Sieben Jahre später

Es gibt Bücher, die tun es einem einfach an . Sofort. So erging es mir gestern. Innerhalb von fünf Stunden hatte ich den Roman Sieben Jahre später von Guillaume Musso durch. Das ist für mich wahrlich Rekordzeit. Ich muss zugeben, dass ich im Zug saß und sich die Strecke von Berlin nach Freiburg wahnsinnig zieht und lesen da eine willkommene Ablenkung ist, dennoch hat es ein Buch lange nicht geschafft, dass ich unbedingt dran bleiben wollte. Ich war richtig traurig, als ich „schon“ in Mannheim mit dem Buch fertig war und die folgenden anderthalb Stunden nicht mehr weiterlesen konnte. Es handelt sich bei Sieben Jahre später um einen Spontankauf, weshalb ich umso glücklicher war, dass es mir so gut gefiel.

Das verrät der Klappentext

Nikki und Sebastian sind geschieden – und glücklich darüber. Doch als ihr Sohn Jeremy spurlos verschwindet, müssen sie sich zusammen auf die Suche nach ihm machen. Auf ihrer atemlosen Verfolgungsjagd stellen sie sich den schwierigsten Herausforderungen: rätselhaften Botschaften, skrupellosen Gegnern – und ihren eigenen Gefühlen.


Um einmal beim Cover anzufangen; es ist so gelungen. Ich mag die Fotografie auf Vorder-und Rückseite. Am Anfang des Buches,  Im inneren, kann man außerdem die Seiten aufklappen, sodass zum Einen die Sicht von Nikki, als auch die von Sebastian deutlich wird. Das ist hier wirklich sehr schön gemacht. Die Kapitel sind sehr kurz, was mir besonders gefiel. Denn es fällt mir so viel leichter ein Buch zu lesen. Wenn die einzelnen Kapitel sich zu sehr in die Länge ziehen, bin ich schnell raus und hier war es möglich, die sehr kurzen Abschnitte zu verinnerlichen und so nicht den Handlungsstrang zu verlieren.

Die Idee, die hinter der Handlung steckt, finde ich außergewöhnlich und sehr gut umgesetzt. Nikki und Sebastian könnten nicht unterschiedlicher sein. Beide leben im amerikanischen New York, haben sich aber seit sieben Jahren nicht mehr gesehen. Und das, obwohl sie Zwillinge haben. Jeremy und Camille. Während der Sohn bei seiner Mutter lebt, wohnt Camille bei Sebastian. Beide führen sehr gegensätzliche Leben. Sebastian ist ein erfolgreicher und weltbekannter Geigenbauer, während Nikki sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Er legt großen Wert auf Regeln, kontrolliert sogar das Handy seiner Tochter und ortet diese, während Jeremy bei Nikki viele Freiheiten genießt. Camille ist auf einer anerkannten Schule, geht  mit ihrem Vater regelmäßig auf kulturelle Veranstaltungen und wird in ihren Talenten gefördert. Jeremy hingegen interessiert sich für Poker und Graffiti.

Er verstand die Menschen nicht mehr, er verstand die Jugend nicht mehr, er verstand die Welt nicht mehr. Alles brachte ihn zur Verzweiflung und erschreckte ihn. Die Welt tanzte am Rande des Abgrunds, überall lauerte Gefahr.

Die familiäre Situation hat mich sehr berührt. Denn Zwillinge zu trennen, finde ich sehr bedenklich. Die Vorstellung von meiner Schwester- und wir sind keine Zwillinge- getrennt aufzuwachsen, stelle ich mir im Nachhinein schrecklich vor. Nikki wurde von Sebastian nach der Trennung vor vollendete Tatsachen gestellt. Und bevor sie beide Kinder verlieren würde, entschied sie sich dafür, dass Jeremy bei ihr leben würde und Camille bei Sebastian. Eine sehr harte Entscheidung. Im Buch wird immer wieder deutlich, dass Camille ihrem Vater viel näher steht. Was kein Wunder ist, denn Jeremy lebt bei seiner Mutter. Dennoch finde ich es sehr emotional zu sehen, wie wenig Sebastian von seinem Sohn weiß und dass er ihn immer mit seiner Mutter in Verbindung bringt, die er nicht mehr sehen will. Somit ist auch das Verhältnis zwischen Vater und Sohn äußerst angespannt. Sebastian scheint, bis Jeremy verschwindet, kein großes Interesse an seinem Sohn zu haben.

Nikki und Sebastian sind sich 1996 das erste Mal  begegnet. Zur Weihnachtszeit in einem New Yorker Einkaufszentrum. Dort wollte Nikki gerade einen Kaufhausdiebstahl begehen, als Sebastian sie dabei sah und  sich auf den ersten Blick in sie verliebte. Einige Zeit später treffen sich beide in Paris wieder und es beginnt eine leidenschaftliche Liaison. Das Einzige, was Nikki und Sebastian allerdings miteinander verbindet ist ein Buch, das beide sehr mögen. In allen anderen Bereichen finden sich keinerlei Gemeinsamkeiten. Für mich grenzte es deshalb an ein Wunder, dass die Beiden überhaupt ein Paar wurden und Kinder bekamen. Aber genau das ist es wohl, was diese rührende Geschichte so besonders macht.

Eines Morgens sind wir fischen gegangen, nur wir beide, und er hat mir erzählt, wie er meine Mutter kennen gelernt hat. Warum er sich unsterblich in sie verliebt hat, wie er ihr nach Paris gefolgt ist und wie es ihm gelungen ist, sie zu erobern. Ich erinnere mich an den Satz „Wenn du jemanden wirklich liebst, ist keine Festung uneinnehmbar“. Das klingt gut, aber ich bin nicht sicher, dass es stimmt.

Ich darf an dieser Stelle nicht vergessen zu erwähnen, dass das Buch eigentlich das Thriller-Genre bedient. Das vergaß ich beim Lesen aber immer wieder. Die gemeinsame Suche nach dem Sohn Jeremy, der offenbar in großen Schwierigkeiten steckt, bringt die Eltern einander wieder näher. Gewalt und Mord spielen in Sieben Jahre später auch eine Rolle. Für mich war die Liebesgeschichte von Nikki und Sebastian jedoch die eigentliche Handlung. Sie stehen vor der schwierigen Aufgabe, an einem Strang zu ziehen, obwohl sie nichts mehr füreinander übrig haben und müssen sich sehr gefährlichen und halsbrecherischen Aktionen aussetzen um ihren Sohn wieder zu finden. Und dann verschwindet auch noch Camille.

Ich möchte euch das Buch wirklich empfehlen. Es ist so authentisch, sehr emotional und nahm mich sofort für sich ein. Die sehr bittere Geschichte, die am Anfang heftigen Dialoge zwischen Nikki und Sebastian, das Verschwinden von Jeremy und was am Ende hinter allem steckt, ist sehr bewegend. Guillaume Musso schafft es, einen spannenden Thriller zu schreiben, in dem die Liebesgeschichte überwiegt. Mit viel Action und ebenso viel Romantik ist ein grandioses Buch gelungen.


Habt ihr „Sieben Jahre später“ gelesen und wie gefiel es euch?

Informationen zum Buch

Sieben Jahre später • Guillaume Musso • Pendo • 2013 • 416 Seiten • Taschenbuch • Originaltitel: 7 ans aprés • Übersetzung: Eliane Hagedorn, Bettina Runge • ISBN: 978-3-86612-317-5 • Preis: €14.99 • Buch kaufen

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