Amt für Mutmaßungen

Das Schöne am Lesen für mich persönlich ist, dass ich immer wieder in völlig neue Welten eintauchen kann. Und wenn mir das gelingt, dann handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein gutes Buch. Beim Folgenden fällt es mir auch nach dem Beenden noch immer schwer, eine Meinung zu fällen. War es nun ein Buch, welches mich überzeugen konnte oder eher nicht? Mit diesem ungewissen Gefühl bleibe ich nun zurück. Dass ich auch nach dem Lesen nicht klar sagen kann, ob ich das Buch mochte oder nicht, ist selten. Amt für Mutmaßungen hat mich besonders wegen seines Klappentextes angesprochen. Beim Lesen musste ich mich dann ein paar Mal vergewissern, ob ich jenes Buch in den Händen hielt, welches der Klappentext mir versprach.

Was der Klappentext verrät

Ihre Liebesbriefe versahen sie früher mit dem Absender „Amt für Mutmaßungen“. Mittlerweile sind sie verheiratet, haben ein Kind und neue Jobs – aber immer noch viele Fragen und kaum Antworten. 


Man wechselt durch die Fahrt über´s Meer nur das Klima und nicht seine Seele.

Die Autorin Jenny Offill war mir bisher kein Begriff. Bis zu diesem Buch. Was ich vorweg sagen kann ist, dass Amt für Mutmaßungen einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Besonders positiv hervorzuheben ist die Gestaltung. Sowohl das Cover, als auch die Innenseiten sind sehr schön anzusehen, weil schlicht, aber ästhetisch. Durch die kurzen Absätze und vielfältigen Themensprünge wirkt die Story interessant und leicht.

Ich hatte zu Beginn Schwierigkeiten nachzuvollziehen, um wen es eigentlich geht. Alles wirkte sehr wirr. Ich war auf eine zusammenhängende Geschichte eingestellt, die es so aber nicht ist. Aber umso mehr ich las, umso klarer wurde es. Es handelt sich viel mehr um Tagebucheinträge einer Frau. Der Schreibstil als solcher ist anspruchsvoll und klug. Das ist etwas, was mir sehr zusagt. Als Leser sollte einem klar sein, dass dieses Buch nicht nebenbei gelesen werden kann. Viel zu viele Details würden dabei verloren gehen.

„Böse Gedanken hat jeder“, sage ich. „Versuch einfach, sie nicht in die Tat umzusetzen.“

Was nach dem Lesen sofort hängen bleibt sind der skurrile Humor und die vielen, oft beeindruckenden Zitate. Vor allem Letztere sind ein großer Pluspunkt dieses Buches. Viele Einträge der Frau regen zum Nachdenken an. Die Hauptprotagonistin lernt man hier nicht persönlich kennen. Deshalb fiel es mir beim Lesen manchmal schwer, mitzufühlen. Wir lernen die Person, welche die Tagebucheinträge schreibt nur aus ihren Aufzeichnungen kennen. Sie hat keinen Namen und wir haben keine Vorstellung im Kopf, wie sie aussehen mag. Somit sind die Texte auf die Mehrheit der Menschen zutreffend und dieser Umstand ist es dann, der dazu führt, dass die Person hinter den Einträgen ein „Gesicht“ bekommt.

Am Ende bleibe ich, wie erwähnt, etwas ratlos zurück. Die Geschichte ist in jedem Fall aufwühlend, emotional und lebensnah. Dennoch hat mir ein Charakter gefehlt, mit dem ich mich identifizieren kann. Ich bin froh, das Buch gelesen zu haben und fand die Erzählweise sehr interessant und oft faszinierend. Es bleibt ein sehr intelligentes Buch, welches mir oft aus der Seele gesprochen hat, auch wenn es an manchen Stellen für Verwirrung sorgte.


Ich bedanke mich beim Penguin-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Ein Buch der besonderen Art. Auch wenn es mich nicht ganz überzeugen konnte. Wäre diese Erzählperspektive etwas für euch?

Informationen zum Buch

Amt für Mutmaßungen •  Jenny Offill • Penguin • 2017 • 176 Seiten • Taschenbuch • Originaltitel: The Department Of Speculation • Übersetzung: Melanie Walz • ISBN:978-3-328-10082-9 • Preis: €9.00 • Buch kaufen

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The Girl Before

Einen Menschen in Worte zu fassen, ist keine leichte Aufgabe. Ein Leben ist so viel mehr wert als ein paar Zeilen in denen wir uns meistens beschreiben. Mein Name ist Renate, ich bin 21 Jahre alt und sowohl literaturverliebt wie auch schreib- und fotografiebegeistert. Blogging Renate ist meine kleine Ecke von Himmel, wo ich all die Dinge die ich liebe mit meine Lesern teile. Auf meinem Blog beschäftige ich mich sowohl mit Literatur wie auch mit den verschiedenen Lifestyle-Themen. Neben Buchbesprechungen machen Beiträge rund um das Thema Lesen und Literatur den Charakter des Blogs aus. Der Fokus liegt heute auf Gegewartsliteratur, historischen Romane, Thriller / Horror. Aber es finden auch zahlreiche andere Genres Beachtung. Ich lese alles was auf den ersten Blick spannend erscheint, unabhängig vom Genre und darüber schreibe ich auch auf meinem Blog.

The Girl Before behandelt auf eine sehr subtile Art die Thematik der vollkommenen Kontrolle und Macht über Andere in einer modernen Welt. Bereits der Einband verströmt eine tolle Mischung aus Kälte und Spannung, was wir im Buch auch so wiederfinden. Anfangs hatte ich meine kleinen Probleme mit dem Buch, vor allem mit der Kälte die aus jeder Zeile und jedem Wort dem Leser entgegen gebracht wird. Allerdings gewöhnte ich mich schnell daran und ließ mich in die Fänge der Geschichte. Die Spannung steigt mit jeder gelesene Seiten.

Das verrät der Klappentext

Nach einem Schicksalsschlag braucht Jane dringend einen Neuanfang. Daher überlegt sie nicht lange, als sie die Möglichkeit bekommt, in ein hochmodernes Haus in einem schicken Londoner Viertel einzuziehen. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie dann auch noch den charismatischen Besitzer und Architekten des Hauses kennenlernt. Er scheint sich zu ihr hingezogen zu fühlen. Doch bald erfährt Jane, dass ihre Vormieterin im Haus verstarb – und ihr erschreckend ähnlich sah. Als sie versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, erlebt sie unwissentlich das Gleiche wie die Frau vor ihr: Sie lebt und liebt wie sie. Sie vertraut den gleichen Menschen. Und sie nähert sich der gleichen Gefahr.


Der Leser steht immer wieder vor überraschenden Wendungen, denn mit allem, was er immer wieder neu über die Hauptpersonen erfährt, wird der eigene Blick auf sie zahlreiche Male immer wieder verändert. Mit jedem neuen Detail, das über das Leben der Protagonisten bekannt wird, ändert sich die Sympathie für sie. Steht man anfangs noch auf der Seite der einen, kann sich das bis zum Ende des Buchs ins Gegenteil umkehren. Man schwankt, zu wem man halten soll und somit wird die Relativität menschlicher Beziehungen zur Erkenntnis gebracht.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich nicht allein bin. Manchmal glaube ich, dass dieses Haus mich beobachtet. Etwas muss hier geschehen sein. Etwas Schreckliches.

Die Erzählperspektive wechselt kontinuierlich von damals nach heute. Das Besondere an diesem Wechsel liegt darin, dass das, was die beiden Protagonisten erleben, sehr viele Parallelen aufweist. Auch der Schreibstil ist eine Sache für sich. Ich hab noch in keinem Buch einen so kalten, leichten und gleichzeitig so packenden Schreibstil wiederfinden können. Dieser einzigartige Stil rundet die Geschichte ab. Die Story bietet gute Einblicke in die Welt der Technik und des sogenannten „Smart Home“. Vor- wie auch Nachteile werden in dem Buch deutlich gemacht, allein durch die Erlebnisse der Protagonistin.

Das Ende erfüllte meine Erwartungen leider nicht. Es war zwar spannend und verbunden mit dem bis dahin angewöhnten Nervenkitzel, aber für meinen Geschmack etwas zu schwach in Relation zu dem, was das Buch bisher bereit hielt. Und es wurde viel zu schnell erzählt, wenngleich es zu der ungewöhnlichen Handlung des Buches passte.


Wie gefiel euch „The Girl Before“?

Informationen zum Buch

The Girl Before • J.P. Delaney • Penguin •2017 • 400 Seiten • Taschenbuch • Übersetzung: Karin Dufter • ISBN: 978-3-32810-009-7 • Preis: €14.99 • Buch kaufen

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