8. April 2018

Eine Liebe, in Gedanken

Durch die Plattform Vorablesen bin ich auf den Roman Eine Liebe, in Gedanken gestoßen und war sofort neugierig auf den Debütroman von Kristine Bilkau. Glücklicherweise habe ich eines der Rezensionsexemplare ergattert und durfte in die Geschichte von Antonia und Edgar eintauchen. Ganz viel Liebe, Hoffnung, Lügen und Träume der im Krieg geborenen Generation werden dem Leser zuteil.

Darum gehts

Antonia und Edgar leben in den Sechzigerjahren. Sie sind getrieben von der Aufbruchs- und Umbruchsstimmung nach dem Krieg. Antonia hat Träume, Sehnsüchte und eine enge Verbundenheit zu Edgar. Beide sind ineinander verliebt und möchten ihr Leben miteinander verbringen. Edgar geht eines Tages beruflich nach Hongkong. Antonia soll ihm folgen. Fortan wird ihre Liebe auf eine harte Probe gestellt.

Spoilerfreie Rezension

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Antonias späterer Tochter. Die Frau, welche inzwischen selbst eine erwachsene Tochter hat und ein Familienleben führt, erzählt kurz nach dem Tod ihrer geliebten Mutter von deren gescheiterten Träumen, zurück gelassenen Briefen und ihren liebenswerten Eigenarten.

Mir gefiel der Wechsel der Generationen. Die Sechzigerjahre und die Gegenwart spielen in dem Roman eine wichtige Rolle, auch wenn das Leben der jungen Antonia den meisten Raum bekommt. Mit Antonia, genannt Toni, konnte ich mich sofort identifizieren. Ich mochte ihre lockere, fröhliche und verträumte Art von Beginn an.

Edgar hingegen wurde mir nie recht sympathisch. An dieser Stelle möchte ich aber nicht zuviel verraten. Nur erschien mir sein Charakter immer sehr unnahbar und heuchlerisch. Allerdings werden die Figuren von Bilkau sehr gut gezeichnet. Genau so sollten Toni und Edgar vermutlich auf den Leser wirken. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und ich konnte mich sehr gut in die Gedanken von Toni hineinversetzen.

So gelingt es der Autorin, die Orte und Handlungen sehr intensiv zu schildern, sodass sie beim Lesen immer präsent sind. Ich mochte die emotionale Schreibweise und war ein ums andere Mal den Tränen nahe. Der feste Einband mit Schutzumschlag liegt sehr gut in der Hand und das Cover ist ausgesprochen gelungen. Leider wurde auf ein Lesebändchen verzichtet, was ich sehr schade fand.

Zitate aus dem Buch

„An einem Ort zu leben, wo dich niemand kennt. Wo sich für dich selbst alles nur um die Zukunft dreht. Man ist ein Mensch mit leichtem Gepäck. Man ist einfach dort. Man ist ein Mensch ohne Vergangenheit. Zwischen anderen, deren Vergangenheit man nicht kennt, deren Vergangenheit nichts mit einem zu tun hat. An einem Ort, der wie ein leeres Blatt Papier vor einem liegt.“

„Es ist zu Ende: Man hat nichts mehr zu erwarten und bleibt doch noch endlos so stehen, wohl wissend, dass nichts mehr kommen wird.“

Fazit

Eine wunderschöne Geschichte, die von Hoffnungen und Sehnsüchten der Menschen aus den Sechzigerjahren erzählt. Die Protagonisten werden nicht vor großen Enttäuschungen und Lebenslügen verschont und genau damit erreicht Bilkau den Leser. Ein sehr empfehlenswertes Buch, dass die Sicht zweier Generationen miteinander verbindet.

Rund ums Buch

Eine Liebe, in Gedanken • Kristine Bilkau • Luchterhand • 2018 • 256 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • ISBN: 978-3-630-87518-7 • Preis: €20.00 • Buch kaufen


Ich danke Vorablesen für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
Was haltet ihr von generationenübergreifenden Romanen?


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5. Februar 2018

Gelesen | Januar 2017

Und wieder ist es soweit. Wieder sind vier Wochen vergangen und der Januar ist somit zu Ende. Während Jenni fünf Bücher gelesen hat, waren es bei mir nur zweieinhalb – denn das dritte Buch habe ich erst gestern zu Ende gelesen. Der Februar wird hoffentlich erfolgreicher, was das Lesen anbelangt. Wir freuen uns, wenn ihr uns am Ende verratet, was ihr im Januar gelesen habt und auch, was euch besonders gefiel. Für Tipps sind wir immer dankbar.

Jenni´s Lesemonat

(1) Mit Taty und Paul von Natascha Sturm bin ich in das Jahr 2018 gestartet und war begeistert. Ich habe die Autorin letztes Jahr auf der Buch Berlin kennen gelernt und durfte dann ihr Buch mitnehmen. Natürlich ist auch eine Rezension dazu auf unserem Blog erschien, weswegen ich nun nicht weiter auf meine Meinung dazu eingehen möchte. Jedoch muss ich betonen, dass es definitiv mein Monatsfavorit war!

(2) Den dritten Teil von Dark Elements habe ich nicht gelesen, sondern gehört. Es war der dritte und letzte Band und wie ich finde ein wirklich gelungener Abschluss. Für nähere Informationen einfach weiter nach unter scrollen, dort findet ihr meine Reihenrezension zur Trilogie.

(3) Ich habe mich sehr gefreut Der schwarze Thron von Kendare Blake zu lesen. Ich habe auch schon den zweiten und letzten Band hier und bin gespannt wie es weiter geht und ob er dem ersten das Wasser reichen kann. Eine Rezension gibt es hierzu natürlich auch.

(4Kuss der Lüge von Mary E. Pearson ist ein so schöne Buch. Endlich habe ich geschafft es zu beenden, nachdem ich es vor ca. 4 Monaten angefangen habe. Ich weiß auch nicht warum, doch habe ich es nicht geschafft, es an einem Stück zu lesen und musste es immer wieder weglegen. Zum Glück konnte ich mich immer wieder direkt in die Geschichte einfinden und war auch von den letzten Seiten und allgemein der Story begeistert. Auch zu diesem Buch wird noch eine Rezension folgen.

(5) Im Rahmen der Rory Gilmore Reading Challenge las ich Die allertraurigste Geschichte von Ford Madox Ford. Das Buch ist leider mein Flop des Monats geworden. Ich gebe auch zu, dass ich es leider nicht beenden konnte. Ich habe es wirklich versucht, doch konnte ich einfach nicht in die Geschichte reinfinden. Ein Beitrag mit meiner Meinung hierzu findet ihr hier. Ich hoffe, dass es mir mit dem nächsten Buch aus der Challenge besser ergehen wird.

Neri´s Lesemonat

(1) Mein erstes Buch in diesem Jahr war zugleich eines, welches mich unfassbar prägte. Wer die Nachtigall stört von Harper Lee. Viele von euch werden es kennen. Es ist ein literarischer Klassiker. Ich dachte ich wäre den schrecklichen Zeiten von Nationalsozialismus und Apartheid in Buchform überdrüssig, weil es mich immer wieder auf´s Neue sehr fertig macht. Die Autorin hat mit ihrem Werk aber einen Meilenstein geschaffen. Die Geschichte spielt in den 1930er Jahren in Amerika. Harper Lee beschreibt mutig, klug und eindringlich welche Unterschiede in dieser Zeit zwischen schwarz und weiss herrschten. Zur Rezension geht es hier.

(2) Nachdem mein erstes Buch schon an die Nieren ging, tat es auch das zweite. Madeleine Thien erzählt in Sag nicht, wir hätten gar nichts von dem Heimatland ihrer Eltern – China. Sie beginnt während der grausamen Zeiten der Kulturrevolution und den Umerziehungslagern (1940er Jahre) und endet in der Gegenwart. Die vielen Namen haben mich etwas verwirrt. Ansonsten kann ich das Buch wärmstens empfehlen. Thien verpackt die Historik in viele emotionale Geschichten. Ein sehr beeindruckender, Generationen übergreifender Roman. Hier findet ihr meine Rezension.

(3) Last but not least: Ivy und Abe von Elizabeth Enfield. Von diesem Buch hatte ich bereits viel gehört und auf anderen Blogs gelesen. Es hat mir viel besser gefallen, als ich annahm. Ich rechnete mit einer Story, die man so oder so ähnlich schon hunderte Male gelesen hat. Aber weit gefehlt. Enfield erzählt die Geschichte von Ivy und Abe rückwärts und immer wieder anders. Die beiden lernen sich auf verschiedene Weise immer wieder neu kennen und können nie ganz vergessen. Meine Rezension dazu folgt.


Welche Bücher haben euch im Januar besonders gefallen?

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28. Januar 2018

Sag nicht, wir hätten gar nichts

Ich habe in diesem Jahr mein zweites Buch gelesen und bin tatsächlich etwas stolz darauf, denn: das aktuelle hatte mehr als 600 Seiten und da tue ich mich immer etwas schwer. Denn meistens zieht es sich am Ende so sehr, dass ich froh bin, wenn es ein Ende hat. Sag nicht, wir hätten gar nichts, war da sicher eine andere Kategorie. Es handelt sich um einen mehrfach preisgekrönten Generationen übergreifenden Roman der kanadischen Schriftstellerin Madeleine Thien, deren Familie aus China stammt.

Darum gehts

China in den 1940er Jahren ist geprägt von Gewalt, Revolution und Unterdrückung. Zwei Familien, die eng miteinander verbunden sind und ihre Mitmenschen spielen die Hauptrolle in dem Roman. Hauptsächlich wird neben den Schicksalen der Familien selbst deren Kreativität beleuchtet. Die Musik ist spielt die tragende Rolle. Wie kann es in der damaligen Zeit gelingen, kreativ zu sein und sich selbst nicht zu verlieren? Marie lebt mit ihrer Mutter, die aus China stammt in Kanada. Sie will der Frage auf den Grund gehen, warum ihr Vater damals zurück nach China ging. Marie ist zehn Jahre alt, als sie die junge Ai-Ming bei sich aufnehmen. Schon bald wird Marie klar, dass sie mit Ai-Ming viel mehr verbindet.

Spoilerfreie Rezension

Der Klappentext ist schon sehr informativ und, wie ich finde, sehr beeindruckend. Obwohl mir die Geschichte Chinas nicht unbekannt war, haben mich die geschilderten Geschehnisse Thiens, oft schockiert zurück gelassen. Der Autorin gelingt es, dem Leser das China der 1940er Jahre bis heute begreiflich zu machen und es mit all seinen Facetten, Grausamkeiten und seinem Sinn für Familie und Musik zu schildern. Thien selbst wurde 1974 in Kanada geboren und studierte dort kreatives Schreiben. Es folgten erste Auszeichnungen für ihre Literatur und so beschloss sie, sich dieser hauptberuflich zu widmen.

Sag nicht, wir hätten gar nichts gewann den Governer General’s Literary Award und den Scotiabank Giller Prize, hoch angesehene Literaturpreise in Kanada. Erzählt wird die Geschichte von Marie, welche ebenfalls mit ihrer Mutter in Kanada lebt. Eine quälende Frage kreist ununterbrochen in Marie´s Kopf: Warum ist ihr Vater nach China zurück gekehrt? Auf der Suche nach Antworten, lernt Marie Ai-Ming kennen. Ein neunzehnjähriges Mädchen, das aus Peking geflohen ist, und welches Marie´s Mutter bei ihnen aufnimmt. Ai-Ming´s und Marie´s Vater haben sich gekannt. Das weckt das Interesse von Marie mehr und mehr. Sie begibt sich auf die Suche nach Antworten.

Ich bin sehr gut in die Geschichte hinein gekommen. Die Sprache ist ansprechend, klug und mitreissend. Jedes Kapitel ist mit einem chinesischen Schriftzeichen versehen. Immer wieder lässt Thien ihre Leser an anfänglichen Sprachbarrieren teilnehmen. Viele Schriftzeichen werden im Verlauf der Geschichte gezeichnet und erklärt. Die Erzählweise bleibt durchweg beklemmend, emotional und ergreifend.

Eine bedeutende Rolle spielt neben der Suche nach der eigenen Identität und Marie´s Familie, die Musik. Thien beschreibt die musikalische Familie und deren ebenso musikbegeisterte Weggefährten als sehr leidenschaftlich. Die schrecklichen Machenschaften der Politik führen dazu, dass viele von Marie´s Familienmitgliedern und deren Freunde Opfer der Kulturrevolution werden. Millionen von Menschen, unter ihnen Künstler, Musiker und Journalisten wurden in Umerziehungslager gesperrt oder ermordet. Viele Menschen waren gezwungen, ihre eigenen Familien zu denunzieren.

Ich hatte häufig Schwierigkeiten, die Namen der Protagonisten nicht durcheinander zu bringen. So dass ich hier und da etwas verwirrt zurück blieb und einige Passagen noch einmal lesen musste. Das kann aber auch eine persönliche Schwäche von mir sein. Namen wie Wen der Träumer, Fliegender Bär, Große Mutter Messer, Sperling und Glausauge waren zum Teil eine Herausforderung für mich, die Verbindungen einzelner Charaktere untereinander zu verstehen oder viel mehr nachhaltig zu erinnern.

Fazit

Die düstere Vergangenheit China´s wird von Madeleine Thien auf beeindruckende Weise erzählt. Die Gräueltaten der Regierung und die Angst der Menschen werden so real wiedergegeben, dass es mir teilweise schwer fiel, weiterzulesen. All das, was Thien beschreibt, war brutale Realität und berührt sicher all ihre Leser zutiefst.

Zitate aus dem Buch

„Wenn du in einem Zimmer gefangen bist und niemand kommt, um dich zu retten, was kannst du dann tun? Du musst gegen die Mauern hämmern und die Fenster einschlagen. Du musst hinausklettern und dich selbst retten. Es liegt auf der Hand, Li-Ling, das Weinen im Leben nicht weiter hilft.“

„Man kann in sich selbst ertrinken. So fühle ich mich.“

„In diesem Land hatte Wut keinen Platz außer tief in einem selbst, gegen sich selbst gerichtet. Das hatte ihr Sohn getan, er hatte seinen Zorn benutzt, um sich selbst zu zerfleischen.“

Rund ums Buch

Sag nicht, wir hätten gar nichts • Madeleine Thien • Originaltitel: Do Not Say We Have Nothing • Übersetzerin: Anette Grube • Luchterhand • 2017 • 656 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • ISBN: 978-3-630-87520-0 • Preis: €24.00€ • Buch kaufen


Mein Dank für das Rezensionsexemplar geht an den Luchterhand-Verlag.
Historisch, beeindruckend und sehr lesenswert.

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