Piper

Alles wird unsichtbar

New Yorker Bronx. 1970er Jahre. In dieser Zeit beginnt das Geschehen des Romans Alles wird unsichtbar von Gerry Hadden. Milano ist der Adoptivsohn afro-kubanischer Eltern. Es geht um einen folgenschweren Unfall, das Abrutschen in die Kriminalität, die Suche nach den eigenen Wurzeln und eine letzte Chance, zurück ins Leben zu finden.

Darum gehts

Als einziger Weißer lebt Milano mit seinen Adoptiveltern in der Bronx. Er ist auch der einzige Junge in der Nachbarschaft, der spanisch spricht. Eigentlich ist Milano ein glückliches Kind. Er liebt seine musikalischen Eltern, die ihn adoptierten und genießt vor allem die bedingungslose Liebe seiner Mutter Miriam. Eines Tages allerdings geschieht ein fürchterlicher Unfall, bei welchem diese stirbt. Von dort an ist nichts mehr wie es war.

Milano wird ab dem Zeitpunkt von seinem Adoptivvater Hipolito geschnitten. Dieser gibt ihm die Schuld an dem Tod seiner geliebten Frau. Und obwohl er das Milano gegenüber nie äußert, lässt er es ihn täglich spüren. Völlig auf sich allein gestellt und auf elterlichen Liebesentzug, beginnt Milano krumme Dinge zu drehen. Immer dabei ist sein bester Freund. Obwohl beide des Öfteren erweicht werden, hören die kriminellen Machenschaften nicht auf. Im Gegenteil: der Kick, den Milano empfindet, wenn er etwas zerstört, lässt ihn weitermachen.

Irgendwann landet Milano in einem Jungendgefängnis. Man könnte meinen, das sei der Abstieg, das Ende. Aber genau hier fängt Milano an zu begreifen, dass es so nicht weitergehen kann. Dass das Leben mehr wert ist. Er verliebt sich zum ersten Mal, macht sich auf die Suche nach seiner leiblichen Mutter und seinem Onkel und der eigenen Identität. Er wünscht sich nichts sehnlicher als eine zweite Chance.

Spoilerfreie Rezension

Die ersten Kapitel haben mich wahrlich mitgerissen. Die Geschichte von Milano ist spannend und emotional geschrieben. Seine Adoptiveltern scheinen sich wunderbar um ihn zu kümmern. Besonders Miriam kümmert sich aufopferungsvoll um den kleinen Jungen. Nach dem Unfall, bei dem diese stirbt, ist es erschreckend, fast grausam zu lesen, wie stiefmütterlich Milano fortan von seinem Adoptivvater behandelt wird. Schließlich ist er noch ein Kind.

Dass Milano auf die schiefe Bahn gerät, hat mich nicht allzu sehr verwundert. Ohne Liebe, ohne Halt und ohne jede Form von Erziehung und Regeln, lebt er quasi in den Tag hinein. Ganz auf sich allein gestellt. Die Trauer über den Tod von Miriam sitzt tief. Diese schlägt alsbald in Wut um und irgendwann gerät Milano tief in den Strudel der Kriminalität. Bis hierhin liest sich alles flüssig und nachvollziehbar.

Zitat aus dem Buch

„Entweder erwsachsen werden oder einen Weg finden, um zu sterben.“

Fazit

Ab Mitte des Buches enttäuscht es mich immer mehr. Die Geschichte wirkt nicht mehr authentisch und oft wirr und die Charaktere sagen mir nicht mehr zu. Vieles wird nur kurz angeschnitten, später jedoch nochmals thematisiert, ohne dass ich den Sinn dahinter nachvollziehen kann. Obwohl die Idee und der Schreibstil sehr ansprechend auf mich wirkten, hat mich das Buch ab der Hälfte nicht mehr fangen können. Das Ende ist noch einmal sehr versöhnlich. Es ist nicht absehbar, was geschieht und es bietet viel Emotionen. Leider kam dieser positive Abschluss aber zu spät.

Rund ums Buch

Alles wird unsichtbar • Gerry Hadden • Piper • Originaltitel: Home, In Pieces • Übersetzer: Stefanie Jacobs, Simone Jakob • 2017 • 352 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-492-05880-3 • Preis: €20.00 • Buch kaufen


Mein Dank für das Rezensionsexemplar geht an den Piper-Verlag.
Ein aufrüttelndes, emotionales Buch mit schwachem Hauptteil. Kennt ihr „Alles wird unsichtbar“?

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Sieh mich an

Beim Lesen dieses Buches habe ich die ganze Zeit auf diesen einen fesselnden Moment gehofft, den wir doch alle kennen. Zum Beispiel wie stark die Mutter ist, wie sie alleine mit ihren Kindern zurechtkommt. Doch stattdessen entdeckt sie das Etwas und sieht darin ihr Todesurteil.

Darum gehts

Ein Tag im Leben einer 40-jährigen Frau. Katharina ist Mutter, Ehefrau, fanatische Listenschreiberin und Besitzerin eines Etwas. Dieses Buch handelt von einem einzigen Tag in ihrem Leben. Natürlich ist es ein aufregender Tag, mit viel Chaos und unerwarteten Situationen. Sie muss sich immerhin mit einem abgetrennten Daumen und brennenden Trocknern herumschlagen.

Spoilerfreie Rezension

Noch hinzu kommen viele Anekdoten aus dem Leben der Mutter. Sie erinnert sich immer wieder an ihre Jugend, an das Kennenlernen mit ihrem Mann und an die Zeiten als junge Mutter. Schließlich schaut Katharina ja auch dem Tod ins Auge.

Man könnte meinen, es ist ein Buch über das Leben und den Tod. Eine Geschichte einer toughen, beeindruckenden Frau, die dem Leser ein Vorbild für solche Situationen sein kann. Ich gebe zu, deswegen habe ich mich für dieses Buch entschieden, denn ich habe auf eine beeindruckende, spannende und fesselnde Geschichte gehofft. So fing sie auch an und ich möchte nicht behaupten, dass sie es nicht auch zwischendurch war.

Die Charaktere in diesem Buch sind sehr verschieden und toll durchdacht. Die beiden Kinder zum Beispiel. Der große Bruder hat gerade seine erste Freundin, widmet sich, wie schon seine Mutter, der Musik und weiß genau was er will. Die kleine Schwester ist etwas schwieriger. Schon am Anfang der Geschichte wird man mit ihr konfrontiert und auch mir kamen als erstes die Gedanken an ADHS in den Kopf. Sie ist aufmüpfig, hibbelig und ihre Mutter ist mit ihr völlig überfordert. Noch dazu kommen die Nachbarn, die zwar verrückt aber liebenswert sind.

Von ihrem Ehemann Costas lernt man nur ihre Sicht kennen. Natürlich fällt diese nicht sehr gut aus. Schließlich führen sie eine Wochenendbeziehung und halten diese auch nur durch regelmäßige Streitereien am Leben.

Natürlich betont sie mehrfach, wie schrecklich ihre Mutter und Großmutter schon in jungen Jahren starben. Deshalb traut sie sich nicht zum Arzt. Ihr Mann weiß auch nichts von dieser Vergangenheit und sie weiß ja schon was auf sie zukommen wird. Chemo, Bestrahlung, Glatze – das dieses Etwas auch einfach nur ein harmloser Knoten sein könnte, kommt ihr nicht einmal in den Sinn.

Unter anderen ist dies auch der Grund, warum ich so lange an diesem Buch gesessen habe. Trotz der geringen Seitenzahl habe ich ewig gebraucht, es zu lesen. Ich habe kein Interesse gehabt, zu wissen, wie es weitergeht. Immer wenn es spannend wurde, wurde eine elend lange Nebengeschichte eingeworfen, die meistens nichts mehr mit der eigentlichen Handlung zu tun hatte. Oder aber die Protagonistin hat sich ihren Tod vorgestellt. Für mich unbegreiflich, wie man mit zwei Kindern so egoistisch sein kann, denn auch das Thema Selbstmord ging ihr des Öfteren durch den Kopf.

Was ich aber dennoch einwerfen möchte ist, dass dieses Buch in Schleswig-Holstein spielt. Die Protagonistin lebte damals in Lübeck und heute in Kiel. Auch Flensburg (die Stadt in der ich lebe), Leck und ein bisschen Dänemark kommen vor, was mich zwischendurch wieder ein bisschen aufwecken konnte.

Zitate aus dem Buch

„Ich werde nach und nach weniger werden, mich immer mehr von der Person entfernen, die ich jetzt bin. Und irgendwann werden auch die anderen einsehen und begreifen, was mir jetzt schon klar ist, weil es verborgen in meinem Inneren längst schon begonnen hat: dass es ans Sterben geht.“

„So wie Helli zwischen Wut und Eifer, höchster Freude und tiefster Verzweiflung, guten Absichten und finsteren Racheplänen hin- und herpendelte, so sauste ich wie eine Flipperkugel zwischen meinen Gefühlen ihr gegenüber herum.“

„Ich sehe mich selbst auf der Bettkante sitzen, und ich sehe die Entschlossenheit in meinem Körper, die Leere in meinem Blick, und ich weiß, dass es dort tatsächlich hätte zu Ende sein können, dass ein düsterer, tragischer Teil meiner selbst, ganz ironiefrei zu allem bereit gewesen ist.“

Fazit

Zusammengefasst ist es ein Buch, welches ich leider nicht weiterempfehlen würde. Natürlich hat es witzige, spannende und erfrischende Stellen (wer ist schließlich nicht von einem abgetrennten Daumen gefesselt?), doch haben mich ihre Sturheit und die ewigen Anekdoten einfach zu sehr genervt.

Rund ums Buch

Sieh mich an • Mareike Krügel • Piper • 2017 • 256 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • ISBN: 978-3-492-05855-1 • Preis: €20.00 • Buch kaufen


Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Piper Verlag und Vorablesen zur Verfügung gestellt.
Interessiert euch diese Thematik?

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken