien

Ich freue mich, dass ich euch meine aktuellen Neuzugänge im Bücherregal vorstellen darf. Ich hatte mir für dieses Jahr eigentlich vorgenommen, mir immer erst dann ein neues Buch zuzulegen, wenn ich mit einem fertig bin. Ihr seht: ich schaffe es nicht.  Es gibt einfach viel zu viele wundervolle Bücher, dass es mir unsagbar schwerfällt, immer nur eines mitzunehmen.

Wer die Nachtigall stört

Worum es geht: Die Handlung spielt in den Südstaaten Amerikas der 1930er Jahre. Die achtjährige Scout und ihr älterer Bruder Jem werden mit Vorurteilen und Rassismus konfrontiert, welcher zu dieser Zeit in den Vereinigten Staaten die schwarze Gesellschaft auf brutale Weise traf. Der Vater von Scout und Jem ist Rechtsanwalt und vertritt einen schwarzen Landarbeiter, welcher beschuldigt wird, ein weiße Mädchen vergewaltigt zu haben. Die beiden wollen ihren Vater dabei unterstützen und bringen sich selbst in Gefahr.

Was ich erwarte: Ich lese das Buch im Rahmen der Rory Gilmore Reading Challenge. Jenni hat es für mich ausgesucht und ich habe mich über diese Buch besonders gefreut. Die Thematik finde ich sehr aufrüttelnd und wichtig. Außerdem erwarte ich ein gutes Ende. Obwohl es sich bei diesem Buch um einen absoluten Klassiker handelt, habe ich es bisher nicht gelesen und bin deshalb umso gespannter.

Ivy & Abe

Worum es geht: Ivy und Abe begegnen sich mehrmals in ihrem Leben zu verschiedenen Zeitpunkten. Immer wieder verpassen sie ihr gemeinsames Glück. Obwohl sie sich immer wieder treffen, trennen sich ihre Wege am Ende wieder. Sie haben eine Affäre miteinander und irgendwann heiraten sie sogar. Doch auch diese Ehe ist geprägt von Krisen. Ob die Liebe der Beiden je von langer Dauer sein wird, ist unklar.

Was ich erwarte: Mich erinnert die Geschichte sehr an Zwei an einem Tag von Dave Nicolls und gerade deshalb schon möchte ich sie lesen. Ich bin wohl hoffnungslos romantisch und denke, dass es im Leben genau einen anderen Menschen gibt, der für einen bestimmt ist. Alle anderen werden diesen Platz vermutlich nie ganz einnehmen können. Besonders ansprechend finde ich, dass es keine kitschige Romanze ist, bei welcher sich Mann und Frau unsterblich ineinander verlieben und von nun an glücklich und zufrieden leben.  Es ist viel authentischer, denn vor allem sind es auch die „schlechten Zeiten“, welche die beiden zusammenschweißen.

Sag nicht, wir hätten gar nichts

Worum es geht: Die Geschichte spielt in China der 1940er Jahre bis heute und erzählt das Schicksal zwei eng verbundener Musikerfamilien. Sie geraten in einen Strudel von Gewalt, Unterdrückung und Revolution. Marie aus Kanada ist die Erzählerin der Geschichte. Ihre Eltern stammen aus China. Während sie mit ihrer Mutter zusammen lebt, ist ihr Vater in sein Heimatland zurück gekehrt. Marie möchte Licht ins Dunkel der Vergangenheit Chinas bringen.

Was ich erwarte: Das wunderbare Cover mitsamt Titel hat mich neugierig gemacht. Die Geschichte Chinas, die Korruption, das Leid der Menschen über viele Generationen – all das finde ich sehr tragisch. Ich bin aber auch neugierig, mehr darüber zu erfahren. Die Autorin wurde schon mehrfach für dieses Buch ausgezeichnet. Meine Erwartungen sind also hoch.


Das waren meine neuen Schätze der Literatur. Habt ihr eines der Bücher schon gelesen?

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Ich bin Neri, neunundzwanzig Jahre alt und lebe im wunderschönen Breisgau, nahe Freiburg. Ich habe meine Liebe zu Büchern eigentlich erst vor wenigen Jahren entdeckt. Obwohl ich als Kind einen Vorlesewettbewerb gewann, war Lesen damals eher eine Pflicht als Vergnügen. Mittlerweile kann ich mich in Büchern verlieren, mich mit den Charakteren identifizieren und dabei voll und ganz abschalten. Bücher haben etwas Magisches für mich. Im Winter kuschle ich mich am Liebsten unter eine dicke Decke und tauche in Geschichten ab.

Selbst das Heimweh war heimatlos

Bericht eines jüdischen Emigranten. Nicht nur wegen seiner äußerst wichtigen Message ist Selbst das Heimweh war heimatlos ein wertvolles Buch und sollte gelesen werden. Die Flucht vor den Nationalsozialisten und die Gefangenschaft unter selbigen, ist Hauptbestandteil des Buches. Das Besondere ist wohl, dass es sich um das Manuskript des Autors Moriz Scheyer handelt. Dieser starb 1949. Das Erzählte wird somit aus erster Hand wiedergegeben und so wirkt es äußerst emotional und authentisch. An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, wie sehr mich diese Erzählungen aufgewühlt und beeinflusst haben.

Was der Klappentext verrät

Wien 1938. Moriz Scheyer (1186 – 1949) ist ein bekannter Feuilletonist und beliebter Schriftsteller, fest eingebunden, in das engmaschige Netz der Wiener Kulturszene, befreundet mit Stefan Zweig und Joseph Roth. Nun zwingt ihn der „Anschluss“ in die Emigration, über die Schweiz flieht er vor den Nationalsozialisten nach Frankreich, nicht ahnend, dass er dort nicht überall mit offenen Armen empfangen wird. Vor ihm liegen Jahre der ständigen Unsicherheit und akuten Bedrohung, bis er schließlich im November 1942 Zuflucht in einem Kloster in Südfrankreich findet und seine Erfahrungen zu Papier bringt. 

Jahrzehntelang war dieser ergreifende und eindringliche Text vergessen. Nun erscheint er zum ersten Mal in seiner Originalsprache und bereichert die Nachwelt und die deutschsprachige Exilliteratur um ein bislang unbekanntes, bewegendes Zeugnis des Flüchtlingsdaseins, der Enttäuschungen und Hoffnungen in den Zeiten von Krieg und Vertreibung. 


Ja, dieses Frankreich war mir wie eine Geliebte, der man freudig dient und an der man unmöglich eine Enttäuschung erleben kann. Noch ihre kleinen Schwächen empfindet man als eine Reiz mehr. In Österreich war ich zu Hause. Aber in Frankreich fühlte ich mich daheim. So war das Bild Frankreichs in mir. Damals, vor der Emigration.

Geschrieben hat Scheyer das Manuskript zum Buch in einem Franziskanerinnen-Kloster in der Dordogne. Zu dieser Zeit hat er sich mit seiner Frau dort vor den Nationalsozialisten versteckt. Das Manuskript geriet lange Zeit in Vergessenheit, bis es 2015 von seinem Stiefenkel in London im Familiennachlass entdeckt wurde.

Obwohl ich bereits vieles über die NS-Zeit gelesen habe, erfährt man immer wieder neue, erschreckende Erkenntnisse. Scheyer schreibt sensibel und aufklärend und schildert erschreckende Geschehnisse. Kaum eine Seite ließ mich kalt und vieles wühlte mich schon beim Lesen so sehr auf, sodass ich mir für das Buch viel Zeit nehmen musste.

Ein bewegendes Zeugnis dieser grauenvollen Zeit im Nationalsozialismus. Sehr authentisch, ehrlich und beklemmend, erzählt der Zeitzeuge Scheyer, was er erlebt hat. Einzig wirkten mir manche Textpassagen etwas engstirnig, was mich beim Lesen aber nur zu einem kleinen Teil beeinflusste und sicherlich auch meiner Unwissenheit zuzuschreiben ist. Schließlich muss man verstehen, dass Frankreich, insbesondere Paris, aufgrund der fürchterlichen Erfahrungen, dem Autor nicht in bester Erinnerung blieben. Nach dem Lesen blieb ich etwas sprachlos, wütend und traurig zurück. Ich bin sehr froh, dass dieses Manuskript die Menschen heute mit Wissen und der Wahrheit bereichert.


Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Ein Meilenstein für die Nachwelt. Sehr zu empfehlen.

Informationen zum Buch

Selbst das Heimweh war heimatlos •  Moriz Scheyer • Rowohlt • 2017 • 384 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-498-06441-9 • Preis: €22.95 • Buch kaufen

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Ich bin Neri, neunundzwanzig Jahre alt und lebe im wunderschönen Breisgau, nahe Freiburg. Ich habe meine Liebe zu Büchern eigentlich erst vor wenigen Jahren entdeckt. Obwohl ich als Kind einen Vorlesewettbewerb gewann, war Lesen damals eher eine Pflicht als Vergnügen. Mittlerweile kann ich mich in Büchern verlieren, mich mit den Charakteren identifizieren und dabei voll und ganz abschalten. Bücher haben etwas Magisches für mich. Im Winter kuschle ich mich am Liebsten unter eine dicke Decke und tauche in Geschichten ab.

Deutschland á la française

Deutschland á la Française ist vor wenigen Wochen in meinem Bücherregal eingezogen. Aber nur kurz. Fortan lag es auf meinem Nachttisch, denn ich habe das Buch verschlungen. Pascale Hugues ist Französin und lebt seit über 28 Jahren in Deutschland. Sie ist Korrespondentin und schreibt sowohl für französische, als auch deutsche Zeitungen. In diesem Buch geht es um typisch deutsche und französische Merkmale, die Macht der Sprachen, um Gemeinsamkeiten beider Länder, die Mentalitäten, politische Gegensätze und vor allem um persönliche Anekdoten der Autorin.

Was der Klappentext verrät

C´est la vie in Germany: zwei große Nationen und ihre kleinen Eigenheiten, charmant und witzig aus nächster Nähe beobachtet von Bestsellerautorin Pascale Hugues.

Zwischen zwei Ländern zu leben heißt, zwei empfindliche kleine Antennen auf dem Kopf zu haben. Ständig registrieren sie die Unterschiede, was hier anders ist als dort. Da ich kein echtes Zuhause mehr habe, sind diese Antennen in beiden Ländern pausenlos aktiv. Sie zeichnen Überraschungen auf, Ticks, Eigenarten, nationale Mythen, Redewendungen, merkwürdige Straßenecken und, warum nicht, Klischées, die man entlarven oder bestätigen möchte. Und oft verlieren meine kleinen Antennen die Orientierung: Was ist deutsch, was ist französisch? Wie kann ich beides auseinanderhalten? Bin ich ein bisschen deutsch geworden? Wahrscheinlich schon. 


Frankreich hat mich schon immer interessiert. Besonders die Sprache hat es mir angetan. Keine hat diesen unverwechselbaren und charmanten Klang. Für mich persönlich ist es die mit Abstand Schönste und die, der ich am Liebsten lausche. Ich selbst spreche kein französisch. Dennoch lese ich häufig französische Kurzgeschichten, einfach, um die Worte auszusprechen und mich am Klang zu erfreuen. Da ich seit über einem Jahr in der Nähe der französischen Grenze lebe, ist Frankreich mir nun nicht nur geografisch näher, sondern auch im Herzen. Denn durch die kurze Entfernung, konnte ich das Elsass des Öfteren besuchen und bin seit dem ersten Besuch verliebt.

Andere Fehler können wir Franzosen ebenfalls nicht begreifen: ein Minister stürzt, weil er seine Putzfrau schwarz bezahlt. Na und! Bei uns kann man sich glücklich schätzen, wenn der Minister das Zimmermädchen in New York nicht zwingt, ihm einen zu blasen.

Als ich von dem Buch las und das hübsche Cover sah, war ich sofort gewillt, es zu lesen. Ich bin gebürtige Berlinerin und fand den Umstand, dass die französische Autorin seit langem in Berlin lebt, wunderbar. So konnte ich auch einiges über das Berlin erfahren, welches mir aufgrund meines Alters fremd ist und sah viele im Buch erwähnte und mir bekannte Ortschaften vor meinem inneren Auge und fühlte mich in meine Heimat zurück versetzt. Gleichzeitig erfährt man viel über das Elsass: die Herkunft der Autorin und inzwischen auch ein bisschen neue Heimat für mich.

Pascale Hugues schreibt mit sehr viel Humor und Charme. Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage durchgelesen, weil ich es so amüsant und interessant fand. Beim Lesen wird einem bewusst, welch große Unterschiede es zwischen beiden Ländern gibt und wie viele Gemeinsamkeiten Deutschland und Frankreich auch haben. Von Politik, beiden Sprachen, Kultur und Mentalität über persönliche Erlebnisse der Autorin ist alles dabei. Besonders schön finde ich, dass einem Deutschland als Land, als Heimat wieder näher gebracht wird, wenngleich das möglicherweise auch unbewusst geschieht. Unsere im Welt-Vergleich sehr loyale Politik, das Reichtum unserer Sprache und die Vielfalt unserer Geschichte wird deutlich und berührt.

Dem Tischmülleimer stehen Helfer zur Seite: der Mini-Staubsauger, der Tischfeger, der Krümelbesen. Ein ganzes Bataillon technischer Apparate, surrender Motoren, batteriebetriebener Maschinen brummt über den Tisch. Und ich fürchte mich vor dem Tag, an dem ein Dogmatiker des Umweltbundesamtes sich in den Kopf setzen wird, Mülltrennung auf dem Esstisch zu erzwingen: ein grüner Tischmülleimer für den Biomüll, ein gelber für die Joghurt- und Quarkbecher, ein grauer für die Glasflaschen. Nostalgisch denke ich an die unvernünftigen Zeiten zurück, als Hund und Katze sich unter dem Tisch um die Reste stritten.

Gleichsam erfährt man viel über das frühere und heutige Frankreich. Über Kindheitserinnerungen der Autorin an das Elsass, sprachliche Barrieren und die Anfangszeit in Deutschland 1989. Über Korruption, die Unterschiedlichkeit der Sprachen, Mülltrennung und die DDR ist alles dabei. Ein äußerst kluges, humorvolles Buch über zwei Länder, die so viel zu bieten haben und welche man hier neu kennen und lieben lernt.


Ich bedanke mich beim Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Gefällt euch Gegenwartsliteratur in dieser Form?

Informationen zum Buch

Deutschland á la française • Pascale Hugues • Rowohlt • 2017 • 208 Seiten • Hardcover • Originaltitel: Was ist das? Chroniques d´uns Française á Berlin • Übersetzung: Elisabeth Thielicke • ISBN: 978-3-498-03032-2 • Preis: €19.95 • Buch kaufen

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Ich bin Neri, neunundzwanzig Jahre alt und lebe im wunderschönen Breisgau, nahe Freiburg. Ich habe meine Liebe zu Büchern eigentlich erst vor wenigen Jahren entdeckt. Obwohl ich als Kind einen Vorlesewettbewerb gewann, war Lesen damals eher eine Pflicht als Vergnügen. Mittlerweile kann ich mich in Büchern verlieren, mich mit den Charakteren identifizieren und dabei voll und ganz abschalten. Bücher haben etwas Magisches für mich. Im Winter kuschle ich mich am Liebsten unter eine dicke Decke und tauche in Geschichten ab.