Niemand verschwindet einfach so

Gelesen habe ich Niemand verschwindet einfach so bereits im Spätsommer. Und endlich, endlich kann ich es rezensieren. Da ich so viele tolle Bücher seitdem las, kam es leider bisher zu kurz. Ich kann euch sagen, dass es ein Buch ist, welches noch lange in meinem Gedächtnis bleiben wird. Die Geschichte ist so authentisch, so abgrundtief böse und gleichzeitig wohl genau deshalb so menschlich, dass sie mich vollends in ihren Bann zog.

Was der Klappentext verrät

Eines Tages löst Elyria ein One-Way-Ticket nach Neuseeland und verschwindet spurlos. Während ihr Ehemann sie verzweifelt zu Finden versucht, lässt sie sich auf ihrer abenteuerreichen Reise immer mehr gehen. Dabei stellt sie fest, dass die eigentliche Reise eine Expedition in ihr eigenes Herz der Finsternis ist.


Hach, ich könnte nur schwärmen. Wirklich wenige Bücher haben mich bisher so berührt wie dieses. Und das liegt vor allem daran, dass es so wahnsinnig klug ist. So authentisch und menschlich. Obwohl es gleichzeitig so bitterböse ist. Aber das macht uns Menschen aus. In uns allen steckt ein wildes Biest. Davon bin ich nicht nur nach Beendigung von Niemand verschwindet einfach so überzeugt.

Literarisch ist der Autorin ein Meisterwerk gelungen. Ich habe das halbe Buch markiert, weil die Zitate unter die Haut gehen, aufrütteln und schockieren. Der Schreibstil fesselt von Beginn an und ist in einer ganz besonderen Weise geschrieben, sodass ein Weglegen des Buches nahezu unmöglich scheint. Ich habe es an zwei Tagen im August durchgelesen und war danach noch tagelang „angegriffen“ davon.

Ich war ein menschlicher Trugschluss, sinnlos und deplatziert, ein schlechter Witz, eine Pointe ohne Landeplatz.

Die Sehnsucht und die Suche der Protagonistin nach ihrem Selbst ist allgegenwärtig. Ihre Persönlichkeit mag zunächst befremdlich auf den Leser wirken, aber ziemlich schnell wird klar, dass wir alle solche Gedanken in uns tragen. Hausieren geht damit wohl kaum jemand, von diesen dunklen Seiten aber, bin ich überzeugt. Und das macht die Geschichte und das ganze Buch so faszinierend.  Die schonungslose Ehrlichkeit und die Abgründe menschlicher Existenz.

Steckt nicht jeder auf diesem Planeten oder zumindest jeder auf diesem Planeten namens „Ich“ zwischen zwei Impulsen fest, dem Wunsch wegzugehen, als wäre alles nie geschehen, und dem Wunsch, ein guter, liebender, liebevoller, geliebter Mensch zu sein, bei dem alles ohne Weiteres Sinn ergibt?

Dass Elyria sich entscheidet, abzuhauen, ihrem alten Leben den Rücken zu kehren, ist mir nicht immer ganz begreiflich. Dennoch gelingt es der Autorin Lacey auf beeindruckende und erschütternde Weise, Elyria´s Rastlosigkeit zu verdeutlichen.

Und das Biest in einem, das wilde Biest in jedem von uns, möchte es einfach nur hinter sich bringen, es kann die Spannung nicht ertragen, auf der Welt herumzulaufen, so als würden wir immer auf der Welt herumlaufen, denn das werden wir nicht, es kommt ein Krebs, eine Krankheit, eine Stimme im Kopf, die aus dem Fenster springen will, jemand mit einer Waffe, ein tragisches Unglück oder ein wilder Haufen fleischfressender Bakterien, die sich als Erstes dein Gesicht vornehmen.

Der Hauptcharakter ist häufig fern von Gut und Böse und immer getrieben von Selbstzweifeln und der Suche nach der eigenen Identität.  Dabei schockten mich grausame Kindheitserlebnisse und teilweise das gegenwärtige Denken der jungen Frau. Nicht für jeden wird Niemand verschwindet einfach so ein Meilenstein sein. Ich denke, das besonders der Charakter von Elyria sehr polarisieren wird. Ich aber war – ohne Umschweife – begeistert.


Vielen Dank an den Aufbau-Verlag für das Lesesexemplar. 
Habt ihr „Niemand verschwindet einfach so“ gelesen und wenn nicht, könnte es euch interessieren? 

Informationen zum Buch

Niemand verschwindet einfach so • Catherine Lacey • Originaltitel: Nobody Is Ever Missing • Aufbau • 2017 • 266 Seiten • Hardcover • Übersetzung: Bettina Abarbanell • ISBN: 978-3-351-03680-5 • Preis: €22.00 • Buch kaufen

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Mein schlimmster schönster Sommer

Das Cover und der Titel von Mein schlimmster schönster Sommer haben mich sofort neugierig gemacht und nachdem ich den Klappentext gelesen hatte war klar, dass ich das Buch lesen möchte. Der farbige Umschlag und die auf dem Cover befindlichen Motive wirken sehr ansprechend und lebensfroh. Sie verraten, wer oder was mir als Leser im Buch begegnen wird. Von der Autorin hatte ich bis dato nichts nichts gehört. Das machte mich aber besonders neugierig.

Das verrät der Klappentext

Erst wenn man alles loslässt, kann das Leben neu beginnen.
Als Isabel aus dem Krankenhaus entlassen wird, weiß sie, dass nichts mehr ist, wie es war. Zum ersten Mal ist sie spontan: Sie kauft einen VW-Bus und fährt einfach los. Eigentlich will sie in die Provence, aber dann kommt alles anders. Eine Reise beginnt, bei der sie Menschen trifft, denen sie sonst nie begegnet wäre, bei der sie ihr altes Leben loslässt und ein neues anfängt – und vor allem eines findet: die Liebe.


Der Schreibstil liest sich flüssig und leicht. Schon ab der ersten Seite war mir klar, was mich ungefähr erwarten würde. Diesbezüglich wurde ich nicht enttäuscht. Normalerweise lese ich Geschichten, in denen es um den bevorstehenden Tod eines Menschen geht, recht ungern. Dieses Buch aber versprach Lebensfreude pur und die ganz große Liebe. Diese Aspekte haben es mir dann leicht gemacht, das Buch weiterlesen zu wollen. Ich erhoffte mir wenig Kitsch und eine abenteuerlustige Reise auf dem Weg zum eigenen Ich.

Ich war jedenfalls also ein Typ, der die Kraftraubenden um sich versammelte, die Komplizierten, die lieber von sich selbst reden, meistens jammern, die ihre Probleme vor sich hertragen wie Staatsfahnen.

Die Story beginnt amüsant und witzig. Die Charaktere werden anfangs nur kurz vorgestellt, was mir zu dem Zeitpunkt auch genügte. Sehr schnell allerdings wird klar, dass ich mich mit Rasso und Isabel nicht identifizieren kann. Die Fahrt im VW-Bus hält zwar viel Aufregung und einige Abenteuer für die beiden Protagonisten bereit, jedoch wirken diese Ereignisse zu großen Teilen absurd und wenig glaubwürdig. Fantasiereiche Darstellungen der Erlebnisse allein wären sicher nicht verkehrt gewesen, sofern diese beim Lesen Spass bringen und sich ein roter Faden zeigt. Durch die etwas zu abenteuerlichen Geschehnisse war mir vieles aber einfach viel zu langatmig.

Wir fuhren die breite Allee entlang, und ich spürte, wie diese Stadt einem Freiraum gab, Luft zum Atmen. Irgendwie fühlte ich mich seltsamerweise genau richtig hier.

Rasso erschien mir zunächst sympathisch, ziemlich schnell aber war ich gelangweilt von seinen Geschichten. Was mir leider auch sehr negativ auffiel, war das Verhalten der Hauptprotagonistin. Denn obwohl sie vor ihrer Krankheit eine erfolgreiche Geschäftsfrau war, wird sie oft etwas dümmlich dargestellt. Naiv und unwissend. Vieles ist ihr fremd, vieles weiß sie nicht, von dem ich behaupten würde, dass das bei einer gebildeten und im Leben stehenden Frau sehr unwahrscheinlich wäre. Auch haben mich ihre Handlungen und ihr Verhalten häufig genervt.

Das Ende, der Epilog hingegen ist sehr gelungen. Ich war wirklich gerührt und hatte Tränen in den Augen. Auch wenn es hier – soviel darf ich verraten – kein Happy End im eigentlichen Sinne gibt. Hier hat sich die Autorin selbst übertroffen, auch wenn vorhersehbar war, was geschehen würde.


Ich danke dem Aufbau-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Insgesamt konnte mich das Buch nicht überzeugen. Eine nette Lektüre, welche aber mit ihren Charakteren leider gar nicht überzeugen kann. Habt ihr das Buch gelesen?

Informationen zum Buch

Mein schlimmster schönster Sommer •  Stefanie Gregg • Aufbau Verlag • 2017 • 304 Seiten • Taschenbuch • ISBN: 978-3-7466-3321-3 • Preis: €9.99 • Buch kaufen

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