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Ernest van der Kwast

Die Eismacher

Vom lieben Florian bekam ich im Rahmen des Book Blind Dates im Mai das wunderbare Buch Die Eismacher zugesendet. Ich habe selten so lange für ein Buch gebraucht wie dieses Mal. Das lag aber weniger am Inhalt, viel mehr an meiner wenigen Zeit zuletzt. Nun bin ich aber fertig und freue mich besonders, dass ich den Roman heute rezensiere. 

Darum gehts

Die Geschichte dreht sich um eine Eismacher-Familie aus den italienischen Dolomiten, welche im niederländischen Rotterdam eine Eisdiele betreibt. Mutter, Vater und ihre beiden Söhne Giovanni und Luca, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während der Großvater, der Vater und der Bruder sich ganz dem Eismachen verschrieben haben, hat Giovanni sein Herz der Literatur vermacht. Mit dieser Entscheidung stößt er bei Bruder und Vater auch Jahre später noch auf großes Unverständnis. Schließlich sind die Talaminis seit jeher Eismacher. Nachdem Luca mit seinem Bruder jahrelang kaum ein Wort gesprochen hat, kommt er mit einem wichtigen Anliegen zu ihm, welches das Leben der Beiden verändern soll.

Spoilerfreie Rezension

Das Cover ist sehr gelungen. Ich mag die alte Fotografie und konnte mir direkt vorstellen, dass man selbiges wunderbar in Szene setzen kann. Auch auf den Inhalt war ich direkt neugierig. Und ich wurde diesbezüglich nicht enttäuscht. Neben der hauptsächlichen Thematik, dem Eismachen, kommen auch viele andere Themen nicht zu kurz. Ab und an musste ich innehalten und mich fragen, ob mir das gefällt, inzwischen kann ich aber sagen, dass es das tat. Literatur und Eis. Wer von uns mag diese beiden Dinge nicht?

Den Schreibstil des niederländischen Autors finde ich besonders ansprechend. Er schafft es, wunderbare Metaphern zu schaffen und Wortspiele zu kreieren, die ich sehr schön fand. Ansonsten liest sich das Buch flüssig und leicht. Die einzelnen Abschnitte in denen es um das World Poetry Festival geht, auf welchen der ältere Sohn Giovanni arbeitet, waren mir ab und an etwas zu ausführlich. Nicht uninteressant, aber einfach etwas zu sehr in die Länge gezogen für meinen Geschmack. Die Figuren sind insgesamt sehr tieffündig ausgearbeitet, was mir sehr gefiel und als Leser bekommt man unglaublich viel Historisches zum Ursprung des Eises mitgeteilt, was durchaus spannend ist. Vor allem, wenn man wie ich, gerne aus dazu Büchern lernt.

Ich habe wieder so viele Zitate markiert, dass es mir am Ende sehr schwer fiel, mich auf einige wenige festzulegen. Das ist immer ein gutes Zeichen. Die Familiengeschichte bietet viel Emotionen und nicht vorhersehbare Ereignisse. Ich konnte mich besonders mit Giovanni identifizieren, mit dem ich auf jeder Seite mitfühlte. Von den wichtigsten Menschen im Leben immer das Gefühl zu bekommen, nicht vollkommen zu sein, nur weil man einen anderen Berufsweg einschlug, als den, welchen die Familie vorsah, muss schlimm sein. Umso mehr bewunderte ich seine Geduld und seine Liebe für das, was ihn erfüllt: die Literatur.

Zitate aus dem Buch

„Was wissen wir schon darüber, wie das Herz funktioniert? Wie man es schneller schlagen lassen, wie man es erobern und für immer behalten kann?“

„Zuerst hab ich nur das Eis gehasst, aber dann fing ich an, auch die Menschen zu hassen, die es bestellten.“

„Was ist leckerer als Eis? Wer kennt jemanden, der kein Eis mag? Wer erfreut sich nicht am Anblick eines Eiscafés? Die Eistüte versetzt uns in unsere Kindheit zurück, oder der Eisbecher, in dem wir alle einmal mit einem flachen Plastiklöffelchen so lange gerührt haben, bis eine neue Farbe und ein neuer Geschmack entstanden.“

„Schließlich kam der Sommer, und was für einer, mit allem, was die Jahreszeit zu bieten hat: hellblauer Himmel, verschwitzte Bettwäsche und kurze Röcke, späte Sonnenuntergänge und verführerisch blinzelnde Sterne, Sommersprossen, Wespen, Hagelkörner und verbrannte Nasen. Ein Sommer, der zu wissen schien, dass er nur wenig Zeit hatte, und sich deshalb verausgabte.“

„Glaubst du, ich hätte keine Träume gehabt? Glaubst du, ich hätte nur an Eis gedacht?“

„Eismacher weinen nicht, sie schwitzen. Sie leiden, sie haben keinen Sommer, sie haben kein Leben.“

Fazit

Eine sehr gelungene Geschichte zum Ursprung des Speiseeises und einer Familie, die in ihrem Leben auf viele Sommer verzichtet, um sich dem Eismachen zu widmen und dabei hier und da vergisst, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Rund ums Buch

Die Eismacher • Ernest van der Kwast • Originaltitel: De Ijsmakers • Übersetzer: Andreas Ecke • btb • 2018 • 400 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-442-71597-8 • Preis: €10.00 • Buch kaufen


Wer von euch kennt das Buch bereits?

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Book Blind Date/ Ernest van der Kwast

Book Blind Date im Mai

Es ist wieder vier Wochen später, das heißt ein neuer Monat hat begonnen und in meinem Briefkasten lag eine neue buchige Überraschung von Florian. Mein Book Blind Date für den Mai ist da. Und darin ein so wundervolles Buch, dass ich in meiner Entscheidung, mich auf das Abonnement einzulassen, wieder bestätigt wurde. 

In meinem ersten Beitrag zum Book Blind Date habe ich euch bereits informiert, was es mit der Aktion auf sich hat, wie sie abläuft, und wo ihr weitere Informationen her bekommt. Solltet ihr den Beitrag nicht kennen, dann könnt ihr ihn hier noch einmal nachlesen. Mein aktuelles Buch, welches mir Florian mit viel Liebe ausgesucht hat, ist Die Eismacher von Ernest van der Kwast aus dem btb-Verlag. Ich habe mich sehr gefreut, als ich das Buch ausgepackt habe, denn gerade gestern habe ich sehr viel Positives über das Buch gelesen und gerade zum bevorstehenden Sommer, passt es großartig. Das Geschenkpapier ist so hübsch und das beigelegte Kärtchen macht die Überraschung perfekt.

Book Blind Date im Mai : Die Eismacher

Seit fünf Generationen haben sich die Talaminis der süßen Kunst des Eismachens verschrieben. Jedes Jahr im Frühling siedeln sie aus dem „Tal der Eismacher“ in den malerischen Dolomiten nach Rotterdam über. In ihrem kleinen Eiscafé gibt es alles, was das Herz begehrt: zartchmelzendes Grappasorbet, sanftgrünes Pistazieneis, zimtfarbene Schokolade. Dennoch beschließt der ältere Sohn Giovanni, mit der Familientradition zu brechen, um sein Leben der Literatur zu widmen. Denn er liebt das Lesen so sehr wie das Eis. Bis eines Tages sein Bruder Luca ein höchst ungewöhnliches Anliegen hat.

Meine letzten literarischen Überraschungen

Februar 
Die Geisha von Arthur Golden

März 
Die Hochzeit der Chani Kaufman von Eve Harris

April
Das Nest von Cynthia D´Aprix Sweeney

Mai
Die Eismacher von Ernest van der Kwast

Sollte euch der erste Beitrag zum Book Blind Date nicht erreicht haben und ihr seid ernsthaft interessiert, auch am Book Blind Date teilzunehmen, dann hab ich hier noch einmal die Kontaktdaten für euch. Florian Valerius erreicht ihr per Instagram und Mail. Oder ihr wendet euch direkt an die Buchhandlung Stephanus.


Ich danke Florian von Herzen!
Ich bin sehr glücklich mit meiner aktuellen Ausbeute. Was sagt ihr zum Inhalt meines aktuelles Book Blind Dates?

Steven Uhly

Marie

Marie ist das erste Buch, welches mir vom Autoren Steven Uhly in die Hände fiel. Einigen wird sicher sein Erfolgsroman Glückskind geläufig sein. Der Klappentext hat meine Neugier geweckt und die Geschichte schien demnach viel Spannung bereitzuhalten. Es handelt sich um einen Familienroman, indem es vor allem um Vergangenheitsbewältigung geht.

Darum gehts

Frido, Chiara und Mira sind Geschwister und  leben mit ihrer überforderten Mutter in München. Die Eltern sind getrennt. Der Vater hat mittlerweile eine neue Partnerin und mit dieser ein weiteres Kind. Schon gleich zu Beginn wird klar, dass die Familienverhältnisse zerrüttet sind. Während Frido und Mira von ihrer Mutter zumindest beachtet werden, scheint Chiara für diese nur eine Nebenrolle zu spielen.

Egal wie undankbar und wenig mütterlich sich die Mutter Veronika ihren Kindern gegenüber verhält, die drei scheinen ihr nahezu alles zu verzeihen. Vor allem Frido und Chiara empfinden großes Mitleid für die eigene Mutter und versuchen, ihre Unzulänglichkeiten vor allem vor dem Vater und der Schule zu vertuschen. Die Verbundenheit zu ihrer Mutter ist für Frido und Chiara alles. Irgendwann gelingt das Verschleiern der familiären Probleme nicht mehr, auch weil sich Veronika im Badezimmer mit einer großen Scherbe absichtlich schwer verletzt und folgend längere Zeit im Krankenhaus verbringen muss. Die Kinder finden bei ihrem Vater und seiner neuen Familie wenig Halt und sind fortan zunächst auf sich allein gestellt.

Spoilerfreie Rezension

Die Schreibweise von Uhly sprach mich wenig an. Obwohl er mit großen Emotionen zu spielen versucht, konnten mich die Charaktere nie ganz überzeugen. Und das, obwohl die Geschichte eine sehr ergreifende ist. Die Figur der Mutter, Veronika, hat mich am Meisten verärgert. Bis zum Schluss konnte ich für das Geschehene und Verursachte durch ihre Person nicht umgehen. Ich ahnte, dass in der Vergangenheit etwas passiert sein muss, was vor allem Chiara betrifft. Der Titel Marie wird immer nur phasenweise verständlich, wird dem Buch im Gesamten aber viel zu wenig gerecht und ist letztendlich für mich nicht mit dem Buch identifizierbar.

Das Cover gefiel mir auf Anhieb. Die Farbgebung harmoniert gut miteinander und wirkt sehr ästhetisch auf mich. Ich mag die Kapitel-Gestaltung. Die einzelnen Abschnitte sind – ganz schlicht – und dennoch anders gehalten, als ich es bisher kannte. Jedes neue Kapitel beginnt mit einer grauen Seite, auf der die Ziffer steht. Der Schreibstil konnte mich, wie bereits erwähnt nie für sich einnehmen. Die versprochene „Bild- und Wortgewalt“ erreichte mich leider nicht.

Zitate aus dem Buch

„Sie tut es mit einem Gefühl von Verbundenheit und Fürsorge, mit jener unbedingten Loyalität, zu der nur Kinder fähig sind.“

„Die Kälte hat sich in ihrem Körper eingenistet wie ein Fremder, der für immer bleiben will.“

„Sie ist an ihr Bett gefesselt und muss sich selbst wahrnehmen. Und was sie wahrnimmt, erträgt sie kaum.“

Fazit

Mir wurde durch Marie auf jeden Fall wieder bewusst, wie eng und überlebenswichtig die Bindung von Kindern zu ihren Eltern ist und was Kinder bereit sind, für ihre Eltern zu leisten. Chiara liebt ihre Mutter bedingungslos, obwohl diese sie lange nicht wie eine Tochter lieben kann. Dennoch erfährt sie von Chiara eine Loyalität, wie sie wohl nur vom eigenen Kind kommen kann. Leider konnten mich Grundstimmung und Erzählstil aber nicht überzeugen, sodass ich am Ende froh war, das Buch beenden zu dürfen.

rund ums buch

Marie • Steven Uhly • btb • 2018 • 272 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-442-71552-7 • Preis: €10.00 • Buch kaufen


Ich danke dem btb-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Habt ihr eines von Uhlys Büchern gelesen? Und mögt ihr den Schreibstil?

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