Browsing Category

Mareike Krügel

Mareike Krügel

Sieh mich an

Beim Lesen dieses Buches habe ich die ganze Zeit auf diesen einen fesselnden Moment gehofft, den wir doch alle kennen. Zum Beispiel wie stark die Mutter ist, wie sie alleine mit ihren Kindern zurechtkommt. Doch stattdessen entdeckt sie das Etwas und sieht darin ihr Todesurteil.

Darum gehts

Ein Tag im Leben einer 40-jährigen Frau. Katharina ist Mutter, Ehefrau, fanatische Listenschreiberin und Besitzerin eines Etwas. Dieses Buch handelt von einem einzigen Tag in ihrem Leben. Natürlich ist es ein aufregender Tag, mit viel Chaos und unerwarteten Situationen. Sie muss sich immerhin mit einem abgetrennten Daumen und brennenden Trocknern herumschlagen.

Spoilerfreie Rezension

Noch hinzu kommen viele Anekdoten aus dem Leben der Mutter. Sie erinnert sich immer wieder an ihre Jugend, an das Kennenlernen mit ihrem Mann und an die Zeiten als junge Mutter. Schließlich schaut Katharina ja auch dem Tod ins Auge.

Man könnte meinen, es ist ein Buch über das Leben und den Tod. Eine Geschichte einer toughen, beeindruckenden Frau, die dem Leser ein Vorbild für solche Situationen sein kann. Ich gebe zu, deswegen habe ich mich für dieses Buch entschieden, denn ich habe auf eine beeindruckende, spannende und fesselnde Geschichte gehofft. So fing sie auch an und ich möchte nicht behaupten, dass sie es nicht auch zwischendurch war.

Die Charaktere in diesem Buch sind sehr verschieden und toll durchdacht. Die beiden Kinder zum Beispiel. Der große Bruder hat gerade seine erste Freundin, widmet sich, wie schon seine Mutter, der Musik und weiß genau was er will. Die kleine Schwester ist etwas schwieriger. Schon am Anfang der Geschichte wird man mit ihr konfrontiert und auch mir kamen als erstes die Gedanken an ADHS in den Kopf. Sie ist aufmüpfig, hibbelig und ihre Mutter ist mit ihr völlig überfordert. Noch dazu kommen die Nachbarn, die zwar verrückt aber liebenswert sind.

Von ihrem Ehemann Costas lernt man nur ihre Sicht kennen. Natürlich fällt diese nicht sehr gut aus. Schließlich führen sie eine Wochenendbeziehung und halten diese auch nur durch regelmäßige Streitereien am Leben.

Natürlich betont sie mehrfach, wie schrecklich ihre Mutter und Großmutter schon in jungen Jahren starben. Deshalb traut sie sich nicht zum Arzt. Ihr Mann weiß auch nichts von dieser Vergangenheit und sie weiß ja schon was auf sie zukommen wird. Chemo, Bestrahlung, Glatze – das dieses Etwas auch einfach nur ein harmloser Knoten sein könnte, kommt ihr nicht einmal in den Sinn.

Unter anderen ist dies auch der Grund, warum ich so lange an diesem Buch gesessen habe. Trotz der geringen Seitenzahl habe ich ewig gebraucht, es zu lesen. Ich habe kein Interesse gehabt, zu wissen, wie es weitergeht. Immer wenn es spannend wurde, wurde eine elend lange Nebengeschichte eingeworfen, die meistens nichts mehr mit der eigentlichen Handlung zu tun hatte. Oder aber die Protagonistin hat sich ihren Tod vorgestellt. Für mich unbegreiflich, wie man mit zwei Kindern so egoistisch sein kann, denn auch das Thema Selbstmord ging ihr des Öfteren durch den Kopf.

Was ich aber dennoch einwerfen möchte ist, dass dieses Buch in Schleswig-Holstein spielt. Die Protagonistin lebte damals in Lübeck und heute in Kiel. Auch Flensburg (die Stadt in der ich lebe), Leck und ein bisschen Dänemark kommen vor, was mich zwischendurch wieder ein bisschen aufwecken konnte.

Zitate aus dem Buch

„Ich werde nach und nach weniger werden, mich immer mehr von der Person entfernen, die ich jetzt bin. Und irgendwann werden auch die anderen einsehen und begreifen, was mir jetzt schon klar ist, weil es verborgen in meinem Inneren längst schon begonnen hat: dass es ans Sterben geht.“

„So wie Helli zwischen Wut und Eifer, höchster Freude und tiefster Verzweiflung, guten Absichten und finsteren Racheplänen hin- und herpendelte, so sauste ich wie eine Flipperkugel zwischen meinen Gefühlen ihr gegenüber herum.“

„Ich sehe mich selbst auf der Bettkante sitzen, und ich sehe die Entschlossenheit in meinem Körper, die Leere in meinem Blick, und ich weiß, dass es dort tatsächlich hätte zu Ende sein können, dass ein düsterer, tragischer Teil meiner selbst, ganz ironiefrei zu allem bereit gewesen ist.“

Fazit

Zusammengefasst ist es ein Buch, welches ich leider nicht weiterempfehlen würde. Natürlich hat es witzige, spannende und erfrischende Stellen (wer ist schließlich nicht von einem abgetrennten Daumen gefesselt?), doch haben mich ihre Sturheit und die ewigen Anekdoten einfach zu sehr genervt.

Rund ums Buch

Sieh mich an • Mareike Krügel • Piper • 2017 • 256 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • ISBN: 978-3-492-05855-1 • Preis: €20.00 • Buch kaufen


Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Piper Verlag und Vorablesen zur Verfügung gestellt.
Interessiert euch diese Thematik?

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken