Was ich getan habe

Auf dieses Buch bin ich, soweit ich mich erinnere, zum ersten Mal im Buchladen aufmerksam geworden. Der Titel hat mich direkt angesprochen, obwohl er gar nicht so viel aussagt. Den Klappentext habe ich mir dennoch nie so genau angesehen. Das vermute ich zumindest, denn ansonsten kann ich mir nicht erklären, weshalb ich dieses Buch nicht schon viel eher gelesen habe. Autorin ist die australische Schriftstellerin Anna George, die mit Was ich getan habe ihr Debüt feierte.

Was der Klappentext verrät

Mein Name ist David James Forrester. Ich bin Anwalt. Heute Abend um 18 Uhr 10 habe ich meine Frau getötet. Dies ist meine Aussage.


Wie ihr sehen könnt, verrät der Klappentext nicht viel und doch alles. Also bei den vier Sätzen hatte mich das Buch definitiv und ich wollte es lesen. Den Schreibstil der Autorin würde ich als nicht aussergewöhnlich, aber dennoch sehr spannungsreich beschreiben. Ich bin gut und schnell in die Geschichte reingekommen und konnte mich sowohl mit David, als auch Elle identifizieren. Die Charaktere wirken gut ausgearbeitet, besonders gefiel mir hierbei auch, dass die Vergangenheiten immer wieder beleuchtet werden. Wie kann es zu einer solchen Tat kommen? Das war von der ersten Seite an meine Frage und die Antworten bekam ich beim Lesen. An dieser Stelle möchte ich nicht zu sehr in die Tiefe gehen um nicht zu spoilern.

Nachdem sie ihren Bettgenossen Elend auf dem Kissen zurückgelassen hatte, erwartete sie in der Dusche Wut. Da war ein Prickeln auf ihrer Haut, als lebe diese Emotion in heißem Wasser. Nach über zwei Wochen zum ersten Mal wieder komplett angezogen, durchstreifte sie ihr Haus und stellte fest, dass diese Wut verlangte, nach draußen zu kommen.

Sagen möchte ich aber, dass es um den erfolgreichen Anwalt David geht, welcher gerade seine Frau Elle getötet hat. Mit einem Diktiergerät in der Hand, läuft er durch die Wohnung und die Straßen von Melbourne und feilt an seiner Verteidigungsstrategie. Währenddessen lässt er die Vergangenheit mit Elle Revue passieren und durchlebt die Anfänge mit ihr, bishin zum bitteren Ende.

Wenn ein Körper eine Reihe von Schlägen einstecken muss, fällt er in einen Schockzustand und spürt keinen Schmerz mehr – so hatte sie, während er sie monatelang niedermachte, die Fähigkeit verloren, Wut zu empfinden.

Ich kann aber sagen, dass es spannend beginnt, spannend bleibt und spannend endet. So habe ich das Buch empfunden. Menschliche Abgründe waren mir schon immer suspekt und ich fand sie zugleich faszinierend. In Was ich getan habe wird vieles davon deutlich. Das Buch habe ich innerhalb von zwei Tagen durch gelesen und das zeigt, wie schwer es mir fiel, es aus der Hand zu legen. Kaum ein Kapitel ließ Platz für unwichtige Textpassagen oder langweilige Szenen. Auffallend ist hier, dass die einzelnen Kapitel, im Gegensatz zu meinen zuletzt gelesenen Büchern, eher lang ausfallen. Das mag ich persönlich eigentlich gar nicht so, weil sich vieles unnötig in die Länge zieht und ich schnell aus der Geschichte raus komme und beim Weiterlesen nicht mehr weiß, was passierte. So ging es mir hier gar nicht. Das lag aber sicher auch an der Tatsache, dass ich alle Kapitel in kurzer Zeit durchgelesen hatte.

Er erkannte nicht, welch starke Wirkung seine Offenheit auf sie haben würde. Sein Schmerz passte in einer Weise zu dem ihren, die er nicht hatte vorhersehen können. Nach seiner Entleerung lagen sie eng nebeneinander, dann, zu seinem Erstaunen, öffnete sie sich.

Nach all dem, was ich vom Buch schon verraten habe, wird es euch nicht wundern, dass ich eine Empfehlung aussprechen kann. Gerade für Anhänger des Thriller-Genres ist das Buch ein Muss. Ich finde die Idee sehr gelungen und gut umgesetzt. Natürlich gibt es hier und da kleinere Schwächen, die aber nicht schwer ins Gewicht fallen und deshalb hier keine Erwähnung finden müssen. Auf dem Buchrücken wird Was ich getan habe mit dem erfolgreichen Gone Girl von Gillian Flynn in Verbindung gebracht. Das wurden aber, wie ich weiß, bereits viele andere Bücher. Hier denke ich aber, ist was Wahres dran.


An dieser Stelle danke ich dem btb-Verlag und Randomhouse für das Rezensionsexemplar.
Ich bin gespannt auf eure Sichtweisen zum Buch!

Informationen zum Buch

Was ich getan habe • Anna George • btb • 2017 • 318 Seiten • Taschenbuch • Originaltitel: What Came Before • Übersetzung: Henriette Seltner • ISBN: 978-3-442-71512-1 • Preis: €9.99 • Buch kaufen

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Ich bin Neri, neunundzwanzig Jahre alt und lebe im wunderschönen Breisgau, nahe Freiburg. Ich habe meine Liebe zu Büchern eigentlich erst vor wenigen Jahren entdeckt. Obwohl ich als Kind einen Vorlesewettbewerb gewann, war Lesen damals eher eine Pflicht als Vergnügen. Mittlerweile kann ich mich in Büchern verlieren, mich mit den Charakteren identifizieren und dabei voll und ganz abschalten. Bücher haben etwas Magisches für mich. Im Winter kuschle ich mich am Liebsten unter eine dicke Decke und tauche in Geschichten ab.

Wir Tiere

Ich freue mich sehr darüber, heute ein Buch rezensieren zu dürfen, welches mir von Randomhouse zur Verfügung gestellt wurde. Dabei handelt es sich um Wir Tiere von Justin Torres. Das Interesse am Buch hat sich durch die Handlung selbst ergeben. Ich fand den Klappentext schon sehr faszinierend und wusste, dass es sich um ein kluges Buch handeln musste. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Das verrät der Klappentext

Wir wollten mehr. Wir schlugen mit den Löffeln gegen die leeren Schüsseln; wir waren hungrig. Wir wollten mehr Krach, mehr Spaß. Wir wollten Beats; wir wollten Rock. Wir wollten Muskeln an unseren dürren Armen. Wir hatten Vogelknochen, hohl und leicht, und wir wollten mehr Gewicht. Wir waren sechs schnappende Hände, sechs trampelnde Füße; wir waren Brüder im Kampf um mehr.


Beim Klappentext bleibt vieles offen. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Man weiß lediglich, dass es sich um Brüder handelt, welche die Geschichte erzählen, die Handlung bestimmen. Und man ahnt, zumindest ging es mir so, dass es wild wird. Wild und laut und leidenschaftlich. Wir Tiere erzählt von der Kindheit dreier Brüder. Die Mutter ist eine Weiße, der Vater Puerto-Ricaner. Beide stammen aus Brooklyn. Die Eltern streiten sich und sie verstehen sich. Es ist mal fröhlich und heiter, mal bitter und ernst.

Trotz der Kürze des Buches (168 Seiten), baut der Autor auf viel Tiefgründigkeit. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des jüngsten Bruders. Er ist zu Beginn sechs Jahre alt und bleibt im Buch namenlos. Seine älteren Brüder Joel und Manny hingegen werden namentlich erwähnt. Durch die starken und teilweise aggressiven Auseinandersetzungen der Eltern untereinander, was den Kindern nicht vorenthalten bleibt, gehen auch diese häufig gewalttätig miteinander um. Zum Ende hin wird aus dem „wir“ ein „ich“ und so hinterließ das Buch Spuren in meinem Herzen.

Ma setzte sich auf die Bettkante, atmete laut und langsam und verzieh mir. Sie rief mich, ich solle mich auf ihren Schoß setzen, ich gehorchte, und wir atmeten zusammen. Dann sang Ma mein Lieblingslied, eins über eine Frau mit Federn und Orangen und Jesus Christus, der übers Wasser wandelt. Mein Kopf reichte bis an ihre Schulter, aber sie wiegte mich und summte dort, wo sie die Wörter vergessen hatte. „Versprich mir“, sagte sie, „versprich mir, dass du immer sechs bleibst“. „Wie denn?“ – „Ganz einfach. Du bist nicht sieben; du bist sechs plus eins. Und nächstes Jahr wirst du sechs plus zwei. Einfach so, für immer“.

Der Schreibstil von Justin Torres liest sich flüssig und klar. Durch viele detaillierte Beschreibungen, gelingt es ihm, die Handlungen der Kinder sehr lebendig zu gestalten, sodass ich mich in die Geschichte gut hineinversetzen konnte. Gleichzeitig schreibt er sehr klug und tiefgründig, weswegen ich das Buch kaum weglegen konnte. Viele Passagen habe ich zwei oder dreimal gelesen, um die Stimmung in mich aufzunehmen. Mir gefällt die Länge der Kapitel, die recht überschaubar sind. Das macht das Lesen aber sehr angenehm. Jedes Kapitel hat einen eigenen Titel, welcher einen Hinweis auf den Inhalt darstellt. Der Autor macht auf gesellschaftskritische Themen wie Gewalt in der Familie, Armut, Rassismus und Sexualität aufmerksam. Dies gibt der Geschichte ihren Charakter.

Das Ende hat mich völlig überrascht. Und gleichzeitig wahnsinnig betrübt. Es ist aber alles in allem ein Ende, welches begeistert. Weil es bei mir als Leserin einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, nicht so schnell in Vergessenheit gerät. Für alle, die etwas härtere Kost ertragen, ist es sicher ein interessantes und faszinierendes Buch.


Ich bedanke mich beim btb-Verlag und Randomhouse für das Rezensionsexemplar!
Könnte euch das Buch gefallen oder kennt ihr es bereits?

Informationen zum Buch

Wir Tiere • Justin Torres • btb • 2015 • 168 Seiten • Taschenbuch • Originaltitel: We, the animals • Übersetzung: Peter Torberg • ISBN: 978-3-442-74955-3 • Preis: €9.99 • Buch kaufen

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Ich bin Neri, neunundzwanzig Jahre alt und lebe im wunderschönen Breisgau, nahe Freiburg. Ich habe meine Liebe zu Büchern eigentlich erst vor wenigen Jahren entdeckt. Obwohl ich als Kind einen Vorlesewettbewerb gewann, war Lesen damals eher eine Pflicht als Vergnügen. Mittlerweile kann ich mich in Büchern verlieren, mich mit den Charakteren identifizieren und dabei voll und ganz abschalten. Bücher haben etwas Magisches für mich. Im Winter kuschle ich mich am Liebsten unter eine dicke Decke und tauche in Geschichten ab.