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Anna Pfeffer

Anna Pfeffer

New York zu verschenken

Heute ist genau das optimale Wetter um ein Buch zu lesen. Draußen regnet es in Strömen, es ist kühl geworden und so richtig hell mag es auch nicht werden. Die meisten Menschen mögen das gar nicht. Ich hingegen mag dieses trübe, kalte Wetter in den Herbst- und Wintermonaten sehr. Nicht nur zum Fotografieren ist das Licht im Herbst perfekt. Und die Fotografie hängt eng mit dem Rezensieren von Büchern zusammen. Eng eingemurmelt in eine kuschelige Decke, habe ich es mir auf dem Sofa gemütlich gemacht um euch mein zuletzt gelesenes Buch New York zu verschenken vorzustellen.

Darum gehts

Anton ist siebzehn Jahre alt und hat alles, was sich junge Menschen wünschen. Seine Eltern bieten ihm einen luxuriösen Lebensstil und somit ist er ein verwöhntes Einzelkind. Anton ist seit kurzem Single. Nach wenigen Monaten hat sich seine Freundin Olivia scheinbar grundlos von ihm getrennt. Anton wollte sie mit einer Reise nach New York überraschen und hat dieses auf ihren Namen gebucht. Deshalb startet er via Instagram einen Aufruf: er sucht eine neue Olivia Lindmann, die mit ihm nach New York reist. Es meldet sich die sechzehnjährige Liv.

Spoilerfreie Rezension

Hinter dem Synonym Anna Pfeffer verstecken sich zwei junge Frauen. Nämlich Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmit. Ihr Debütroman Für Dich soll´s tausend Tode regnen wird sicher vielen von euch etwas sagen. Das neue Buch der Beiden, New York zu verschenken, erschien im August diesen Jahres und ist somit noch ganz frisch. Da die Protagonisten in diesem Buch sechzehn und siebzehn Jahre alt sind, lässt es sich zweifellos dem Young-Adult-Genre zuschreiben. Nicht immer bin ich ein Freund dieses Genre. Manches ist mir zu kitschig, unnatürlich und weltfremd. Wenn eine Geschichte aber durchdacht, klug geschrieben und die Charaktere gut ausgearbeitet sind, bin ich alles andere als abgeneigt.

Über andere Buch-Blogs und das Blogger-Portal der Verlagsgruppe Randomhouse bin ich auf New York zu verschenken aufmerksam geworden. Besonders interessiert hat mich, wie es gelingen soll, einen simplen Chatverlauf so in einen Roman zu verpacken, dass dieser nicht langweilig wird. Das gesamte Buch zeigt nämlich lediglich das Gespräch von Anton und Liv in Form eines Chat-Protokolls. Hier wirkliche Spannung hineinzubringen, stellte ich mir sehr schwierig vor.

Beim Lesen der ersten Seiten, stellte ich zunächst fest, dass sich gerade dieser Chat-Monolog leicht und flüssig lesen lässt. Was auch daran liegen mag, dass die jeweiligen Texte der beiden nicht übermäßig lang sind. Ein typisches Merkmal eines Chats eben. Gleichzeitig konnte mich die Story nie so richtig packen. Das ganze Buch widmet sich den Unterhaltungen von Anton und Liv. Andere Charaktere kommen nicht vor. Dieser Umstand allein führt sicher nicht dazu, dass das Buch nicht voll überzeugen konnte. Allerdings ist die Umsetzung hier nicht all zu gut gelungen.

Erschreckend fand ich die oberflächlichen Kommentare von Anton. Natürlich war mir bewusst, dass es sich um einen siebzehnjährigen Jungen handelt, jedoch wirkten seine Aussagen oft nicht nur sehr unreif und dümmlich, sondern führten auch dazu, dass ich den Charakter von Beginn an nicht mochte. Ich versuche an dieser Stelle nicht zu spoilern und belasse es dabei. Liv hingegen war mir direkt sympathisch, aufgrund ihrer klugen, schlagfertigen und menschlichen Art.

Die Idee, dass ein Schüler, deren Freundin ihn verlassen hat und welcher er zuvor eine Reise nach New York schenken wollte, das Ticket nun bei Instagram anbietet und ein Mädchen mit gleichem Namen finden muss, dass er auch noch so sympathisch findet um es mitzunehmen, scheint etwas weit hergeholt. Für einen Jugendroman aber finde ich den Gedanken ganz witzig und passend.

Zitate aus dem Buch

„Es gibt Orte, über die man schon so viel gelesen, die man so oft in Dokus, in Filmen und im Internet gesehen hat, dass man glaubt, sie zu kennen. Aber natürlich kennt man sie nicht. Man weiß nicht, wie es dort riecht, wie die Pizzen dort schmecken, hat keine Ahnung, ob einem der Wind dort kälter ins Gesicht bläst. Genauso geht es mir mit New York. Die Stadt wird in unzähligen Büchern beschrieben, dient zahlreichen Filmen und Serien als Kulisse und doch weiß ich nichts über sie. Deshalb drängt es mich, sie selbst hautnah zu erleben. Ich möchte sie einatmen, möchte, dass mich das Licht in der Nacht am Times Square blendet, ich möchte die Mauern des Guggenheim-Museums berühren, möchte Van Gogh´s „Sternennacht“ im Museum of Modern Art ehrfürchtig betrachten, möchte mit nackten Füßen das Gras des Central Park spüren, möchte einen Hotdog auf der Wall Street essen, möchte, dass mir der Wind die Haare ins Gesicht bläst, während ich mir von der Fähre aus die Freiheitsstatue ansehe.“

„Ich falle jetzt in mein Bett, der Jetlag sitzt mir noch in den Knochen. Mal sehen, was ich morgen mache, ich versuche ganz spontan zu sein, einfach so, damit wenigstens auf diese Weise ein Teil von dir dabei ist.“

Fazit

Während der Verlauf der Geschichte schon ziemlich am Anfang sehr vorhersehbar ist, punktet das Ende noch einmal mit viel Menschlichkeit und Emotion. Mein Fazit fällt dementsprechend aus. Die Idee ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, aber okay. Die Umsetzung finde ich eher mangelhaft. Die Charaktere sind nicht bis ins letzte Detail durchdacht und besonders das oberflächliche Geschwätz von Anton ging mir sehr schnell auf die Nerven. Das Cover finde ich für dieses Genre gelungen und der Schreibstil ist für ein Chat-Protokoll angenehm leicht zu lesen. Ein netter Roman, mit teilweise amüsanten und emotionalen Passagen, der mich aber leider nie ganz überzeugen konnte.

Rund ums Buch

New York zu verschenken • Anna Pfeffer • cbj • 2017 • 336 Seiten • Taschenbuch • ISBN: 978-3-570-17397-8 • Preis: €14.99 • Buch kaufen


Mein Dank für das Rezensionsexemplar geht an den cbj-Verlag.
Was sagt ihr zum Buch? Habt ihr vor es zu lesen oder es bereits getan? Ich bin wahnsinnig gespannt, wie ihr es fandet!

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