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Kindler

Laura Barnett

Ein Leben aus leuchtenden Tagen

Ein Roman, der sich vor allem der Musik zu widmen scheint. Dies war mein erster Gedanke, als ich den Klappentext von Ein Leben aus leuchtenden Tagen las. Neugierig gemacht hat mich die Geschichte dennoch sofort. Und am Ende des Buches kann ich sagen, dass ich sehr froh bin Laura Barnetts neuestes Werk gelesen zu haben. Und Musik spielt ganz und gar nicht die allererste Geige.

Darum gehts

Cassandra Wheeler ist weltbekannte Sängerin und mittlerweile fünfundsechzig Jahre alt und blickt auf ihr Leben zurück. Den passenden Soundtrack dazu liefert ihr Best-Of-Album, welches sie nach vielen Schicksalsschlägen aufnimmt. Ihre Songs sind voller Einsamkeit, Sehnsucht und Liebe.

Spoilerfreie Rezension

Die ersten Seiten haben es mir noch etwas schwer gemacht, zu wissen, worauf ich mich einlasse. Das hat sich aber recht schnell gelegt und ich konnte der Handlungsverlauf gut folgen. Die Erzählweise mochte ich unglaublich gerne, weil sich Vergangenheit und Gegenwart immer wieder vermischen. Das mag hier und da kurzzeitig verwirrend sein, bewirkte in mir aber eher totale Aufmerksamkeit. Die Charaktere sind lebendig beschrieben und haben fast alle sehr liebenswerte Seiten an sich. Mit Cassandra Wheeler konnte ich mich sofort identifizieren.

Obwohl ich selbst vollkommen unmusikalisch bin, war es mir eine Freude, an der Musik von Cass teilzuhaben, wenn auch nur in verschriftlichter Form. Die Texte sind gefühlvoll, ergreifend, lebendig und erzählen von ihren intimsten Gedanken; ihren Zweifeln, der großen Liebe, ihrer Wut, ihrer Suche nach sich selbst und ihrer Trauer um nahestehende Menschen. Barnett schreibt äußerst emotional und detailreich, sodass es mir großen Spass machte, mehr über das pralle Leben von Cass zu erfahren. Von dem distanzierten Verhältnis zu ihrer Mutter, die sie und ihren Vater im Stich ließ. Von ihrer geliebten Tante Lily, ihrer großen Liebe zum Musiker Ivor, ihrer besten Freundin aus Kindertagen, Irene. Von der innigsten Liebe zu ihrem einzigen Kind und tiefen Freundschaften.

Fast scheint es, als höre man ihre Musik mit den Augen. Ich bewunderte während des Lesens die innere Stärke der Sängerin, die sie zweifelsohne besitzt. Ich litt mit ihr, ich lachte mit ihr und ich fieberte bei ihren Auftritten mit. Musik hat für mich nach dem Beenden von Ein Leben aus leuchtenden Tagen noch einmal einen tieferen Sinn geweckt. Musik kann vieles sein. Manchmal der letzte, rettende Anker. Ein wunderbares Buch und eine inspirierende Protagonistin. Jedem, der starke weibliche Hauptrollen mag, ist dieses Buch wärmstens ans Herz zu legen.

Zitate aus dem Buch

„Doch dann, als das Frühjahr in den Sommer überging, marschierte eines Abends Ivor Tait in den Garten von Atterley, und Cass begriff, dass sie noch gar nichts über die Liebe wusste.“

„Das war vielleicht das Schlimmste gewesen: dieses neue Wissen, dass es unter all dem aufregenden Treiben und Drängen im Kern der Dinge keinen Sinn gab. Einfach nur Chaos, Durcheinander und ein undurchdringliches Schweigen.“

„…für die sie mit Sorgfalt und Mühe weiße Kaninchen in einen grünen Pullover gestrickt hatte: In jede rechte und linke Masche hatte sie mehr Liebe und Zärtlichkeit hineingeschlungen, als sie der Tochter, die sie zurück gelassen hatte, jemals gezeigt hatte.“

„Vollkommenheit war unmöglich und das Streben danach banal. In der Kunst, im Leben, und in der Liebe waren es die Macken, die Fehler, die Disharmonien, die die meiste Kraft hatten und uns am Meisten berührten.“

„Die Stille war wie ein Ozean über sie geschwappt. Cass schwamm in seiner Tiefe, dort unten in der Dunkelheit, wo das Licht nicht hinkam.“

Fazit

Eine Art Musik-Biografie. Ein Roman, welcher sich voll und ganz den Songs der Protagonistin widmet. Das mag man meinen. Aber weit gefehlt. Ein Leben aus leuchtenden Tagen ist soviel mehr. Es ist vielschichtig, ehrlich, klar und ergreifend. Es ist nicht einfach nur ihre Musik. Es ist die Geschichte ihres Lebens.

Rund ums Buch

Ein Leben aus leuchtenden Tagen • Laura Barnett • Originaltitel: Greatest Hits • Kindler • Originalverlag: W & N • 2018 • Übersetzerin: Barbara Ostrop • 560 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • ISBN: 978-3-463-40693-0 • Preis: €19.95 • Buch kaufen


Dem Rowohlt/Kindler-Verlag danke an dieser Stelle  für das Rezensionsexemplar.
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