J.L. Carr

Ein Tag im Sommer

Ich habe meine Liebe für den Dumont-Verlag spätestens entdeckt, als ich Als wir unbesiegbar waren von Alice Adams gelesen habe. Deshalb wurde es wieder Zeit für einen Roman aus diesem Verlag. Mit Ein Tag im Sommer von J.L. Carr war es dann soweit. Die Geschichte dreht sich um einen Vater, der Rache für den Tod seines Sohnes üben will.

Darum gehts

Im englischen Great Minden findet jedes Jahr zur gleichen Zeit im Sommer ein großer Jahrmarkt statt. Peplow, Kriegsveteran und Vater eines toten Sohnes, kehrt an den Ort zurück, mit dem seine Vergangenheit unweigerlich verbunden ist. Dort will er Rache für den viel zu frühen Tod seines Sohnes nehmen. In Great Minden begegnen ihm alte Bekannte und neue Gesichter. Alle Begegnungen hinterlassen Spuren. Eine von ihnen ganz besonders.

Spoilerfreie Rezension

Die Vorderansicht des Buches zeigt ein Riesenrad. Dies ist sinnbildlich für die gesamte Geschichte. Denn in Great Minden ist wieder Jahrmarkt. Der große Tag für die kleine Stadt ist Dreh- und Angelpunkt der Erzählung von J.L. Carr. Eine erste Identifikation mit dem Inhalt ist durch das passende Motiv auf dem Cover also direkt gelungen. Ich habe die Hardcover-Edition erhalten, die sehr schön anzusehen ist und ein Lesebändchen enthält, welches mir immer sehr lieb ist. Das Zitat auf der Rückseite des Buches, über dem Klappentext ist ein optischer Hingucker und so gefällt mir auch der Buchrücken optisch gut.

J.L. Carr sagt mir zwar etwas, jedoch habe ich nie eines seiner Bücher gelesen. Ein Tag im Sommer ist somit das erste vom Autor und für mich ein guter Einstieg gewesen. Ich habe wieder feststellen dürfen, dass mich Geschichten interessieren, die sich mit dem Menschen als solchen beschäftigen. Mit seinen Gedanken, Ängsten und Beweggründen. Wenn dann verschiedenste Charaktere beleuchtet werden, ist das umso aufregender. Und das ist Carr mit diesem Roman durchaus gelungen. Es fällt schwer, einen Hauptprotagonisten festzumachen, da nicht nur Peplow sehr detailliert beschrieben wird. Ein Tag im Sommer spielt nach dem Zweiten Weltkrieg und zeichnet leidende Menschen auf der Suche nach Erlösung.

Der Autor switcht zwischen den Charakteren hin und her, was mich anfangs noch leicht verwirrte. Durch die kluge Erzählweise und die detaillierten Beschreibungen der einzelnen Personen, war ich aber schnell klar darüber, um wen es ging und wen welches Schicksal ereilte. Unglückliche Ehen, Kriegsverletzungen, Betrug und Tod werden im Buch thematisiert. Die einzelnen und sehr persönlichen Geschichten werden zu einem Ganzen zusammengefügt und bilden diesen Roman.

Bis auf die zwischenzeitliche Verwirrung, fand ich es sehr interessant, die Bewohner von Great Minden kennen zu lernen. Manche waren mir sofort sympathisch, andere habe ich bis zum Schluss nie verstanden und wieder andere konnte ich gar nicht leiden. So sollte es sein, denn das hält die Spannung aufrecht und lässt mitfiebern. Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass die Kapitel nicht klar gekennzeichnet waren und ich anfangs immer etwas unsicher war, ob der aktuelle Handlungsstrang beendet ist. Besonders das Ende hat mich sehr zufrieden gestimmt, auch und gerade, weil es neben Freude auch Tragik bereit hielt.

Zitate aus dem Buch

„Ach Männer“, fügte sie erbittert hinzu. „Die werden nie erwachsen. Sie streunen herum wie Hunde und schnüffeln an jedem Rock, ja, genau wie sabbernde Hunde.“

„Ich bin sicher, es gibt noch eine andere, und wer das ist, müsste doch herauszufinden sein in diesem Kaff, wo man alles über jeden erfährt, nur nichts über sich selbst.“

„Die Ehe, das ist ein Gefängnis. Einige sind darin eingesperrt, andere sind ausgeschlossen.“

„Jeder von uns ist allein, dachte er, niemand kennt uns wirklich, und wenn wir sterben, geht auch ein Teil einiger anderer mit uns.“

Fazit

Der Mensch und sein persönliches Schicksal stehen im Vordergrund und formen die Geschichte zu einem großen Ganzen. Ein gelungenes Buch.

Rund ums Buch

Ein Tag im Sommer • J.L. Carr • Dumont • 2018 • Originaltitel: A Day in Summer • Übersetzerin: Monika Köpfer • Originalverlag: Barrie & Rockliff • 304 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-8321-9889-3 • Preis: €22.00 • Buch kaufen


Vielen Dank dem Dumont-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Kennt ihr Bücher von J.L. Carr und wie gefällt euch sein Schreibstil?

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2 Kommentare

  • Reply
    Lisa Marie
    15. Juni 2018 at 19:57

    Liebe Neri,

    der Autor sagt mir bisher nichts, aber das Buch hat irgendwie mein Interesse geweckt. Wieder ein neuer Punkt auf meiner schon viel zu langen Leseliste! 🙂 Ich glaub ich muss da langsam aml aussortieren …

    Liebe Grüße und ein shcönes Wochenende!

    Lisa Marie

    • Reply
      Neri
      19. Juni 2018 at 14:49

      Das freut mich natürlich. Meine Leseliste ist auch viel zu lang…

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