25. November 2017

Die Farbe von Milch

Das Jahr achtzehnhundertunddreißig. Es geht um die Unterdrückung der Rechte von Frauen. Um Klassenunterschiede zwischen Armen und Reichen. Die Farbe von Milch hat mich so nachhaltig berührt, dass ich auch Tage nach dem Lesen noch immer in der Geschichte gefangen bin.

Darum gehts

Mary ist der Hauptcharakter des Romans von der Autorin Nell Leyshon, welcher im 19. Jahrhundert spielt. Sie ist fünfzehn Jahre alt und schreibt das Buch eigenhändig. Ihre Haare haben die Farbe von Milch. Mary lebt mit ihren Eltern, ihrem Großvater und ihren drei Schwestern Hope, Violet und Beatrice auf einem Bauernhof und ist es gewöhnt, früh aufzustehen und den Tag über, bis spät in die Nacht hart zu arbeiten. Sie muss Kühe melken, Essen zubereiten und auf dem Feld arbeiten.

Ihr Vater ist streng und lässt sie immer wieder spüren, dass sie und ihre Schwestern ihm nicht gut genug sind. Viel lieber hätte er anstatt seiner vier Töchter einen Sohn gehabt, der mit anpacken kann. Mary´s Mutter schaut nur zu, wenn der Vater die Mädchen schlägt und erniedrigt. Mary ist die einzige in der Familie, die sich um den schwachen Großvater kümmert. Mit ihm kann sie lachen.  Trotz der schwierigen Verhältnisse ist Mary ein aufgewecktes, fröhliches und kluges Kind.

Eines Tages muss sie aufgrund eines Abkommens zwischen ihrem Vater und dem Pfarrer in deren Pfarrhaus ziehen um dort zu arbeiten. Sie soll die kranke Frau des Pfarrers pflegen und im Haus mithelfen. Für ihre verrichteten Arbeiten soll ihre Familie finanziell entlohnt werden. Nachdem die Frau des Pfarrers stirbt, mit welcher sich Mary sehr gut versteht und durch welche sie zum ersten Mal in ihrem Leben Wohlwollen erfährt und zudem auch noch die Haushälterin Edna entlassen wird, ist sie plötzlich mit dem Pfarrer allein.

Spoilerfreie Rezension & Fazit

Normalerweise sind historische Romane nicht mein Metier. Zumindest glaubte ich das bisher. Aber Die Farbe von Milch hat mich gelehrt, dass ich sehr wohl etwas mit diesem Genre anzufangen weiß. Nell Leyshon schreibt eindringlich, wahnsinnig emotional und aufwühlend. Ihre Sprache ist poetisch und klug. Ich mochte das Buch schon am ersten Tag nicht mehr aus der Hand legen und hatte es deshalb schon nach anderthalb Tagen durch.

Leyshon schildert die Geschichte von Mary sehr heftig und detailreich. Ich konnte mir den Bauernhof, das Pfarrhaus und die Natur vor meinem inneren Auge bildlich vorstellen. Die Charaktere werden klar und verständlich für den Leser gezeichnet. Mary gehört schon jetzt zu meinen liebsten Charakteren in Büchern. Und ich habe schon einige gelesen. Das Ende hat mich betrübt und gleichzeitig hat es mir die unglaubliche Stärke von Mary noch einmal nahe gebracht. Dass ich nach dem Zuklappen des Buches schluchzend zurückbleibe ist selten.

Zitate aus dem  Buch

„Es gibt nicht viel worüber ich mir den Kopf zerbreche. Wenn ich was nicht ändern kann, dann zerbrech´ ich mir auch nicht den Kopf. Wenn ich was tun kann, dann bringe ich die Dinge in Ordnung und dann hab ich keinen Grund mehr mir den Kopf zu zerbrechen.“

„Und nun werde ich den allerletzten Satz zu Ende schreiben und mit dem Löschblatt die Feuchtigkeit aufsaugen, wo sich die Tinte am Ende der Buchstaben in kleinen Pfützen gesammelt hat.“

Rund ums Buch

Die Farbe von Milch • Nell Leyshon • Eisele • Originaltitel: The color of milk • Übersetzerin: Wibke Kuhn • 2017 • 208 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-96161-000-6 • Preis: €18.00 • Buch kaufen


Mein großer Dank für das Rezensionsexemplar geht an den Eisele-Verlag, Ullstein und Politycki und Partner. 
Solltet ihr „Die Farbe von Milch“, noch nicht gelesen haben, tut es!

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