Selbst das Heimweh war heimatlos

Bericht eines jüdischen Emigranten. Nicht nur wegen seiner äußerst wichtigen Message ist Selbst das Heimweh war heimatlos ein wertvolles Buch und sollte gelesen werden. Die Flucht vor den Nationalsozialisten und die Gefangenschaft unter selbigen, ist Hauptbestandteil des Buches. Das Besondere ist wohl, dass es sich um das Manuskript des Autors Moriz Scheyer handelt. Dieser starb 1949. Das Erzählte wird somit aus erster Hand wiedergegeben und so wirkt es äußerst emotional und authentisch. An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, wie sehr mich diese Erzählungen aufgewühlt und beeinflusst haben.

Was der Klappentext verrät

Wien 1938. Moriz Scheyer (1186 – 1949) ist ein bekannter Feuilletonist und beliebter Schriftsteller, fest eingebunden, in das engmaschige Netz der Wiener Kulturszene, befreundet mit Stefan Zweig und Joseph Roth. Nun zwingt ihn der „Anschluss“ in die Emigration, über die Schweiz flieht er vor den Nationalsozialisten nach Frankreich, nicht ahnend, dass er dort nicht überall mit offenen Armen empfangen wird. Vor ihm liegen Jahre der ständigen Unsicherheit und akuten Bedrohung, bis er schließlich im November 1942 Zuflucht in einem Kloster in Südfrankreich findet und seine Erfahrungen zu Papier bringt. 

Jahrzehntelang war dieser ergreifende und eindringliche Text vergessen. Nun erscheint er zum ersten Mal in seiner Originalsprache und bereichert die Nachwelt und die deutschsprachige Exilliteratur um ein bislang unbekanntes, bewegendes Zeugnis des Flüchtlingsdaseins, der Enttäuschungen und Hoffnungen in den Zeiten von Krieg und Vertreibung. 


Ja, dieses Frankreich war mir wie eine Geliebte, der man freudig dient und an der man unmöglich eine Enttäuschung erleben kann. Noch ihre kleinen Schwächen empfindet man als eine Reiz mehr. In Österreich war ich zu Hause. Aber in Frankreich fühlte ich mich daheim. So war das Bild Frankreichs in mir. Damals, vor der Emigration.

Geschrieben hat Scheyer das Manuskript zum Buch in einem Franziskanerinnen-Kloster in der Dordogne. Zu dieser Zeit hat er sich mit seiner Frau dort vor den Nationalsozialisten versteckt. Das Manuskript geriet lange Zeit in Vergessenheit, bis es 2015 von seinem Stiefenkel in London im Familiennachlass entdeckt wurde.

Obwohl ich bereits vieles über die NS-Zeit gelesen habe, erfährt man immer wieder neue, erschreckende Erkenntnisse. Scheyer schreibt sensibel und aufklärend und schildert erschreckende Geschehnisse. Kaum eine Seite ließ mich kalt und vieles wühlte mich schon beim Lesen so sehr auf, sodass ich mir für das Buch viel Zeit nehmen musste.

Ein bewegendes Zeugnis dieser grauenvollen Zeit im Nationalsozialismus. Sehr authentisch, ehrlich und beklemmend, erzählt der Zeitzeuge Scheyer, was er erlebt hat. Einzig wirkten mir manche Textpassagen etwas engstirnig, was mich beim Lesen aber nur zu einem kleinen Teil beeinflusste und sicherlich auch meiner Unwissenheit zuzuschreiben ist. Schließlich muss man verstehen, dass Frankreich, insbesondere Paris, aufgrund der fürchterlichen Erfahrungen, dem Autor nicht in bester Erinnerung blieben. Nach dem Lesen blieb ich etwas sprachlos, wütend und traurig zurück. Ich bin sehr froh, dass dieses Manuskript die Menschen heute mit Wissen und der Wahrheit bereichert.


Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Ein Meilenstein für die Nachwelt. Sehr zu empfehlen.

Informationen zum Buch

Selbst das Heimweh war heimatlos •  Moriz Scheyer • Rowohlt • 2017 • 384 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-498-06441-9 • Preis: €22.95 • Buch kaufen

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Deutschland á la française

Deutschland á la Française ist vor wenigen Wochen in meinem Bücherregal eingezogen. Aber nur kurz. Fortan lag es auf meinem Nachttisch, denn ich habe das Buch verschlungen. Pascale Hugues ist Französin und lebt seit über 28 Jahren in Deutschland. Sie ist Korrespondentin und schreibt sowohl für französische, als auch deutsche Zeitungen. In diesem Buch geht es um typisch deutsche und französische Merkmale, die Macht der Sprachen, um Gemeinsamkeiten beider Länder, die Mentalitäten, politische Gegensätze und vor allem um persönliche Anekdoten der Autorin.

Was der Klappentext verrät

C´est la vie in Germany: zwei große Nationen und ihre kleinen Eigenheiten, charmant und witzig aus nächster Nähe beobachtet von Bestsellerautorin Pascale Hugues.

Zwischen zwei Ländern zu leben heißt, zwei empfindliche kleine Antennen auf dem Kopf zu haben. Ständig registrieren sie die Unterschiede, was hier anders ist als dort. Da ich kein echtes Zuhause mehr habe, sind diese Antennen in beiden Ländern pausenlos aktiv. Sie zeichnen Überraschungen auf, Ticks, Eigenarten, nationale Mythen, Redewendungen, merkwürdige Straßenecken und, warum nicht, Klischées, die man entlarven oder bestätigen möchte. Und oft verlieren meine kleinen Antennen die Orientierung: Was ist deutsch, was ist französisch? Wie kann ich beides auseinanderhalten? Bin ich ein bisschen deutsch geworden? Wahrscheinlich schon. 


Frankreich hat mich schon immer interessiert. Besonders die Sprache hat es mir angetan. Keine hat diesen unverwechselbaren und charmanten Klang. Für mich persönlich ist es die mit Abstand Schönste und die, der ich am Liebsten lausche. Ich selbst spreche kein französisch. Dennoch lese ich häufig französische Kurzgeschichten, einfach, um die Worte auszusprechen und mich am Klang zu erfreuen. Da ich seit über einem Jahr in der Nähe der französischen Grenze lebe, ist Frankreich mir nun nicht nur geografisch näher, sondern auch im Herzen. Denn durch die kurze Entfernung, konnte ich das Elsass des Öfteren besuchen und bin seit dem ersten Besuch verliebt.

Andere Fehler können wir Franzosen ebenfalls nicht begreifen: ein Minister stürzt, weil er seine Putzfrau schwarz bezahlt. Na und! Bei uns kann man sich glücklich schätzen, wenn der Minister das Zimmermädchen in New York nicht zwingt, ihm einen zu blasen.

Als ich von dem Buch las und das hübsche Cover sah, war ich sofort gewillt, es zu lesen. Ich bin gebürtige Berlinerin und fand den Umstand, dass die französische Autorin seit langem in Berlin lebt, wunderbar. So konnte ich auch einiges über das Berlin erfahren, welches mir aufgrund meines Alters fremd ist und sah viele im Buch erwähnte und mir bekannte Ortschaften vor meinem inneren Auge und fühlte mich in meine Heimat zurück versetzt. Gleichzeitig erfährt man viel über das Elsass: die Herkunft der Autorin und inzwischen auch ein bisschen neue Heimat für mich.

Pascale Hugues schreibt mit sehr viel Humor und Charme. Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage durchgelesen, weil ich es so amüsant und interessant fand. Beim Lesen wird einem bewusst, welch große Unterschiede es zwischen beiden Ländern gibt und wie viele Gemeinsamkeiten Deutschland und Frankreich auch haben. Von Politik, beiden Sprachen, Kultur und Mentalität über persönliche Erlebnisse der Autorin ist alles dabei. Besonders schön finde ich, dass einem Deutschland als Land, als Heimat wieder näher gebracht wird, wenngleich das möglicherweise auch unbewusst geschieht. Unsere im Welt-Vergleich sehr loyale Politik, das Reichtum unserer Sprache und die Vielfalt unserer Geschichte wird deutlich und berührt.

Dem Tischmülleimer stehen Helfer zur Seite: der Mini-Staubsauger, der Tischfeger, der Krümelbesen. Ein ganzes Bataillon technischer Apparate, surrender Motoren, batteriebetriebener Maschinen brummt über den Tisch. Und ich fürchte mich vor dem Tag, an dem ein Dogmatiker des Umweltbundesamtes sich in den Kopf setzen wird, Mülltrennung auf dem Esstisch zu erzwingen: ein grüner Tischmülleimer für den Biomüll, ein gelber für die Joghurt- und Quarkbecher, ein grauer für die Glasflaschen. Nostalgisch denke ich an die unvernünftigen Zeiten zurück, als Hund und Katze sich unter dem Tisch um die Reste stritten.

Gleichsam erfährt man viel über das frühere und heutige Frankreich. Über Kindheitserinnerungen der Autorin an das Elsass, sprachliche Barrieren und die Anfangszeit in Deutschland 1989. Über Korruption, die Unterschiedlichkeit der Sprachen, Mülltrennung und die DDR ist alles dabei. Ein äußerst kluges, humorvolles Buch über zwei Länder, die so viel zu bieten haben und welche man hier neu kennen und lieben lernt.


Ich bedanke mich beim Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Gefällt euch Gegenwartsliteratur in dieser Form?

Informationen zum Buch

Deutschland á la française • Pascale Hugues • Rowohlt • 2017 • 208 Seiten • Hardcover • Originaltitel: Was ist das? Chroniques d´uns Française á Berlin • Übersetzung: Elisabeth Thielicke • ISBN: 978-3-498-03032-2 • Preis: €19.95 • Buch kaufen

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Ein ganzes halbes Jahr

Zugegeben, ich wurde dazu gedrängt, dieses Buch zu lesen und nun weiß ich auch warum. Normalerweise bin ich nicht der Liebesroman-Leser. Viel lieber lasse ich mich in eine Fantasiewelt hineinziehen und empfinde bei anderen Romanen selten diesen Sog, der mich festhält und bis zum letzten Buchstaben nicht mehr loslässt. Nach mehrmaligen Drängen und auch durch die Verfilmung, habe ich mich endlich gebeugt und es gelesen.

Das verrät der Klappentext

Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird. Eine Frau und ein Mann. Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen. 

Die Liebesgeschichte von Lou und Will.


Will ist nach einem Unfall gelähmt. Vorher war er ein sehr unternehmungsfreudiger Mann, nahezu ein Adrenalinjunkie. Man versteht also, warum er so ist, wie er ist. Louisa ist eine Kellnerin, die zu Hause zusammen mit ihren Eltern, ihrem Großvater, ihrer Schwester und deren Sohn lebt. Sie hat auch einen Freund, doch zieht sie trotzdem nicht zu Hause aus und gibt ihr gesamtes Gehalt weiter an ihre Familie. Nachdem sie ihren Kellner-Job verliert, bekommt sie den sehr gut bezahlten Job bei Will. Sie soll ein halbes Jahr lang seine Pflegerin sein und so nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Du bist so ziemlich der einzige Grund, weshalb ich morgens aus dem Bett will.

Natürlich gibt es viele Geheimnisse aufzuklären und ebenso natürlich kommen sich Will und Louisa näher. Alles ziemlich vorhersehbar. Doch warum fand ich das Buch trotzdem so gut?

Aus irgendwelchen Gründen konnte ich es kaum aus den Händen legen. Ich war so gespannt, welche Aktivität sich Lou als Nächstes ausdenkt und mit welchen Sprüchen Will darauf reagiert. Ich wollte einfach nicht mehr aufhören zu lesen. Vielleicht auch, weil ich Angst vor dem Ende hatte.

Nun sind wir mal ehrlich. Wir alle wissen wie es ausgehen muss. Dabei werden wir weinen, unser Herz wird brechen und wir werden mehr als nur eine Packung Taschentücher verbrauchen müssen.  Doch so war es nicht. Das Ende hat mich noch einmal vollkommen überrascht und zwar im positiven Sinne.

Mehr möchte ich dazu gar nicht verraten. Ich möchte nur sagen, dass einem dieses Buch die Augen öffnen kann. Man bekommt eine andere Sicht auf verschiedenste Dinge, doch vor allem darauf, wie wichtig es ist, zu lieben.


Wie hat euch „Ein ganzes halbes Jahr“ gefallen?

Informationen zum Buch

Ein ganzes halbes Jahr • Jojo Moyes • Rowohlt • 2015 • 543 Seiten • Taschenbuch • Originaltitel: Me Before You • Übersetzung: Karoline Fell • ISBN:978-3-4992-6703-1 • Preis: €14.99 • Buch kaufen

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