Alexa Hennig von Lange

Kampfsterne

Ich darf heute wieder ein Buch aus dem Dumont-Verlag rezensieren. Darüber freue ich mich deshalb so, weil ich, wie einige von euch wahrscheinlich wissen, diesen Verlag oder besser gesagt seine Bücher sehr schätze. Alle Werke, die ich zuletzt von Dumont gelesen haben, konnten mich mehr oder weniger sehr begeistern. Kampfsterne von Alexa von Hennig ist das neueste aus dem Hause in meinem Bücherregal. Das Buch habe ich bei Vorablesen gewonnen.  

Darum gehts

Es ist das Jahr 1985. Drei Ehepaare – Ulla und Rainer, Rita und Georg, sowie Ella und Bernhard führen ein nach außen hin beschauliches, glückliches Familienleben in einer Reihenhaus-Siedlung. Alle haben Kinder. Alle haben ihre ganz eigenen Sorgen und Probleme. Und alle glauben, dass ihre Nachbarn es so viel besser haben, als sie selbst. Drei Familien, die zu zerbrechen drohen.

Rezension (enthält Spoiler)

Da das Buch eher kurz ist (224 Seiten), fiel es mir sehr leicht, in die Geschichte hinein zu kommen. Es geht direkt los. Man befindet sich sofort im Geschehen. Das Besondere ist, dass es keine Kapitel gibt. Erzählt wird aus den unterschiedlichen Perspektiven der Ehepaare und ihrer Kinder. Dabei stellt sich schnell heraus, das niemand so wirklich glücklich ist. Die Kinder werden zu Intelligenztests und zum Cello-Unterricht geschickt, die Mütter machen den Haushalt, backen Marmorkuchen und die Väter gehen arbeiten.

Rita ist die Mutter von Klara und Johannes. Ihr Ehemann ist Georg, den sie, wie sie beschreibt, gar nicht liebt. Eigentlich ödet er sie nur an. Ulla ist ihre Nachbarin und, so scheint es zunächst, Freundin. Sie ist die Frau von Rainer, der seine Frau regelmäßig prügelt. Ihre Töchter Lexchen (Alexa) und Cotsch (Constanze) wissen um den unliebsamen Umgang ihrer Eltern und gehen ganz unterschiedlich damit um. Ulla glaubt, dass der sonntägliche Apfelkuchen die Familie immer wieder zusammen bringt und sie ihren Kindern die heile Welt vorspielen kann. Ella ist die Mutter von Joshi und Ehefrau von Bernhard. Sie glaubt, dass ihr Mann sie betrügt.

Alle Familien jagen Idealen nach. Die Frauen lesen feministische Bücher und versuchen kläglich das Bild einer emanzipierten Frau umzusetzen. Jeder will die perfekte Familie darstellen und keiner ist glücklich mit seinem Leben. Die sorgenfreien Jahre sind ein Trugbild. Es ist die Generation von Eltern, die ihre Kinder frei erziehen wollen, dabei aber oft an ihre Grenzen geraten. Hennig schreibt sehr authentisch und klar. Ihre Charaktere sind Menschen aus dem Leben. Das Ende hat mich leider etwas enttäuscht, weil die Geschichte keinen wirklichen Abschluss hat. Das mag so gewollt sein, gefiel mir aber nicht ganz so gut. Mir fehlte außerdem ein Nachwort der Autorin. Insgesamt aber ein gelungenes Buch.

Zitate aus dem Buch

„Weil natürlich jeder im Grunde seines Herzens schwach ist, und vermutlich nehme ich deshalb allen ihre Schwachheit so übel, weil sie mich an meine eigene erinnert.“

„Nichts hat sie mehr herbeigesehnt, als das Ende der Kindheit ihrer Kinder. Weil sie die Kindheit hasst. Sie hasst diese Bedürftigkeit. Die angebliche Unzulänglichkeit. Die Verträumtheit. Die Fröhlichkeit. Die Fantasie. Das Leuchten. Das Strahlen. Diese geheime Welt, zu der sie niemals Zugriff bekommen wird. Weil manipulative Menschen niemals von der Lieblichkeit, der Unschuld, der Grenzenlosigkeit wissen können.“

„Doch heute, muss ich sagen, ist mein Vater für mich zum kind warrior geworden. Wie er sich seinen Raum sucht, um in Frieden zu sein. Kein Urteil. Stellt sich einfach neben den Komposthaufen, um sein Käsebrot zu genießen. Das ist wahre Unabhängigkeit.

„Unsere Eltern sind vollkommen blind dafür, dass ihr schlimmster Fehler eigentlich darin besteht, dass sie aus der Liebe gefallen sind.“

„Ich werde nicht vergehen, nur weil dieses Kind – dieses Wunderwerk der Natur – mir mein Leben klaut. Wenn, dann wird dieses Kind vergehen – und zwar endgültig.“

Fazit

Ein kurzer, aber sehr intensiver und temporeicher Roman mit rauem Unterton, der es schafft, das Leben seiner Charaktere sehr detailgetreu wiederzugeben und einen Einblick in die Ideologien der Menschen in den Achtzigern gibt und zeigt, warum Urlaube in Südfrankreich, dänische Innenausstattungen und musikalische Kinder keine Garantie für ein sorgenfreies Leben sind. Das Ende fand ich leider schwach.

Rund ums Buch

Kampfsterne • Alexa Hennig von Lange • Dumont • 2018 • 224 Seiten • Hardcover mit Lesebändchen • ISBN: 978-3-8321-9774-2 • Preis: €20.00 • Buch kaufen


Ich danke dem Team von Vorablesen für den Gewinn. 
Wäre „Kampfsterne“ etwas für euch?

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Laura Barnett

Ein Leben aus leuchtenden Tagen

Ein Roman, der sich vor allem der Musik zu widmen scheint. Dies war mein erster Gedanke, als ich den Klappentext von Ein Leben aus leuchtenden Tagen las. Neugierig gemacht hat mich die Geschichte dennoch sofort. Und am Ende des Buches kann ich sagen, dass ich sehr froh bin Laura Barnetts neuestes Werk gelesen zu haben. Und Musik spielt ganz und gar nicht die allererste Geige.

Darum gehts

Cassandra Wheeler ist weltbekannte Sängerin und mittlerweile fünfundsechzig Jahre alt und blickt auf ihr Leben zurück. Den passenden Soundtrack dazu liefert ihr Best-Of-Album, welches sie nach vielen Schicksalsschlägen aufnimmt. Ihre Songs sind voller Einsamkeit, Sehnsucht und Liebe.

Spoilerfreie Rezension

Die ersten Seiten haben es mir noch etwas schwer gemacht, zu wissen, worauf ich mich einlasse. Das hat sich aber recht schnell gelegt und ich konnte der Handlungsverlauf gut folgen. Die Erzählweise mochte ich unglaublich gerne, weil sich Vergangenheit und Gegenwart immer wieder vermischen. Das mag hier und da kurzzeitig verwirrend sein, bewirkte in mir aber eher totale Aufmerksamkeit. Die Charaktere sind lebendig beschrieben und haben fast alle sehr liebenswerte Seiten an sich. Mit Cassandra Wheeler konnte ich mich sofort identifizieren.

Obwohl ich selbst vollkommen unmusikalisch bin, war es mir eine Freude, an der Musik von Cass teilzuhaben, wenn auch nur in verschriftlichter Form. Die Texte sind gefühlvoll, ergreifend, lebendig und erzählen von ihren intimsten Gedanken; ihren Zweifeln, der großen Liebe, ihrer Wut, ihrer Suche nach sich selbst und ihrer Trauer um nahestehende Menschen. Barnett schreibt äußerst emotional und detailreich, sodass es mir großen Spass machte, mehr über das pralle Leben von Cass zu erfahren. Von dem distanzierten Verhältnis zu ihrer Mutter, die sie und ihren Vater im Stich ließ. Von ihrer geliebten Tante Lily, ihrer großen Liebe zum Musiker Ivor, ihrer besten Freundin aus Kindertagen, Irene. Von der innigsten Liebe zu ihrem einzigen Kind und tiefen Freundschaften.

Fast scheint es, als höre man ihre Musik mit den Augen. Ich bewunderte während des Lesens die innere Stärke der Sängerin, die sie zweifelsohne besitzt. Ich litt mit ihr, ich lachte mit ihr und ich fieberte bei ihren Auftritten mit. Musik hat für mich nach dem Beenden von Ein Leben aus leuchtenden Tagen noch einmal einen tieferen Sinn geweckt. Musik kann vieles sein. Manchmal der letzte, rettende Anker. Ein wunderbares Buch und eine inspirierende Protagonistin. Jedem, der starke weibliche Hauptrollen mag, ist dieses Buch wärmstens ans Herz zu legen.

Zitate aus dem Buch

„Doch dann, als das Frühjahr in den Sommer überging, marschierte eines Abends Ivor Tait in den Garten von Atterley, und Cass begriff, dass sie noch gar nichts über die Liebe wusste.“

„Das war vielleicht das Schlimmste gewesen: dieses neue Wissen, dass es unter all dem aufregenden Treiben und Drängen im Kern der Dinge keinen Sinn gab. Einfach nur Chaos, Durcheinander und ein undurchdringliches Schweigen.“

„…für die sie mit Sorgfalt und Mühe weiße Kaninchen in einen grünen Pullover gestrickt hatte: In jede rechte und linke Masche hatte sie mehr Liebe und Zärtlichkeit hineingeschlungen, als sie der Tochter, die sie zurück gelassen hatte, jemals gezeigt hatte.“

„Vollkommenheit war unmöglich und das Streben danach banal. In der Kunst, im Leben, und in der Liebe waren es die Macken, die Fehler, die Disharmonien, die die meiste Kraft hatten und uns am Meisten berührten.“

„Die Stille war wie ein Ozean über sie geschwappt. Cass schwamm in seiner Tiefe, dort unten in der Dunkelheit, wo das Licht nicht hinkam.“

Fazit

Eine Art Musik-Biografie. Ein Roman, welcher sich voll und ganz den Songs der Protagonistin widmet. Das mag man meinen. Aber weit gefehlt. Ein Leben aus leuchtenden Tagen ist soviel mehr. Es ist vielschichtig, ehrlich, klar und ergreifend. Es ist nicht einfach nur ihre Musik. Es ist die Geschichte ihres Lebens.

Rund ums Buch

Ein Leben aus leuchtenden Tagen • Laura Barnett • Originaltitel: Greatest Hits • Kindler • Originalverlag: W & N • 2018 • Übersetzerin: Barbara Ostrop • 560 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • ISBN: 978-3-463-40693-0 • Preis: €19.95 • Buch kaufen


Dem Rowohlt/Kindler-Verlag danke an dieser Stelle  für das Rezensionsexemplar.
Kennt ihr Bücher von Laura Barnett und vielleicht auch dieses?

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Gelesen

Halbjahresrückblick von Neri

Ich bin etwas spät dran mit meinem Teil des Halbjahresrückblicks. Dennoch möchte ich euch natürlich meine Lieblingsbücher der ersten Hälfte von 2018 nicht vorenthalten. Es fiel mir sehr schwer mich auf drei Bücher festzulegen, weil so viele tolle Werke darunter waren. Mir war aber wichtig, es Jenni gleichzutun und mich auf ebenfalls drei Bücher zu beschränken. Weiter unten findet ihr aber – kurz erwähnt – weitere tolle Bücher, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. 

Das erste Buch, über das ich schreiben möchte, ist auch das erste Buch, dass ich in diesem Jahr gelesen habe. Wer die Nachtigall stört von Harper Lee, hat mich geprägt wie lange schon kein Buch mehr. Versteht mich nicht falsch, Bücher prägen immer. Die einen mehr, die anderen weniger. Dieser Klassiker jedoch, hat mich nachdenklich zurück gelassen, wütend gemacht, mich zum Lachen gebracht, mir Tränen in die Augen getrieben und vor allem viel Zivilcourage vermittelt. Davon haben wir auch heute noch viel zu wenig.

Die Handlung spielt in den 1930er Jahren. Die Geschwister Scout und Jem leben mit ihrem Vater Atticus in den Südstaaten. Atticus ist Anwalt und hat es sich zur Aufgabe gemacht, jeden Menschen vor Gericht zu vertreten, der seine Hilfe braucht – unabhängig von seiner Hautfarbe, Religion und Herkunft. In den Dreißigerjahren war Rassismus in den Vereinigten Staaten groß geschrieben. Es gehörte quasi zum Alltag der schwarzen Bevölkerung. Als Atticus den schwarzen Landarbeiter Robinson vor Gericht vertritt, welcher bezichtigt wird, ein weißes Mädchen vergewaltigt zu haben, wird auch seinen Kindern erstmals bewusst, welche Tragweite der Rassismus in den USA mit sich bringt. Fortan versuchen Scout und Jem ihren Vater zu unterstützen und Robinsons Unschuld zu beweisen.

Das Buch hat mich durchweg aufgewühlt. Die Ereignisse in der Geschichte sind tragisch und deshalb umso wichtiger. Auch heute muss immer wieder auf die Missstände, den brutalen Rassismus der damaligen, aber auch heutigen Zeit, aufmerksam gemacht werden, von dem sich so viele Menschen konfrontiert sahen und immer noch sehen. Obwohl die Welt hier und da gerechter scheint, gibt es viele Menschen weltweit, die sich noch immer täglich Diskriminierungen aufgrund ihrer Herkunft ausgesetzt sehen.

Die Aussagen des Buches halte ich für unglaublich wichtig und sehr menschlich. Jeder von uns sollte sich bewusst machen, was Rassismus – vor allem für Betroffene – bedeutet und wie wir ihn gemeinsam bekämpfen können. Das Buch, vorwiegend seine Charaktere vermitteln viel Mut und Engagement im Kampf gegen Ungleichheit von Menschen. Ich kann diesen Klassiker jedem ans Herz legen.

Buch Nummer zwei ist der Thriller The Wife Between Us. Normalerweise bin ich diesem Genre gar nicht so sehr zugeneigt. Wenn ein Thriller aber gut geschrieben ist und die Handlung überzeugen kann, bin ich durchaus neugierig. Die beiden Amerikanerinnen Sarah Pekkanen und Greer Hendricks haben gemeinsam an dem Buch gearbeitet. Die durchweg düstere und spannende Atmosphäre der Geschichte ließ mich das Buch schwer aus der Hand legen.

Alles dreht sich um drei Frauen und denselben Mann . Es gibt nur eine Wahrheit. Vanessa führte das scheinbar perfekte Leben an der Seite ihres Mannes Richard. Seit der Scheidung von ihm, ist sie ein Schatten ihrer selbst. Das einzige, was sie am Leben hält, ist das Scheitern der Hochzeit ihres Ex-Mannes mit seiner Verlobten. Nellie dagegen schwebt im siebten Himmel. Sie ist die Frau, die Richard ausgewählt hat. Alles könnte so schön sein, wäre da nicht die Frau, die sie beobachtet.

Es war schwer, an dem Thriller vorbeizukommen, da Plakatwände, Kinowerbung und Anzeigen in Zeitschriften das Buch begeistert anpriesen. Obwohl mich gerade das oft abschreckt, war ich in diesem Fall doch gespannt auf das, was mich erwarten würde. Und ich wurde in keinster Weise enttäuscht. Der Roman punktet mit viel Tiefgang und lebendigen Charakteren. Die Handlung ist eine wahre Achterbahnfahrt an Emotionen. Liebe, Eifersucht und tiefer Hass prägen den Roman. Der wirklich beste Thriller, den ich bisher kenne.

Auf keinen Fall fehlen darf unter meinen Top drei der ersten Hälfte des Jahres Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden. Die Idee des Buches ist eine sehr inspirierende und für mich in jedem Fall ganz neue. Die kluge Schreibweise und die wichtigste Aussage des Autoren, dass wir Menschen nicht mehr wissen, was wirklich zählt im Leben, regte mich zum Nachdenken an. Wir leben in einer Überfluss-Gesellschaft und vergessen oft, was wir wirklich brauchen und was unverzichtbar ist.

Ein dreißigjähriger Japaner erfährt, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Nach der Diagnose fällt er in ein tiefes Loch, das aber nicht lange anhält, da ihm schon tags darauf der Teufel in Person seiner selbst erscheint. Dieser erklärt ihm, er könne sein Leben um jeweils einen Tag verlängern, wenn er alle vierundzwanzig Stunden etwas von der Welt verschwinden lässt. Zunächst keine schlechte Idee, wenn man bedenkt, wieviel Unnützes es gibt.

Ich habe mich selbst dabei ertappt, zu glauben, dass es eine Leichtigkeit wäre, täglich Dinge verschwinden zu lassen, um selbst am Leben zu bleiben. Nur kommt irgendwann die Erkenntnis, dass es das nicht wert sein kann. Könnte ich damit leben, anderen Menschen Dinge zu nehmen, um selbst nicht sterben zu müssen? Und wie weit könnte das gehen? Eine spannende Frage. Ein extrem gutes Buch.

Weitere Lieblingsbücher

Die Unruhigen von Linn Ullmann ansehen
Was in unseren Sternen steht von Catherine Isaac ansehen
Alles, was ich über die Liebe weiß von Michela Marzano ansehen
Als die Tage nach Zimt schmeckten von Donia Bijan ansehen


Dies sind also meine bisherigen Buchperlen in 2018. Ich bin gespannt, wie viele Bücher noch hinzukommen. 
Und welche Bücher haben euch in diesem Jahr bisher überzeugen können?
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