Donia Bijan

Als die Tage nach Zimt schmeckten

Ist es bei euch auch so unerträglich warm? Ich muss gestehen, dass ich mich wirklich schon sehr auf den Herbst freue, weil ich den Sommer im Süden schon sehr grenzwertig finde, was die Temperaturen anbelangt. Apropos Sommer. Das aktuelle Buch spielt hauptsächlich im iranischen Teheran und erzählt die Geschichte von Noor und ihrer Familie. Als die Tage nach Zimt schmeckten ist nicht nur eine emotionale Familiengeschichte, sondern auch eine Reise ins kulinarische Persien

Darum gehts

Noor lebt mit ihrem spanisch stämmigen Ehemann Nelson und der gemeinsamen Tochter Lily im US-amerikanischen San Francisco. Ursprünglich stammt Noor aus dem Iran und hat dort ihre Kindheit und Jugend verbracht. Besonders das Café Leila, welches ihr Vater sein Leben lang mit Leidenschaft betrieb, ist ihr in sehnlicher Erinnerung. Mit siebzehn Jahren wurden Noor und ihr Bruder von ihrem Vater in die USA geschickt um dort ein sicheres Leben führen zu können. Nach dreißig Jahren kehrt Noor in ihr Heimatland zurück.

Spoilerfreie Rezension

Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie aus dem Iran. Dabei werden vier Generationen beleuchtet. Die Hauptprotagonisten des Buches sind Noor und ihr Vater Zod, deren Perspektiven sich im Laufe der Geschichte abwechseln. Noor arbeitet in San Francisco als Krankenschwester und lebt mit Mann und Kind in einem schicken Haus. Als sie herausfindet, dass ihr Mann sie betrügt, will sie nur noch fliehen. Die Sehnsucht nach ihrem Vater und ihrem Heimatland, bewegen Noor dazu, gemeinsam mit ihrer Tochter in den Iran zu reisen. Dort muss sie feststellen, dass sich vieles geändert hat und ihr geliebter Vater todkrank ist.

Bijan erzählt auf sehr dramatische, beklemmende Weise von der Iranischen Revolution im Jahr 1979 und der Gegenwart im Jahr 2014. Noor emigriert mit siebzehn Jahren nach Amerika um dort ein besseres Leben führen zu können. Ihr Vater erhofft sich für seine Kinder dort eine Zukunft mit Perspektive. Noor ist anfangs dagegen, beugt sich aber dem Willen ihres Vaters. Noor liebt ihren Vater sehr und vergötterte auch ihre verstorbene Mutter, die während der Revolution ums Leben kam. Sie weiß lange nicht, weshalb ihre Mutter sterben musste. Als sie mit ihrer Tochter Lily in den Iran reist, muss sie am eigenen Leib erfahren, welche Einschränkungen die weibliche Bevölkerung hat.

Die Autorin vermittelt dem Leser eine große Sehnsucht und eine Art Hassliebe zum Land ihrer Eltern. Besonders der kulinarische Einfluss wird groß geschrieben und ich konnte die zubereiteten Gerichte im Café Leila fast auf der Zunge schmecken. Dieser Ort war und ist für Noor Rückzugsort und Heimat zugleich. Während der Titel des Buches viel Sinnlichkeit verspricht, wird einem die Heftigkeit und Brutalität der iranischen Revolution und deren Folgen für die Bevölkerung beim Lesen schnell bewusst.

Ich habe sofort in die Geschichte hineinfinden können und mochte die Erzählweise von Donia Bijan zweifelsohne sofort. Der Wechsel zwischen der glorreichen Vergangenheit ihrer Familie zwischen 1920 und 1979, der Emigration in die USA und die noch immer trostlose Gegenwart des Irans führten bei mir zu jeder Menge emotionaler Zerrissenheit. Besonders gut gelingt es Bijan, ihre Figuren lebendig darzustellen und ihnen eine einzigartige Persönlichkeit einzuhauchen. Zudem werden Orte und Geschehnisse äußerst authentisch und detailliert geschildert, sodass ich mich stets an den Ort des Geschehens versetzt fühlte.

Zitate aus dem Buch

„Warum glaubte sie, sie hätte keine Liebe verdient, warum ertrug sie das Leben wie einen Stein im Schuh…“

„Er konnte es nicht fassen, dass die Trauer einem die eigenen Fehler und Schwächen so vor Augen führte.“

„Es hätte ein düsterer Beginn für diese Ehe sein können, doch Liebe bedeutet auch Verheißung, und jene, die blieben, drängten sich unter ihren Schirm und umklammerten einander, damit die überwältigende Flut des Kummers sie nicht verschlang.“

„Was nützte einem das Gedächtnis, wenn es einen nur mit Reue erfüllte?“

„In der Einzelhaft verliert man das Zeitgefühl. Ohne den Tag, der in die Nacht übergeht, ohne Sonne, ohne Mond oder Sterne verschwindet ein Mensch.“

„Amerika war der Junge, der zu viel Eau de Cologne auflegt, und Noor war bis über beide Ohren in ihn verliebt.“

„Karim würde alles verlieren, was ihm wichtig war, ein Ozean würde sich zwischen ihn und seine erste Liebe drängen, und ihm blieb nichts außer einem dunkelblauen Sweatshirt.“

Fazit

Ein unglaublich berührender, ernsthafter und wachrüttelnder Roman über die Liebe zur Familie und zur Heimat, der nicht darauf verzichtet, die Grausamkeiten eines Landes und dem Schicksal der Menschen zu thematisieren, dabei aber immer den starken Lebenswillen der Protagonisten in den Vordergrund rückt und den Genuss nicht zu kurz kommen lässt.

Rund ums Buch

Als die Tage nach Zimt schmeckten • Donia Bijan • Originaltitel: The Last Days Of Café Leila • Ullstein • Originalverlag: Algonquin Books • 2018 • Übersetzerin: Susanne Goga-Klinkenberg • 384Seiten • Taschenbuch • ISBN: 978-3-548-29039-3 • Preis: €11.00 • Buch kaufen


Für das Rezensionsexemplar dank ich dem Team von Vorablesen.
Was haltet ihr von Büchern, die Familiengeschichten und viel Historie behandeln?

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