Vorwärts küssen, rückwärts lieben

Ich habe mich sehr gefreut, als mir das besondere Buch Vorwärts küssen, rückwärts lieben vorgeschlagen wurde. Besonders deshalb, weil es im Innenteil sehr hübschen Zeichnungen der Autorin bereit hält. Sybille Hein ist freie Illustratorin und schreibt normalerweise Kindergeschichten. Wie der Titel verrät, handelt es sich hierbei um eine Liebesgeschichte. Ich mag Liebesgeschichten. Allerdings muss die Story ausgeklügelt und kein Abklatsch anderer Bücher aus diesem Genre sein. Vorwärts küssen, rückwärts lieben, hat nicht zuletzt wegen seiner Charaktere einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Das verrät der Klappentext

Eigentlich wollte Pia sich nie wieder in einen Schönling verlieben. Eigentlich sollte es ein Sommer werden, in dem Mückenstiche und Fruchtfliegen zu ihren größten Herausforderungen zählen. Aber dann steht August vor ihr. Charmant, schlagfertig und sexy wie Ryan Gosling. Selbst Pias dicker Kater ist entzückt. Während Pia schon anfängt, ihr Luftschloss einzurichten, bleibt ihr bester Freund Eddi skeptisch. Wie oft musste er miterleben, dass aus Pias Zuckerwatteherz ein dicker Teerklumpen wird. Er ist ganz sicher: Pia braucht keinen Traumprinzen an ihrer Seite, sondern einen Kumpeltypen zum Anfassen. Denn ohne Freundschaft bleibt jede Liebe immer nur eine Luftnummer. Und tatsächlich: Das Leben hält in Liebesdingen eine zauberhafte Überraschung für Pia bereit – im wahrsten Sinne des Wortes!

Mit dem Hauptcharakter Pia konnte ich mich schnell identifizieren. Die Protagonistin ist detailliert ausgearbeitet und in der Lage, sich schnell in die Herzen der Leser zu schleichen. Dass die Handlung des Buches in meiner Heimatstadt Berlin spielt, macht es für mich natürlich noch sympathischer. Geschichten, die an mir bekannten Orten spielen, gefallen mir wohl deshalb so gut, weil sie ein vertrautes Gefühl in mir auslösen. Die weiteren Charaktere des Buches – ihre Freunde – wirken ähnlich sympathisch wie Pia und machten es mir leicht, das Buch zu mögen. Zusammenhalt wird großgeschrieben. Das mochte ich sehr.

Der Schreibstil der Autorin ist clever und charmant. Alles liest sich sehr flüssig. Ich mochte ihn sehr und habe das Buch, neben seiner tollen Handlung, auch deshalb nur sehr ungern aus den Händen gelegt. Die witzigen und toughen Dialoge der Protagonisten ließen mich so manches mal schmunzeln. Ich kann mir gut vorstellen künftig mehr von der Autorin zu lesen. Vorwärts küssen, rückwärts lieben ist definitiv mehr als eine nette Sommerlektüre!


Vorwärts küssen, rückwärts lieben | Sybille Hein
Blanvalet | 2017 | 448 Seiten | Paperback
ISBN: 978-3-7645-0579-0 | Preis: €14.99
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Wertung: ★ ★ ★ ★ ★


Ich danke Blanvalet und Randomhouse für das Rezensionsexemplar.
Mögt ihr witzig-clevere Liebesgeschichten?

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Deutschland á la française

Deutschland á la Française ist vor wenigen Wochen in meinem Bücherregal eingezogen. Aber nur kurz. Fortan lag es auf meinem Nachttisch, denn ich habe das Buch verschlungen. Pascale Hugues ist Französin und lebt seit über 28 Jahren in Deutschland. Sie ist Korrespondentin und schreibt sowohl für französische, als auch deutsche Zeitungen. In diesem Buch geht es um typisch deutsche und französische Merkmale, die Macht der Sprachen, um Gemeinsamkeiten beider Länder, die Mentalitäten, politische Gegensätze und vor allem um persönliche Anekdoten der Autorin.

Was der Klappentext verrät

C´est la vie in Germany: zwei große Nationen und ihre kleinen Eigenheiten, charmant und witzig aus nächster Nähe beobachtet von Bestsellerautorin Pascale Hugues.

„Zwischen zwei Ländern zu leben heißt, zwei empfindliche kleine Antennen auf dem Kopf zu haben. Ständig registrieren sie die Unterschiede, was hier anders ist als dort. Da ich kein echtes Zuhause mehr habe, sind diese Antennen in beiden Ländern pausenlos aktiv. Sie zeichnen Überraschungen auf, Ticks, Eigenarten, nationale Mythen, Redewendungen, merkwürdige Straßenecken und, warum nicht, Klischées, die man entlarven oder bestätigen möchte. Und oft verlieren meine kleinen Antennen die Orientierung: Was ist deutsch, was ist französisch? Wie kann ich beides auseinanderhalten? Bin ich ein bisschen deutsch geworden? Wahrscheinlich schon.“ 

 

Frankreich hat mich schon immer interessiert. Besonders die Sprache hat es mir angetan. Keine hat diesen unverwechselbaren und charmanten Klang. Für mich persönlich ist es die mit Abstand Schönste und die, der ich am Liebsten lausche. Ich selbst spreche kein französisch. Dennoch lese ich häufig französische Kurzgeschichten, einfach, um die Worte auszusprechen und mich am Klang zu erfreuen. Da ich seit über einem Jahr in der Nähe der französischen Grenze lebe, ist Frankreich mir nun nicht nur geografisch näher, sondern auch im Herzen. Denn durch die kurze Entfernung, konnte ich das Elsass des Öfteren besuchen und bin seit dem ersten Besuch verliebt.

Andere Fehler können wir Franzosen ebenfalls nicht begreifen: ein Minister stürzt, weil er seine Putzfrau schwarz bezahlt. Na und! Bei uns kann man sich glücklich schätzen, wenn der Minister das Zimmermädchen in New York nicht zwingt, ihm einen zu blasen.

Als ich von dem Buch las und das hübsche Cover sah, war ich sofort gewillt, es zu lesen. Ich bin gebürtige Berlinerin und fand den Umstand, dass die französische Autorin seit langem in Berlin lebt, wunderbar. So konnte ich auch einiges über das Berlin erfahren, welches mir aufgrund meines Alters fremd ist und sah viele im Buch erwähnte und mir bekannte Ortschaften vor meinem inneren Auge und fühlte mich in meine Heimat zurück versetzt. Gleichzeitig erfährt man viel über das Elsass: die Herkunft der Autorin und inzwischen auch ein bisschen neue Heimat für mich.

Pascale Hugues schreibt mit sehr viel Humor und Charme. Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage durchgelesen, weil ich es so amüsant und interessant fand. Beim Lesen wird einem bewusst, welch große Unterschiede es zwischen beiden Ländern gibt und wie viele Gemeinsamkeiten Deutschland und Frankreich auch haben. Von Politik, beiden Sprachen, Kultur und Mentalität über persönliche Erlebnisse der Autorin ist alles dabei. Besonders schön finde ich, dass einem Deutschland als Land, als Heimat wieder näher gebracht wird, wenngleich das möglicherweise auch unbewusst geschieht. Unsere im Welt-Vergleich sehr loyale Politik, das Reichtum unserer Sprache und die Vielfalt unserer Geschichte wird deutlich und berührt.

Dem Tischmülleimer stehen Helfer zur Seite: der Mini-Staubsauger, der Tischfeger, der Krümelbesen. Ein ganzes Bataillon technischer Apparate, surrender Motoren, batteriebetriebener Maschinen brummt über den Tisch. Und ich fürchte mich vor dem Tag, an dem ein Dogmatiker des Umweltbundesamtes sich in den Kopf setzen wird, Mülltrennung auf dem Esstisch zu erzwingen: ein grüner Tischmülleimer für den Biomüll, ein gelber für die Joghurt- und Quarkbecher, ein grauer für die Glasflaschen. Nostalgisch denke ich an die unvernünftigen Zeiten zurück, als Hund und Katze sich unter dem Tisch um die Reste stritten.

Gleichsam erfährt man viel über das frühere und heutige Frankreich. Über Kindheitserinnerungen der Autorin an das Elsass, sprachliche Barrieren und die Anfangszeit in Deutschland 1989. Über Korruption, die Unterschiedlichkeit der Sprachen, Mülltrennung und die DDR ist alles dabei. Ein äußerst kluges, humorvolles Buch über zwei Länder, die so viel zu bieten haben und welche man hier neu kennen und lieben lernt.


Deutschland á la française | Pascale Hugues
Rowohlt | 2017 | 208 Seiten | Hardcover
Originaltitel: Was ist das? Chroniques d´uns Française á Berlin | Übersetzung: Elisabeth Thielicke
ISBN: 978-3-498-03032-2 | Preis: €19.95
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Wertung: ★ ★ ★ ★ ★


Ich bedanke mich beim Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Gefällt euch Gegenwartsliteratur in dieser Form?
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Blogtour | Gibt es Zwischenwelten?

Heute ist der 5. Tag der angekündigten Blogtour zu Zwischenwelt von Jill Noll mit dem Thema Gibt es Zwischenwelten? Ich muss vorweg sagen, dass ich mich relativ spontan für dieses Thema entschieden habe. Naiv wie ich bin, erwartete ich, dass ich massenhaft Informationen dazu im Internet oder Büchern finden würde. Ich wurde nun eines Besseren belehrt. Trotzdem möchte ich euch schildern, was ich herausfinden konnte.

Zu der Zwischenwelt, die in dem Buch von Jill beschrieben wird, konnte ich nichts Konkretes finden. Dennoch fand ich bei meiner Recherche immer wieder Berichte zu Nahtod- und Komaerfahrungen. Bei Jill ist es so, dass die Menschen durch eine Energiemanipulation in einer anderen Welt landen. Dort sind sie zwar noch sie selbst, trotzdem ist alles verändert. Sie können nichts schmecken, Bewegungen fallen ihnen schwer und die Welt erscheint ihnen nicht mehr in ihrem gewohnten Bild. Bei Nahtoderfahrungen oder Menschen die im Koma lagen, lassen sich Parallelen feststellen.

Es gibt Hirnforscher, wie zum Beispiel die der Universität of Michigan in Ann Arborder der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften, welche sich speziell mit diesen Erfahrungen auseinandergesetzt haben. Sie berichten, dass sich die Erzählungen der Betroffenen immer wieder ähneln. Menschen die im Koma lagen berichteten, dass sie sich in einer Art Zwischenwelt befanden. Einige hatten dabei Kontakt zu bereits Verstorbenen, viele konnten ihren Körper losgelöst von ihrem Selbst sehen und teilweise sogar in ihn hineingelangen und ihn wieder verlassen.

Es gibt viele Forschungen zu diesem Thema, doch den einzigen Anhaltspunkt dazu, den es bisher gab, war die Gehirnaktivität. Bei Menschen, die dem Tod sehr nahe waren, konnte man kurz vor dem Beinah-Tod, eine starke Erhöhung der Gehirnaktivität feststellen.

Wenn zum Beispiel das Herz zum Stillstand kommt, erfährt das Gehirn dabei auch keinen Input mehr von außen und verfällt für eine kurze Zeit in eine Art Leerlauf. Dabei steigt die Hirnaktivität stark an.

Forscher vermuten, dass die Betroffenen dabei die verschiedensten Eindrücke wahrnehmen und es so zu den Nahtoderfahrungen kommt. Natürlich gibt es zu diesem Thema viele verschiedene Ansichten. Je nach Religion oder Glauben gibt es auch differenzierte Meinungen und Erfahrungen. So sollte jeder für sich selbst entscheiden, woran er glauben möchte. Fest steht, dass vieles von dem, was in unserem Gehirn vor sich geht, noch nicht erforscht werden konnte. Ebenso wie der Zusammenhang von Körper und Geist.

Wer nun mehr über Jill und ihr Buch Zwischenwelt erfahren möchte, kann sich die Beiträge der vergangenen Tage ansehen. Die Auflistung aller Teilnehmer findet ihr im vorherigen Post hier.

Quellenangaben: 1, 2, 3

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