Virginia Reeves

Ein anderes Leben als dieses

Ich habe euch in meiner letzten Rezension zu einem Buch aus dem Dumont-Verlag schon berichtet, wie sehr mich die Bücher aus diesem Hause begeistern. Nun habe ich ein weiters wunderbares Werk lesen dürfen und bin nach wie vor sehr angetan. Ein anderes Leben als dieses von Virginia Reeves behandelt das ländliche Amerika der 1920er Jahre und erzählt von den Problemen und Herausforderungen der Menschen und ihren persönlichen Schicksalen. In diesem Fall dem Schicksal einer ganzen Familie und ihren Mitmenschen.

Darum gehts

Es ist das Jahr 1922. Roscoe T. Martin lebt mit seiner Familie, bestehend aus seiner Ehefrau Marie und seinem Sohn Gerald,  im amerikanischen Alabama. Er ist leidenschaftlicher Elektriker. Marie erbt unerwartet die Farm ihres Vaters und Roscoe sieht sich gezwungen, mit seiner Familie aufs Land zu ziehen. Dieses Leben wollte er nie. Die wirtschaftlichen Probleme nagen an dem Paar und es kommt verhäuft zu Krisen innerhalb der Ehe. Damit es der Farm besser geht, beschließt Roscoe, staatliche Stromleitungen anzuzapfen. In seinen Plan weiht er den der Familie nahe stehenden schwarzen Arbeiter Wilson ein. Die beiden beginnen mit der Arbeit. Während einer Kontrolle der Leitungen erleidet ein Techniker einen tödlichen Stromschlag. Roscoe und Wilson werden verurteilt. Ersterer wegen Mordes und Diebstahl zu zwanzig Jahren Haft und Wilson zu Zwangsarbeit in einer Kohlemine.

Spoilerfreie Rezension

Roscoe und Wilson sind die tragischen Figuren dieses Romans, der das Leben der Menschen in den Zwanzigerjahren widerspiegelt. In dieser Zeit wurden große Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen gemacht, was nicht zuletzt in der Strafbemessung deutlich wird. Wilson erhält für die gleiche Tat Zwangsarbeit in einer Kohlemine. Diese Arbeit bedeutete für viele Menschen das Todesurteil. Unter Tage werden die Arbeiter zu Leibeigenen und müssen unter unerträglichen Bedingungen arbeiten.

Reeves zeigt auf beeindruckende Weise, welche Kraft Emotionen wie Schuld, Hass und Enttäuschung haben können. Alle Figuren werden sehr authentisch dargestellt und verkörpern einen Großteil der amerikanischen Bevölkerung der Zwanzigerjahre. Sklaverei und Rassismus spielten eine große Rolle und werden auch in Ein anderes Leben als dieses sehr deutlich. Die Unterschiede, die zwischen der weißen und der schwarzen Bevölkerung gemacht wurden und von denen man natürlich weiß, machten mich beim Lesen wieder sehr betroffen.

Die Kapitel sind unterteilt in Gegenwart und Vergangenheit. Die Gegenwart wird aus der Ich-Perspektive von Roscoe geschildert. Er berichtet detailliert aus seiner Zeit im Kilby Prison, von seinen Mitgefangenen, den Gewalttaten, der Dunkelhaft und der langen Zeit ohne ein Lebenszeichen seiner Familie und der tiefen Schuld, die er an Wilsons Schicksal trägt. Die Vergangenheit beschreibt die Durchführung des Plans, der Farm mit Elektrizität zu helfen und denn tragisches Todesfall des jungen Technikers. Im weiteren Verlauf vermischen sich Gegenwart und Vergangenheit und die Zeit nach dem Gefängnisaufenthalt Roscoes wird beleuchtet.

Die Geschichte hat mich tief berührt. Besonders die fürchterliche Arbeit, welche Wilson unter Tage verrichten muss, war für mich kaum erträglich. Aber auch die prägende Zeit, die Roscoe in Kilby Prison verbringt, ließ mich als Leser nicht kalt. Die Familien, die jahrelang ohne ihren Familienvater auskommen müssen, werden auf eine harte Probe gestellt. Und auch hier habe ich mitfühlen müssen.

Zitate aus dem Buch

„Jetzt war sie meine einzige Besucherin, deren Schicksal mich nicht direkt anklagte.“

„Wahrscheinlich habe ich mich mittlerweile schon zu sehr an solche Annehmlichkeiten gewöhnt, denn Kaffee gehört für mich nun wieder zum Alltag wie das Schlafen in einem richtigen Bett, das Aufwachen in einem eigenen Zimmer und die Arbeit nach eigenem Rhythmus. All das sind Privilegien.“

„Ich war ein Palettenbett für Kinder, auf dem ich lag wie auf meiner Gefägnispritsche. Ich war die Dachlatten und Schindeln, ein ins Gras gebrannter Kreis. Ich war die Masten, die ich aufgestellt hatte – kahlgeschlagene Bäume, neu verwendet, neu benannt.“

„Ich stelle mir vor, dass Marie und ich das Gleiche fühlten, dass wir einander in den Arm nehmen wollten, wieder die Lippen aneinanderführen wollten, einander vielleicht sogar bei der Hand ins Schlafzimmer führen und als Mann und Frau miteinander schlafen wollten, auf der alten Matratze, auf der ich nur selten lag, dass wir all das wollten, genauso wie geballte Fäuste, geworfene Bücher, bohrende Fingernägel und verletzte Haut.“

Fazit

Der Autorin Reeves gelingt es, ihren Leser mit viel Gefühl und einer sehr emotionalen Schreibweise für ihren Roman zu gewinnen. Bis zum Schluss war ich voller Spannung und Neugier für ihre Protagonisten und deren Schicksal. Ein empfehlenswertes Buch.

Rund ums Buch

Ein anderes Lebens als dieses • Virginia Reeves • Originaltitel: Work Like Any Other • Dumont • 2018 • Übersetzerin: Simone Jakob & Hannes Meyer • Originalverlag: Scribner • 320 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband • ISBN: 978-3-832-19869-5 • Preis: €23.00 • Buch kaufen


Vielen Dank dem Dumont-Verlag!
Berühren euch solche Schicksale auch so sehr wie mich?

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Jenny Han

Always and forever, Lara Jean

Jugendbücher sind immer mal wieder sehr reizvoll, wie ich finde. Ich habe mich diesem Genre jahrelang verschlossen, weil ich nicht glaubte, damit etwas anfangen zu können. Durch Freunde wurde mir das Young- und New-Adult-Genre dann aber näher gebracht. Wer sagt schließlich, dass man nur weil man erwachsen ist, keine Jugendbücher lesen darf?  Die Trilogie um Lara Jean war weltweit ein Bestseller. Nun habe ich mich an den neuesten Teil der romantischen Jugendbuchreihe herangewagt: Always and forever, Lara Jean von Jenny Han. 

Darum gehts

Lara Jean ist achtzehn Jahre alt und asiatischer Abstammung. Sie lebt gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Katherine, genannt Kitty und ihrem Vater Dan in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia. Ihre ältere Schwester Margot wohnt inzwischen in Schottland. Lara Jean ist total verliebt in ihren Freund Peter, den Schwarm aller Mädchen an der Schule. Das letzte High-School-Jahr hat begonnen und Lara Jean hofft, genau wie Peter und ihre Freunde an der Universität von Virginia angenommen zu werden. Um sich abzulenken, bäckt Lara Jean leidenschaftlich gerne. Gleichzeitig stürzt sich die Schülerin in die Hochzeitsvorbereitungen ihres Vaters und seiner Freundin Trina. Lara Jean stellt sich die Frage, was passieren wird, sollte sie keinen Platz an ihrer favorisierten Uni bekommen. Was wird aus ihr und Peter und wie geht es überhaupt weiter?

Spoilerfreie Rezension

Es handelt sich ausnahmslos um ein eher typisches Jugendbuch. Das wurde mir bereits nach den ersten Sätzen klar. Der Schreibstil ist leicht verständlich, liest sich flüssig und angenehm. Ich kann mir gut vorstellen, dass es genau das Richtige für romantische Teenie-Mädchen ist. Lara Jean ist ein liebenswerter Charakter. Mit ihr werden sich viele junge Leserinnen identifizieren können. Genau wie die meisten in ihrem Alter sucht sie die eigene Identität und ist zum ersten Mal so richtig verliebt. Lara Jean lässt sich leicht verunsichern und zweifelt hier und da an den eigenen Fähigkeiten.

Das Backen von Schokoladenkeksen bereitet ihr größte Freude. Dabei beweist sie Perfektionismus und viel Geduld. Ihr Freund Peter lebt gemeinsam mit seiner Mutter und dem jüngeren Bruder Owen zusammen. Lara Jean glaubt, dass seine Mutter sie nicht allzu gern an der Seite ihres Sohnes sehen würde. Die Freundin ihres Vaters, Trina Rothschild, mag Lara Jean, genau wie ihre Schwester Kitty, sehr. Als klar wird, dass die beiden heiraten wollen, kann sie nicht anders, als sich in die Hochzeitsvorbereitungen zu stürzen.

Ich habe schnell in die Handlung gefunden und hatte sofort ein Bild von Lara Jean und den Menschen um sie herum im Kopf. Sie ist auch mir direkt sympathisch gewesen. Die Geschichte ist eher leichte Kost, weswegen mir die Emotionen etwas zu kurz kamen. Ich denke jedoch, dass, wie erwähnt, vor allem junge Mädchen große Freude an der Trilogie haben. Für mich war es einfach ein weitere Ausflug in das Jugendbuch-Genre. Das Cover ist wunderschön und sehr gelungen. Ich mag sowohl das Bild, als auch die verschnörkelte Schriftart und die farbliche Gestaltung.

Die Lara-Jean-Trilogie

To All The Boys I´ve Loved Before • Jenny Han • Übersetzerin: Birgitt Kollmann • Hanser • 2016 • 352 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-446-25081-9 • Preis: €16.00€ • Buch kaufen

P.S. I Still Love You • Jenny Han • Übersetzerin: Birgitt Kollmann • Hanser • 2017 • 336 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-446-25480-0 • Preis: €16.00€ • Buch kaufen

Always and forever, Lara Jean • Jenny Han • Übersetzerin: Anja Hansen-Schmidt • Hanser • 2016 • 336 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-95967-020-3 • Preis: €16.00€ • Buch kaufen

Zitat aus dem Buch

„Sag niemals NEIN, wenn du eigentlich JA meinst.“

Fazit

Eine nette Geschichte um ein junges Mädchen am Ende ihrer High-School-Zeit, auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Für mich ein durchaus solides Buch, aber nicht mehr.

Rund ums Buch

Always and forever, Lara Jean • Jenny Han • Hanser • 2018 • Übersetzerin: Anja Hansen-Schmidt • Originalverlag: Scholastic Ltd • 336 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-446-25865-5 • Preis: €16.00 • Buch kaufen


Danke an den Hanser-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Kennt ihr die Trilogie und wie gefiel sie euch?

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Book Blind Date/ Jane Gardam

Book Blind Date im Juni

Es ist wieder Zeit für´s Book Blind Date. Wer noch nicht weiß, was es damit auf sich hat, kann es hier ausführlich nachlesen. Immer zu Beginn eines Monats flattert ein neues Päckchen aus der Stephanus Buchhandlung in Trier in meinen Briefkasten und ich bin voller Vorfreude auf das Buch, welches mich erwarten wird. In diesem Monat, soviel schon einmal vorweg, war ich wie zuletzt auch wieder einmal sehr angetan.

Meine neueste Errungenschaft ist Eine treue Frau von Jane Gardam. Ich fand´s besonders schön, dass es ausgerechnet ein Buch von dieser Autorin ist, da ich mit Die Leute von Privilege Hill im letzten Jahr mein erstes Buch von Gardam las und ich seitdem immer wieder Ausschaut nach ihren Werken halte. Ihre Art zu schreiben finde ich sehr angenehm und aussergewöhnoich. Gehört hatte ich von Eine treue Frau noch gar nichts, bin aber deshalb umso gespannter.

Book Blind Date im Juni : Eine treue Frau

Von Romantik oder Liebe versteht der attraktive Edmund Feathers, Anfang dreißig und angehender Staranwalt der Britischen Krone, leider nichts. Hinter ihm liegt eine harte Kindheit als Waise, seine erste Frau, die er mit siebzehn geheiratet hatte, war eine Hure aus Irland gewesen. Und so erhält Features´Auserwählte, die muntere Schottin Elizabeth Macintosh, einen förmlich formulierten Heiratsantrag auf feinsten Kanzleipapier. Elizabeth, kurz Betty, weiß, dass ihr  mit dieser Ehe eine materiell sorgenfreie, aber leidenschaftslose Zukunft bevorsteht, und sie vermutet richtig, dass ihr freundlicher Ehemann weiter mit seiner Arbeit verheiratet sein wird. Sie kann nicht anders: Sie schwört Feathers lebenslange Treue und wirft sich noch am selben Abend seinem Anwaltskollegen Terry Veneering in die Arme. Veneering ist ein vulgärer Aufschneider, unattraktiv, aber unwiderstehlich. Von der einen Liebesnacht zehrt sie ein ganzes Eheleben. Bettes Sicht ist naturgemäß eine ganz andere als die ihres Mannes Feathers in Ein untadeliger Ehemann.

Die letzten drei Book Blind Dates

März 
Die Hochzeit der Chani Kaufman von Eve Harris

April
Das Nest von Cynthia D´Aprix Sweeney

Mai
Die Eismacher von Ernest van der Kwast

Und am Ende kommt noch einmal eine große Empfehlung von mir: wenn euch das Book Blind Date auch nur ein wenig neugierig gemacht hat, dann probiert es einfach selbst aus und gebt Florian Valerius eine Chance. Florian könnt ihr per Instagram und Mai erreichen. Um euch direkt an die Buchhandlung zu wenden, gehts hier lang.


Ich danke Florian, der immer ein gutes Händchen beweist. 
Auch in diesem Monat bin ich wieder sehr zufrieden mit meinem Book Blind Date. Kennt ihr Bücher von Jane Gardam?

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