Die Bücherfreundinnen

Das ist doch tatsächlich meine erste Rezension in diesem Jahr. Und das, obwohl das 2018 bereits zwei Wochen hinter sich gebracht hat. Aber nun ist es soweit. Das Buch, von welchem ich heute berichte, habe ich bereits im Sommer letzten Jahres zu Besuch bei meiner Familie in Berlin gelesen. Innerhalb von vier Tagen hatte ich es durch und bis bis jetzt nie dazu gekommen, es zu rezensieren. Es gibt einfach zu viele tolle Bücher. Damit euch Die Bücherfreundinnen von Jo Platt aber nicht weiter vorenthalten bleiben, kommt hier meine Rezension zum Buch.

Klappentext

Alice, Miriam, Sophie, Connie und Abigail sind die besten Freundinnen. Sie lachen zusammen und sie lesen zusammen. Einmal im Monat trifft sich ihr Buchclub. Doch eine fehlt – Lydia. Vor drei Jahren starb sie an Krebs. Ihr letzter Wunsch an die Freundinnen: Ihr Mann sollte in den Club aufgenommen werden, seitdem ist Jon bei jedem Treffen dabei. Die Freundschaft hat allen fünf geholfen, mit dem Verlust fertigzuwerden. Nur Alice ist nicht glücklich. Eine Dating-Katastrophe jagt die nächste. Kein Mann scheint richtig zu sein für die Innenarchitektin. Ihre Freundinnen sind fest entschlossen, Alice zu ihrem Glück zu zwingen, denn sie ahnen, dass es näher liegt, als Alice sich eingestehen will.

Wer sind die Bücherfreundinnen?

Alice ist 32 Jahre alt und arbeitet als Innenarchitektin. Sie mag ihren Job und liebt ihre kleine Wohnung mit Garten. Alice ist verplant und deshalb geschehen ihr immer wieder Missgeschicke. Ihr Gefühlsleben versucht sie so gut es geht nicht nach außen zu tragen.

Connie ist 40 Jahre alt und unterschätzt ihre eigenen Stärken aufs Größte. In ihren Freundinnen hingegen sieht sie immer das Beste. Ihr Ehemann Greg traut Connie wenig zu und mit ihrem kleinen Sohn gibt es große Schwierigkeiten, da dieser sie nicht ernst nimmt.

Miriam ist schon seit Uni-Tagen mit Craig liiert. Beide haben zwei Kinder und leben in einem Haus. Craig scheint in Miriam nur noch die Mutter seiner Kinder zu sehen.

Sophie ist die Arbeitskollegin von Alice und versprüht viel Lebensfreude. Durch ihr freches, offenes Auftreten, wirkt sie auf andere oft unverletzbar und anmaßend. Dabei hat Sophie ein großes Herz und ist sehr sensibel.

Abigail wird von ihren Freunden „Abs“ genannt. Sie arbeitet als Lehrerin und liebt diesen Beruf. Unter den Freundinnen ist sie die Jüngste. Ihr Lebensgefährte ist der Anästhesist Pete. Abigail neigt zu Ausbrüchen, die von großer Leidenschaft geprägt sind.

Das Schöne und interessante war für mich, dass es um die Liebe zur Literatur geht. Zumindest, sollte man das beim Titel vermuten. Und hier kommt dann leider ein kleiner Kritikpunkt. Obwohl „Die Bücherfreundinnen“ impliziert, dass es hauptsächlich um Bücher geht, ist die Message eine ganz andere. Grundsätzlich spielt Freundschaft die tragende Rolle der Geschichte. Die vier Freundinnen Alice, Miriam, Sophie, Connie und Alice verbringen viel Zeit miteinander. Eine fehlt jedoch. Lydia starb drei Jahre zuvor und kann nicht mehr am gemeinsamen Buchclub teilhaben und mit ihren Mädels lachen und weinen, Spass haben und gemeinsam essen. Am Meisten leidet ihr zurück gelassener Mann unter ihrem Tod.

In der Zwischenzeit hatten wir ein aufschlussreiches Gespräch am Telefon geführt, in dem er mir erklärte, sei seit vier Jahren eine gute Freundin und seit beinahe zwei Jahren eine sehr gute Freundin. Als ich eine Erklärung dieser Freundschaftskategorien forderte, wurde klar, dass eine gute Freundin jemand ist, dem man vertraut, während eine sehr gute Freundin jemand ist, mit dem man bei jeder sich bietenden Gelegenheit bis zu Besinnungslosigkeit vögelt.

Des Weiteren ist neben der freundschaftlichen Komponente auch die Liebe großes Thema. Die 32jährige Alice hat einfach kein Glück mit Männern und sucht verzweifelt nach dem Einen. Ihre Freundinnen wollen ihr deshalb helfen und übersehen, dass der Richtige wahrscheinlich viel näher ist, als sie glauben. Die Bücherfreundinnen ist allerdings alles andere als ein kitschiger Liebesroman. Die Charaktere sind liebenswert und menschlich und schafften es so sehr  schnell, mich für sie zu begeistern.

Die Autorin verleiht den Protagonisten viel Herz und der Handlung so große Emotionen. Ab und an liefen bei mir auch Tränen. Titel und Klappentext sind allerdings etwas verwirrend, weil es um sehr viel mehr geht, als man auf den ersten Blick glauben mag. Ich mochte Die Bücherfreundinnen sehr gerne lesen und war sehr überrascht, von den klugen und traurig-schönen Momenten, welche die Geschichte bereithält.  Beim Weglegen am Ende des Buches war ich richtig traurig, dass ich Alice und ihre Freundinnen „hergeben“ musste.


Kennt ihr „Die Bücherfreundinnen“ oder weitere Bücher von Jo Platt? Dann lasst es uns wissen.

Informationen zum Buch

Die Bücherfreundinnen • Jo Platt • Originaltitel: • Übersetzerin: Katharina Naumann • Rowohlt • 2016 • 384 Seiten • Paperback• ISBN: 978-3-499-26886-1 • Preis: €9.99€ • Buch kaufen

Neuzugänge | Lee, Enfield und Thien

Ich freue mich, dass ich euch meine aktuellen Neuzugänge im Bücherregal vorstellen darf. Ich hatte mir für dieses Jahr eigentlich vorgenommen, mir immer erst dann ein neues Buch zuzulegen, wenn ich mit einem fertig bin. Ihr seht: ich schaffe es nicht.  Es gibt einfach viel zu viele wundervolle Bücher, dass es mir unsagbar schwerfällt, immer nur eines mitzunehmen.

Wer die Nachtigall stört

Worum es geht: Die Handlung spielt in den Südstaaten Amerikas der 1930er Jahre. Die achtjährige Scout und ihr älterer Bruder Jem werden mit Vorurteilen und Rassismus konfrontiert, welcher zu dieser Zeit in den Vereinigten Staaten die schwarze Gesellschaft auf brutale Weise traf. Der Vater von Scout und Jem ist Rechtsanwalt und vertritt einen schwarzen Landarbeiter, welcher beschuldigt wird, ein weiße Mädchen vergewaltigt zu haben. Die beiden wollen ihren Vater dabei unterstützen und bringen sich selbst in Gefahr.

Was ich erwarte: Ich lese das Buch im Rahmen der Rory Gilmore Reading Challenge. Jenni hat es für mich ausgesucht und ich habe mich über diese Buch besonders gefreut. Die Thematik finde ich sehr aufrüttelnd und wichtig. Außerdem erwarte ich ein gutes Ende. Obwohl es sich bei diesem Buch um einen absoluten Klassiker handelt, habe ich es bisher nicht gelesen und bin deshalb umso gespannter.

Ivy & Abe

Worum es geht: Ivy und Abe begegnen sich mehrmals in ihrem Leben zu verschiedenen Zeitpunkten. Immer wieder verpassen sie ihr gemeinsames Glück. Obwohl sie sich immer wieder treffen, trennen sich ihre Wege am Ende wieder. Sie haben eine Affäre miteinander und irgendwann heiraten sie sogar. Doch auch diese Ehe ist geprägt von Krisen. Ob die Liebe der Beiden je von langer Dauer sein wird, ist unklar.

Was ich erwarte: Mich erinnert die Geschichte sehr an Zwei an einem Tag von Dave Nicolls und gerade deshalb schon möchte ich sie lesen. Ich bin wohl hoffnungslos romantisch und denke, dass es im Leben genau einen anderen Menschen gibt, der für einen bestimmt ist. Alle anderen werden diesen Platz vermutlich nie ganz einnehmen können. Besonders ansprechend finde ich, dass es keine kitschige Romanze ist, bei welcher sich Mann und Frau unsterblich ineinander verlieben und von nun an glücklich und zufrieden leben.  Es ist viel authentischer, denn vor allem sind es auch die „schlechten Zeiten“, welche die beiden zusammenschweißen.

Sag nicht, wir hätten gar nichts

Worum es geht: Die Geschichte spielt in China der 1940er Jahre bis heute und erzählt das Schicksal zwei eng verbundener Musikerfamilien. Sie geraten in einen Strudel von Gewalt, Unterdrückung und Revolution. Marie aus Kanada ist die Erzählerin der Geschichte. Ihre Eltern stammen aus China. Während sie mit ihrer Mutter zusammen lebt, ist ihr Vater in sein Heimatland zurück gekehrt. Marie möchte Licht ins Dunkel der Vergangenheit Chinas bringen.

Was ich erwarte: Das wunderbare Cover mitsamt Titel hat mich neugierig gemacht. Die Geschichte Chinas, die Korruption, das Leid der Menschen über viele Generationen – all das finde ich sehr tragisch. Ich bin aber auch neugierig, mehr darüber zu erfahren. Die Autorin wurde schon mehrfach für dieses Buch ausgezeichnet. Meine Erwartungen sind also hoch.


Das waren meine neuen Schätze der Literatur. Habt ihr eines der Bücher schon gelesen?

MerkenMerken

MerkenMerken

Selbst das Heimweh war heimatlos

Bericht eines jüdischen Emigranten. Nicht nur wegen seiner äußerst wichtigen Message ist Selbst das Heimweh war heimatlos ein wertvolles Buch und sollte gelesen werden. Die Flucht vor den Nationalsozialisten und die Gefangenschaft unter selbigen, ist Hauptbestandteil des Buches. Das Besondere ist wohl, dass es sich um das Manuskript des Autors Moriz Scheyer handelt. Dieser starb 1949. Das Erzählte wird somit aus erster Hand wiedergegeben und so wirkt es äußerst emotional und authentisch. An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, wie sehr mich diese Erzählungen aufgewühlt und beeinflusst haben.

Was der Klappentext verrät

Wien 1938. Moriz Scheyer (1186 – 1949) ist ein bekannter Feuilletonist und beliebter Schriftsteller, fest eingebunden, in das engmaschige Netz der Wiener Kulturszene, befreundet mit Stefan Zweig und Joseph Roth. Nun zwingt ihn der „Anschluss“ in die Emigration, über die Schweiz flieht er vor den Nationalsozialisten nach Frankreich, nicht ahnend, dass er dort nicht überall mit offenen Armen empfangen wird. Vor ihm liegen Jahre der ständigen Unsicherheit und akuten Bedrohung, bis er schließlich im November 1942 Zuflucht in einem Kloster in Südfrankreich findet und seine Erfahrungen zu Papier bringt. 

Jahrzehntelang war dieser ergreifende und eindringliche Text vergessen. Nun erscheint er zum ersten Mal in seiner Originalsprache und bereichert die Nachwelt und die deutschsprachige Exilliteratur um ein bislang unbekanntes, bewegendes Zeugnis des Flüchtlingsdaseins, der Enttäuschungen und Hoffnungen in den Zeiten von Krieg und Vertreibung. 


Ja, dieses Frankreich war mir wie eine Geliebte, der man freudig dient und an der man unmöglich eine Enttäuschung erleben kann. Noch ihre kleinen Schwächen empfindet man als eine Reiz mehr. In Österreich war ich zu Hause. Aber in Frankreich fühlte ich mich daheim. So war das Bild Frankreichs in mir. Damals, vor der Emigration.

Geschrieben hat Scheyer das Manuskript zum Buch in einem Franziskanerinnen-Kloster in der Dordogne. Zu dieser Zeit hat er sich mit seiner Frau dort vor den Nationalsozialisten versteckt. Das Manuskript geriet lange Zeit in Vergessenheit, bis es 2015 von seinem Stiefenkel in London im Familiennachlass entdeckt wurde.

Obwohl ich bereits vieles über die NS-Zeit gelesen habe, erfährt man immer wieder neue, erschreckende Erkenntnisse. Scheyer schreibt sensibel und aufklärend und schildert erschreckende Geschehnisse. Kaum eine Seite ließ mich kalt und vieles wühlte mich schon beim Lesen so sehr auf, sodass ich mir für das Buch viel Zeit nehmen musste.

Ein bewegendes Zeugnis dieser grauenvollen Zeit im Nationalsozialismus. Sehr authentisch, ehrlich und beklemmend, erzählt der Zeitzeuge Scheyer, was er erlebt hat. Einzig wirkten mir manche Textpassagen etwas engstirnig, was mich beim Lesen aber nur zu einem kleinen Teil beeinflusste und sicherlich auch meiner Unwissenheit zuzuschreiben ist. Schließlich muss man verstehen, dass Frankreich, insbesondere Paris, aufgrund der fürchterlichen Erfahrungen, dem Autor nicht in bester Erinnerung blieben. Nach dem Lesen blieb ich etwas sprachlos, wütend und traurig zurück. Ich bin sehr froh, dass dieses Manuskript die Menschen heute mit Wissen und der Wahrheit bereichert.


Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Ein Meilenstein für die Nachwelt. Sehr zu empfehlen.

Informationen zum Buch

Selbst das Heimweh war heimatlos •  Moriz Scheyer • Rowohlt • 2017 • 384 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-498-06441-9 • Preis: €22.95 • Buch kaufen

MerkenMerken

MerkenMerken