Als der Teufel aus dem Badezimmer kam

Selten habe ich ein Buch gelesen wie dieses. Und das meine ich tatsächlich so, wie ich es hier schreibe. Als der Teufel aus dem Badezimmer kam beschäftigt sich auf humorvolle, aber abstrakte Weise mit offenen Rechnungen, der tückischen Bürokratie, dem Leben als Langzeitarbeitslose und allen Nöten, die damit einhergehen. Die Französin Sophie Divry erzählt diese Geschichte mit zu viel Phantasie und teuflischem Beistand.

Klappentext

Sophie ist jung, qualifiziert, kreativ – und hat keinen Cent mehr in der Tasche. Die Aufträge als freie Mitarbeiterin bei einer Tageszeitung bleiben aus, die Rechnungen am Ende des Monats hingegen treffen verlässlich ein. Was tun, oder besser: Was nicht mehr tun?, fragt sie sich, während der Teufel ihr im Nacken sitzt und sie beständig in Versuchung führen will. Doch gibt sie ihm nicht nach und schreibt stattdessen einen Roman, in dem ihre Phantasie Königin ist und die Begrenzungen der Realität aufhebt. Vor dem Hintergrund ihrer alltäglichen Nöte, ihrem Kampf mit den Tücken der Bürokratie und ihrer wachsenden Vereinsamung zündet Sophie lustvoll ein literarisches Feuerwerk, setzt ihrer Misere ein reiches Spiel der Sprache und Formen entgegen.


Der Grund, weshalb ich diesen Roman lesen wollte, war tatsächlich das witzig gestaltete Cover und der Titel, welcher neugierig macht. Mit dem konnte ich zu Beginn nichts anfangen, sobald die ersten Seiten gelesen sind, wird aber alles deutlich. Ich mag Hardcover besonders gerne, weil sie so hochwertig wirken. Die Hörner des Teufels auf dem Umschlag sind super witzig gemacht. Da dass Buch ohne Umschlag schwarz ist,  wirken die ausgestanzten Hörner besonders.

Obwohl Als der Teufel aus dem Badezimmer kam keine 300 Seiten beinhaltet, brauchte ich eine ganze Woche um das Buch auszulesen. Das lag daran, dass ich die Erzählweise nicht gewohnt bin. Zum Teil habe ich das Erzählte gar nicht verstanden und musste immer wieder nachlesen. Das lag auch daran, dass nicht immer ersichtlich ist, ob es sich um tatsächliche Geschehnisse handelt oder es die Gedanken der Protagonistin sind.  Anstrengend fand ich vor allem die wirren Gedanken der Autorin, die mit viel Witz erzählt sind, jedoch manchmal zu ausschweifend werden und ins Absurde abdriften.

Dieses Buch widme ich den Unproduktiven, den Kindern, den Ausgehungerten, den Träumern, den Nudelessern und den „Niedergeschlagenen“.

Einige Male musste ich wirklich schmunzeln und fand die Metaphern sehr gelungen. Die Charaktere sind mir hingen fast ausschließlich unsympathisch. Das ist sehr schade. Das bezieht sich hier besonders auf die männlichen Protagonisten. Ich mochte den sehr herben, oft vulgären Unterton nicht und manchmal ging es mir tatsächlich zu sehr unter die Gürtellinie, und das, obwohl ich nicht zart besaitet bin, was Literatur anbelangt.

Im Grunde geht es um eine junge Französin, welche eine glückliche, unbeschwerte Kindheit in einer Großfamilie in der Nähe von Montpellier erlebte, inzwischen in Lyon lebt und arbeitslos ist. Genau genommen ist sie langzeitarbeitslos. Diesen Umstand bekommt sie immer heftiger zu spüren, weil das Geld vorne und hinten nicht reicht und sie immer öfter hungern muss. Sie überzieht ihr Konto, wird beim Arbeitsamt vorstellig, findet aber keinen passenden Job. Während einer Familienfeier kann sie endlich wieder essen, soviel sie will und die Sorgen rücken in den Hintergrund.

Sie werden die Würde der Welt ausmachen oder ihre Schamlosigkeit.

Der beste Freund, Hector, spielt im Buch eine große, aber für meinen Geschmack völlig unwichtige Rolle. Die Dialoge zwischen den Beiden sind von geschmacklosen Äußerungen gekennzeichnet und mir ist bis zum Schluss völlig unverständlich, was mir damit vermittelt werden soll und weswegen dieser Charakter für den Roman eine Relevanz darstellt. Leider gar nicht mein Humor. Der im Titel besagte Teufel wird auch nur am Rande erwähnt, obwohl er eine gelungene Metapher darstellt.

Am Ende muss ich ein Fazit ziehen und stelle fest, dass mich das  Buch leider sehr enttäuscht zurücklässt. Ich hatte mir viel mehr davon versprochen und fand viele Textpassagen sehr klug und witzig. Allerdings halten Cover, Klappentext und Titel nicht, was sie versprechen. Die Gedanken werden immer undurchsichtiger, die Charaktere sind langweilig bis nervig und lediglich der Bonus am Ende des Buches, sowie die geistreichen Metaphern konnten mich überzeugen. Ich mag niemandem das Buch madig machen. Es wurde besonders in Frankreich mehrfach ausgezeichnet. Mir hat es einfach nicht zugesagt.


Ich danke dem Ullstein-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Ein hübsches Buch mit cleveren Metaphern und einer interessanten Idee, welches aber für meinen Geschmack nur mangelhaft umgesetzt ist. Kennt ihr diesen Roman und wie hat er euch gefallen?

Informationen zum Buch

Als der Teufel aus dem Badezimmer kam • Sophie Divry • Ullstein • Originaltitel: Quand le diable sortit de la salle de bain • Übersetzerin: Patricia Klobusiczky • 2017 • 272 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-55008-136-1 • Preis: €21.00 • Buch kaufen

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Alles wird unsichtbar

New Yorker Bronx. 1970er Jahre. In dieser Zeit beginnt das Geschehen des Romans Alles wird unsichtbar von Gerry Hadden. Milano ist der Adoptivsohn afro-kubanischer Eltern. Es geht um einen folgenschweren Unfall, das Abrutschen in die Kriminalität, die Suche nach den eigenen Wurzeln und eine letzte Chance, zurück ins Leben zu finden.

Klappentext

Milano wächst in der Bronx der Siebziger auf. Als Adoptivsohn afro-kubanischer Eltern ist er der einzige spanischsprechende, bongospielende, fünfjährige Weiße weit und breit. Er ist anders als die Nachbarskinder, aber er ist glücklich. Bis zum Tag des Autounfalls.
Er erwacht im Krankenhaus und sein linker Arm ist unsichtbar geworden. Was Phantomschmerzen sind, begreift er erst nach und nach: als seine Mutter stirbt. Als sein Vater ihn wie Luft behandelt. Als er alles verliert, was ihm je wichtig war. Lakonisch und so unsentimental, dass es einem die Tränen in die Augen treibt, erzählt Hadden in seinem Debütroman die Geschichte eines Abstiegs, der im Jugendgefängnis endet. Doch Milano erhält eine zweite Chance und macht sich auf die Suche – nach den unsichtbaren Dingen, nach seinen Wurzeln, und nach seinem Platz in dieser seltsamen Welt.


Als einziger Weißer lebt Milano mit seinen Adoptiveltern in der Bronx. Er ist auch der einzige Junge in der Nachbarschaft, der spanisch spricht. Eigentlich ist Milano ein glückliches Kind. Er liebt seine musikalischen Eltern, die ihn adoptierten und genießt vor allem die bedingungslose Liebe seiner Mutter Miriam. Eines Tages allerdings geschieht ein fürchterlicher Unfall, bei welchem diese stirbt. Von dort an ist nichts mehr wie es war.

Milano wird ab dem Zeitpunkt von seinem Adoptivvater Hipolito geschnitten. Dieser gibt ihm die Schuld an dem Tod seiner geliebten Frau. Und obwohl er das Milano gegenüber nie äußert, lässt er es ihn täglich spüren. Völlig auf sich allein gestellt und auf elterlichen Liebesentzug, beginnt Milano krumme Dinge zu drehen. Immer dabei ist sein bester Freund. Obwohl beide des Öfteren erweicht werden, hören die kriminellen Machenschaften nicht auf. Im Gegenteil: der Kick, den Milano empfindet, wenn er etwas zerstört, lässt ihn weitermachen.

Entweder erwsachsen werden oder einen Weg finden, um zu sterben.

Irgendwann landet Milano in einem Jungendgefängnis. Man könnte meinen, das sei der Abstieg, das Ende. Aber genau hier fängt Milano an zu begreifen, dass es so nicht weitergehen kann. Dass das Leben mehr wert ist. Er verliebt sich zum ersten Mal, macht sich auf die Suche nach seiner leiblichen Mutter und seinem Onkel und der eigenen Identität. Er wünscht sich nichts sehnlicher als eine zweite Chance.

Die ersten Kapitel haben mich wahrlich mitgerissen. Die Geschichte von Milano ist spannend und emotional geschrieben. Seine Adoptiveltern scheinen sich wunderbar um ihn zu kümmern. Besonders Miriam kümmert sich aufopferungsvoll um den kleinen Jungen. Nach dem Unfall, bei dem diese stirbt, ist es erschreckend, fast grausam zu lesen, wie stiefmütterlich Milano fortan von seinem Adoptivvater behandelt wird. Schließlich ist er noch ein Kind.

Dass Milano auf die schiefe Bahn gerät, hat mich nicht allzu sehr verwundert. Ohne Liebe, ohne Halt und ohne jede Form von Erziehung und Regeln, lebt er quasi in den Tag hinein. Ganz auf sich allein gestellt. Die Trauer über den Tod von Miriam sitzt tief. Diese schlägt alsbald in Wut um und irgendwann gerät Milano tief in den Strudel der Kriminalität. Bis hierhin liest sich alles flüssig und nachvollziehbar.

Ab Mitte des Buches enttäuscht es mich immer mehr. Die Geschichte wirkt nicht mehr authentisch und oft wirr und die Charaktere sagen mir nicht mehr zu. Vieles wird nur kurz angeschnitten, später jedoch nochmals thematisiert, ohne dass ich den Sinn dahinter nachvollziehen kann. Obwohl die Idee und der Schreibstil sehr ansprechend auf mich wirkten, hat mich das Buch ab der Hälfte nicht mehr fangen können. Das Ende ist noch einmal sehr versöhnlich. Es ist nicht absehbar, was geschieht und es bietet viel Emotionen. Leider kam dieser positive Abschluss aber zu spät.


Mein Dank für das Rezensionsexemplar geht an den Piper-Verlag.
Ein aufrüttelndes, emotionales Buch mit schwachem Hauptteil. Kennt ihr „Alles wird unsichtbar“?

Informationen zum Buch

Alles wird unsichtbar • Gerry Hadden • Piper • Originaltitel: Home, In Pieces • Übersetzer: Stefanie Jacobs, Simone Jakob • 2017 • 352 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-492-05880-3 • Preis: €20.00 • Buch kaufen

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Die Farbe von Milch

Das Jahr achtzehnhundertunddreißig. Es geht um die Unterdrückung der Rechte von Frauen. Um Klassenunterschiede zwischen Armen und Reichen. Die Farbe von Milch hat mich so nachhaltig berührt, dass ich auch Tage nach dem Lesen noch immer in der Geschichte gefangen bin.

Klappentext

Mary ist harte Arbeit gewöhnt. Sie kennt es nicht anders, denn ihr Leben auf dem Bauernhof der Eltern verläuft karg und entbehrungsreich. Doch dann ändert sich alles. Als sie fünfzehn wird, zieht Mary in den Haushalt des örtlichen Dorfpfarrers, um dessen Ehefrau zu pflegen und ihr Gesellschaft zu leisten – einer zarten, mitfühlenden Kranken. Bei ihr erfährt sie erstmals Wohlwollen und Anteilnahme. Mary eröffnet sich eine neue Welt. In ihrer einfachen, unverblümten Sprache erzählt sie, wie ihr Schicksal eine dramatische Wendung nimmt, als die Pfarrersfrau stirbt und sie plötzlich mit dem Hausherrn alleine zurückbleibt.

Mary ist der Hauptcharakter des Romans von der Autorin Nell Leyshon, welcher im 19. Jahrhundert spielt. Sie ist fünfzehn Jahre alt und schreibt das Buch eigenhändig. Ihre Haare haben die Farbe von Milch. Mary lebt mit ihren Eltern, ihrem Großvater und ihren drei Schwestern Hope, Violet und Beatrice auf einem Bauernhof und ist es gewöhnt, früh aufzustehen und den Tag über, bis spät in die Nacht hart zu arbeiten. Sie muss Kühe melken, Essen zubereiten und auf dem Feld arbeiten.

Es gibt nicht viel worüber ich mir den Kopf zerbreche. Wenn ich was nicht ändern kann, dann zerbrech´ ich mir auch nicht den Kopf. Wenn ich was tun kann, dann bringe ich die Dinge in Ordnung und dann hab ich keinen Grund mehr mir den Kopf zu zerbrechen.

Ihr Vater ist streng und lässt sie immer wieder spüren, dass sie und ihre Schwestern ihm nicht gut genug sind. Viel lieber hätte er anstatt seiner vier Töchter einen Sohn gehabt, der mit anpacken kann. Mary´s Mutter schaut nur zu, wenn der Vater die Mädchen schlägt und erniedrigt. Mary ist die einzige in der Familie, die sich um den schwachen Großvater kümmert. Mit ihm kann sie lachen.  Trotz der schwierigen Verhältnisse ist Mary ein aufgewecktes, fröhliches und kluges Kind.

Eines Tages muss sie aufgrund eines Abkommens zwischen ihrem Vater und dem Pfarrer in deren Pfarrhaus ziehen um dort zu arbeiten. Sie soll die kranke Frau des Pfarrers pflegen und im Haus mithelfen. Für ihre verrichteten Arbeiten soll ihre Familie finanziell entlohnt werden. Nachdem die Frau des Pfarrers stirbt, mit welcher sich Mary sehr gut versteht und durch welche sie zum ersten Mal in ihrem Leben Wohlwollen erfährt und zudem auch noch die Haushälterin Edna entlassen wird, ist sie plötzlich mit dem Pfarrer allein.

Und nun werde ich den allerletzten Satz zu Ende schreiben und mit dem Löschblatt die Feuchtigkeit aufsaugen, wo sich die Tinte am Ende der Buchstaben in kleinen Pfützen gesammelt hat.

Normalerweise sind historische Romane nicht mein Metier. Zumindest glaubte ich das bisher. Aber Die Farbe von Milch hat mich gelehrt, dass ich sehr wohl etwas mit diesem Genre anzufangen weiß. Nell Leyshon schreibt eindringlich, wahnsinnig emotional und aufwühlend. Ihre Sprache ist poetisch und klug. Ich mochte das Buch schon am ersten Tag nicht mehr aus der Hand legen und hatte es deshalb schon nach anderthalb Tagen durch.

Leyshon schildert die Geschichte von Mary sehr heftig und detailreich. Ich konnte mir den Bauernhof, das Pfarrhaus und die Natur vor meinem inneren Auge bildlich vorstellen. Die Charaktere werden klar und verständlich für den Leser gezeichnet. Mary gehört schon jetzt zu meinen liebsten Charakteren in Büchern. Und ich habe schon einige gelesen. Das Ende hat mich betrübt und gleichzeitig hat es mir die unglaubliche Stärke von Mary noch einmal nahe gebracht. Dass ich nach dem Zuklappen des Buches schluchzend zurückbleibe ist selten.


Mein großer Dank für das Rezensionsexemplar geht an den Eisele-Verlag, Ullstein und Politycki und Partner. 
Solltet ihr „Die Farbe von Milch“, noch nicht gelesen haben, tut es!

Informationen zum Buch

Die Farbe von Milch • Nell Leyshon • Eisele • Originaltitel: The color of milk • Übersetzerin: Wibke Kuhn • 2017 • 208 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-96161-000-6 • Preis: €18.00 • Buch kaufen

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