Monatliches Archiv:

Juli 2018

Ann Kidd Taylor

Shark Club

Es ist so unsagbar heiss, dass es mir gerade sogar schwerfällt zu lesen und das muss schon was heißen. Gerade habe ich das perfekte Sommerbuch – Stark Club von Ann Kidd Taylor gelesen und finde es bei den warmen Temperaturen sehr passend. Viel Strand und ganz viel Gefühl machen den Roman aus. 

Darum gehts

Als Jugendliche an einem Sommertag ändert sich für Maeve vieles. Sie erlebt ihren ersten Kuss und wird von einem Hai gebissen. Als Dreißigjährige arbeitet sie als Meeresbiologin und erforscht das Verhalten von Haien. Sie kehrt an den Strand in Florida zurück, an dem alles geschah. Eine Begegnung ändert für Maeve alles.

Spoilerfreie Rezension

Es handelt sich um einen Liebesroman. Wer mit diesem Genre also nicht anfangen kann, sollte die Finger von dem Buch lassen. Für alle anderen ist Shark Club möglicherweise die perfekte Sommer-Lektüre. Die Liebesgeschichte ist zwar keine, wie man sie nicht schon häufig gelesen hat, dennoch trumpft Kidd Taylor mit großen Gefühlen auf, die unter die Haut gehen und es ist trotz bekannter Muster keine Klischée-Erzählung. Den Schreibstil der Autorin fand ich durch das ganze Buch hindurch sehr angenehm und flüssig zu lesen. Das Cover wirkt verspielt und passt gut zum Handlungsort. Den Titel allerdings finde ich eher langweilig.

Als Keiner verlieren Maeve und ihr Bruder ihre Eltern bei einem Unfall. Anschließend wachsen sie bei ihrer Großmutter in deren Hotel in Florida auf. Mit zwölf Jahren küsst sie das erste Mal Daniel, mit dem sie danach zusammen ist und wird am gleichen Tag von einem Hai gebissen. Die Beziehung zu Daniel endet, während Maeves Liebe – ausgerechnet zu Haien wächst. Sie ist eine Sympathieträgerin. Ihr Beruf als Meeresbiologin und ihre offene, angenehme Art, machen sie zu einer sehr interessanten Persönlichkeit.

Die große Liebe zu Haien fand ich zunächst etwas fraglich, konnte mich aber im Laufe der Geschichte mehr und mehr daran gewöhnen. Nach eine Forschungsreise begegnet sie Daniel wieder. Dem Mann, der sie das erste Mal küsste. Und Maeve ist sofort verwirrt. Fortan kreisen die Gedanken um wohl jedem bekannte Fragen: was ist der Sinn von allem, was ist die Liebe und wodurch zeichnet sie sich aus? Was erfüllt mich?

Fazit

Ein durchaus solides Sommerbuch, welches besonders die jüngeren Leserinnen mit Sinn für Romantik ansprechen dürfte.

Rund ums Buch

Shark Club • Ann Kidd Taylor • Originaltitel: The Shark Club • Penguin • Originalverlag: Viking • 2017 • Übersetzerin: Ivana Marinovic • 416 Seiten • Taschenbuch • ISBN: 978-3-463-40693-0 • Preis: €13.00 • Buch kaufen


Mein Dank geht an Randomhouse für das Rezensionsexemplar.
Welches sind eure Sommerbücher 2018?

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Alexa Hennig von Lange

Kampfsterne

Ich darf heute wieder ein Buch aus dem Dumont-Verlag rezensieren. Darüber freue ich mich deshalb so, weil ich, wie einige von euch wahrscheinlich wissen, diesen Verlag oder besser gesagt seine Bücher sehr schätze. Alle Werke, die ich zuletzt von Dumont gelesen haben, konnten mich mehr oder weniger sehr begeistern. Kampfsterne von Alexa von Hennig ist das neueste aus dem Hause in meinem Bücherregal. Das Buch habe ich bei Vorablesen gewonnen.  

Darum gehts

Es ist das Jahr 1985. Drei Ehepaare – Ulla und Rainer, Rita und Georg, sowie Ella und Bernhard führen ein nach außen hin beschauliches, glückliches Familienleben in einer Reihenhaus-Siedlung. Alle haben Kinder. Alle haben ihre ganz eigenen Sorgen und Probleme. Und alle glauben, dass ihre Nachbarn es so viel besser haben, als sie selbst. Drei Familien, die zu zerbrechen drohen.

Rezension (enthält Spoiler)

Da das Buch eher kurz ist (224 Seiten), fiel es mir sehr leicht, in die Geschichte hinein zu kommen. Es geht direkt los. Man befindet sich sofort im Geschehen. Das Besondere ist, dass es keine Kapitel gibt. Erzählt wird aus den unterschiedlichen Perspektiven der Ehepaare und ihrer Kinder. Dabei stellt sich schnell heraus, das niemand so wirklich glücklich ist. Die Kinder werden zu Intelligenztests und zum Cello-Unterricht geschickt, die Mütter machen den Haushalt, backen Marmorkuchen und die Väter gehen arbeiten.

Rita ist die Mutter von Klara und Johannes. Ihr Ehemann ist Georg, den sie, wie sie beschreibt, gar nicht liebt. Eigentlich ödet er sie nur an. Ulla ist ihre Nachbarin und, so scheint es zunächst, Freundin. Sie ist die Frau von Rainer, der seine Frau regelmäßig prügelt. Ihre Töchter Lexchen (Alexa) und Cotsch (Constanze) wissen um den unliebsamen Umgang ihrer Eltern und gehen ganz unterschiedlich damit um. Ulla glaubt, dass der sonntägliche Apfelkuchen die Familie immer wieder zusammen bringt und sie ihren Kindern die heile Welt vorspielen kann. Ella ist die Mutter von Joshi und Ehefrau von Bernhard. Sie glaubt, dass ihr Mann sie betrügt.

Alle Familien jagen Idealen nach. Die Frauen lesen feministische Bücher und versuchen kläglich das Bild einer emanzipierten Frau umzusetzen. Jeder will die perfekte Familie darstellen und keiner ist glücklich mit seinem Leben. Die sorgenfreien Jahre sind ein Trugbild. Es ist die Generation von Eltern, die ihre Kinder frei erziehen wollen, dabei aber oft an ihre Grenzen geraten. Hennig schreibt sehr authentisch und klar. Ihre Charaktere sind Menschen aus dem Leben. Das Ende hat mich leider etwas enttäuscht, weil die Geschichte keinen wirklichen Abschluss hat. Das mag so gewollt sein, gefiel mir aber nicht ganz so gut. Mir fehlte außerdem ein Nachwort der Autorin. Insgesamt aber ein gelungenes Buch.

Zitate aus dem Buch

„Weil natürlich jeder im Grunde seines Herzens schwach ist, und vermutlich nehme ich deshalb allen ihre Schwachheit so übel, weil sie mich an meine eigene erinnert.“

„Nichts hat sie mehr herbeigesehnt, als das Ende der Kindheit ihrer Kinder. Weil sie die Kindheit hasst. Sie hasst diese Bedürftigkeit. Die angebliche Unzulänglichkeit. Die Verträumtheit. Die Fröhlichkeit. Die Fantasie. Das Leuchten. Das Strahlen. Diese geheime Welt, zu der sie niemals Zugriff bekommen wird. Weil manipulative Menschen niemals von der Lieblichkeit, der Unschuld, der Grenzenlosigkeit wissen können.“

„Doch heute, muss ich sagen, ist mein Vater für mich zum kind warrior geworden. Wie er sich seinen Raum sucht, um in Frieden zu sein. Kein Urteil. Stellt sich einfach neben den Komposthaufen, um sein Käsebrot zu genießen. Das ist wahre Unabhängigkeit.

„Unsere Eltern sind vollkommen blind dafür, dass ihr schlimmster Fehler eigentlich darin besteht, dass sie aus der Liebe gefallen sind.“

„Ich werde nicht vergehen, nur weil dieses Kind – dieses Wunderwerk der Natur – mir mein Leben klaut. Wenn, dann wird dieses Kind vergehen – und zwar endgültig.“

Fazit

Ein kurzer, aber sehr intensiver und temporeicher Roman mit rauem Unterton, der es schafft, das Leben seiner Charaktere sehr detailgetreu wiederzugeben und einen Einblick in die Ideologien der Menschen in den Achtzigern gibt und zeigt, warum Urlaube in Südfrankreich, dänische Innenausstattungen und musikalische Kinder keine Garantie für ein sorgenfreies Leben sind. Das Ende fand ich leider schwach.

Rund ums Buch

Kampfsterne • Alexa Hennig von Lange • Dumont • 2018 • 224 Seiten • Hardcover mit Lesebändchen • ISBN: 978-3-8321-9774-2 • Preis: €20.00 • Buch kaufen


Ich danke dem Team von Vorablesen für den Gewinn. 
Wäre „Kampfsterne“ etwas für euch?

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Laura Barnett

Ein Leben aus leuchtenden Tagen

Ein Roman, der sich vor allem der Musik zu widmen scheint. Dies war mein erster Gedanke, als ich den Klappentext von Ein Leben aus leuchtenden Tagen las. Neugierig gemacht hat mich die Geschichte dennoch sofort. Und am Ende des Buches kann ich sagen, dass ich sehr froh bin Laura Barnetts neuestes Werk gelesen zu haben. Und Musik spielt ganz und gar nicht die allererste Geige.

Darum gehts

Cassandra Wheeler ist weltbekannte Sängerin und mittlerweile fünfundsechzig Jahre alt und blickt auf ihr Leben zurück. Den passenden Soundtrack dazu liefert ihr Best-Of-Album, welches sie nach vielen Schicksalsschlägen aufnimmt. Ihre Songs sind voller Einsamkeit, Sehnsucht und Liebe.

Spoilerfreie Rezension

Die ersten Seiten haben es mir noch etwas schwer gemacht, zu wissen, worauf ich mich einlasse. Das hat sich aber recht schnell gelegt und ich konnte der Handlungsverlauf gut folgen. Die Erzählweise mochte ich unglaublich gerne, weil sich Vergangenheit und Gegenwart immer wieder vermischen. Das mag hier und da kurzzeitig verwirrend sein, bewirkte in mir aber eher totale Aufmerksamkeit. Die Charaktere sind lebendig beschrieben und haben fast alle sehr liebenswerte Seiten an sich. Mit Cassandra Wheeler konnte ich mich sofort identifizieren.

Obwohl ich selbst vollkommen unmusikalisch bin, war es mir eine Freude, an der Musik von Cass teilzuhaben, wenn auch nur in verschriftlichter Form. Die Texte sind gefühlvoll, ergreifend, lebendig und erzählen von ihren intimsten Gedanken; ihren Zweifeln, der großen Liebe, ihrer Wut, ihrer Suche nach sich selbst und ihrer Trauer um nahestehende Menschen. Barnett schreibt äußerst emotional und detailreich, sodass es mir großen Spass machte, mehr über das pralle Leben von Cass zu erfahren. Von dem distanzierten Verhältnis zu ihrer Mutter, die sie und ihren Vater im Stich ließ. Von ihrer geliebten Tante Lily, ihrer großen Liebe zum Musiker Ivor, ihrer besten Freundin aus Kindertagen, Irene. Von der innigsten Liebe zu ihrem einzigen Kind und tiefen Freundschaften.

Fast scheint es, als höre man ihre Musik mit den Augen. Ich bewunderte während des Lesens die innere Stärke der Sängerin, die sie zweifelsohne besitzt. Ich litt mit ihr, ich lachte mit ihr und ich fieberte bei ihren Auftritten mit. Musik hat für mich nach dem Beenden von Ein Leben aus leuchtenden Tagen noch einmal einen tieferen Sinn geweckt. Musik kann vieles sein. Manchmal der letzte, rettende Anker. Ein wunderbares Buch und eine inspirierende Protagonistin. Jedem, der starke weibliche Hauptrollen mag, ist dieses Buch wärmstens ans Herz zu legen.

Zitate aus dem Buch

„Doch dann, als das Frühjahr in den Sommer überging, marschierte eines Abends Ivor Tait in den Garten von Atterley, und Cass begriff, dass sie noch gar nichts über die Liebe wusste.“

„Das war vielleicht das Schlimmste gewesen: dieses neue Wissen, dass es unter all dem aufregenden Treiben und Drängen im Kern der Dinge keinen Sinn gab. Einfach nur Chaos, Durcheinander und ein undurchdringliches Schweigen.“

„…für die sie mit Sorgfalt und Mühe weiße Kaninchen in einen grünen Pullover gestrickt hatte: In jede rechte und linke Masche hatte sie mehr Liebe und Zärtlichkeit hineingeschlungen, als sie der Tochter, die sie zurück gelassen hatte, jemals gezeigt hatte.“

„Vollkommenheit war unmöglich und das Streben danach banal. In der Kunst, im Leben, und in der Liebe waren es die Macken, die Fehler, die Disharmonien, die die meiste Kraft hatten und uns am Meisten berührten.“

„Die Stille war wie ein Ozean über sie geschwappt. Cass schwamm in seiner Tiefe, dort unten in der Dunkelheit, wo das Licht nicht hinkam.“

Fazit

Eine Art Musik-Biografie. Ein Roman, welcher sich voll und ganz den Songs der Protagonistin widmet. Das mag man meinen. Aber weit gefehlt. Ein Leben aus leuchtenden Tagen ist soviel mehr. Es ist vielschichtig, ehrlich, klar und ergreifend. Es ist nicht einfach nur ihre Musik. Es ist die Geschichte ihres Lebens.

Rund ums Buch

Ein Leben aus leuchtenden Tagen • Laura Barnett • Originaltitel: Greatest Hits • Kindler • Originalverlag: W & N • 2018 • Übersetzerin: Barbara Ostrop • 560 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • ISBN: 978-3-463-40693-0 • Preis: €19.95 • Buch kaufen


Dem Rowohlt/Kindler-Verlag danke an dieser Stelle  für das Rezensionsexemplar.
Kennt ihr Bücher von Laura Barnett und vielleicht auch dieses?

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