Michela Marzano

Alles, was ich über die Liebe weiß

Ein Buch, welches sich voll und ganz der Liebe widmet. Die einen sind entzückt, die anderen finden es furchtbar kitschig. So weit die Meinungen darüber auseinander gehen, so unentschieden war auch ich vorher. Ich habe Alles, was ich über die Liebe weiß durch Zufall entdeckt und war aufgrund des Covers und dem Titels direkt neugierig. Besonders gefiel mir der Nachsatz Philosophie eines Gefühls. Welche Emotion, außer der Liebe bringt Freud und Leid so nah zusammen? 

Darum gehts

Die italienische Autorin Michela Marzano, welche mittlerweile in Frankreich lebt, schreibt über das stärkte Gefühl, dass wir Menschen empfinden können: die Liebe. Dabei lässt sie vor allem eigene Gedanken und Erfahrungen mit eben dieser einfließen und bezieht sich immer wieder auf große Wissenschaftler und Philosophen, welche sich in ihren Arbeiten auch der Faszination Liebe widmeten. Marzano lebt in einer glücklichen Beziehung zu ihrem Mann Jacques. Aber bis dahin war es ein weiter Weg.

Spoilerfreie Rezension

Das Buch ist angenehm leicht und liegt so schön in der Hand. Der Schutzumschlag mit dem floralen Cover ist sehr schön gestaltet und wirkt auf mich überhaupt nicht kitschig, sondern passend zum Thema einfach romanisch verspielt. Die Seiten sind etwas dicker, was ich persönlich sehr gerne mag. Die Autorin beginnt mit zwei Zitaten und berichtet nachfolgend über ihre eigenen Erfahrungen mit der Liebe. Über ihre Selbstzweifel, die eigene Erwartungshaltung, die sie immer wieder auf Jacques projizierte und die das Zusammenleben beider gehörig durcheinanderbrachte.

Mir gefallen die Intermezzos zwischen den Kapiteln, die alle einen eigenen Namen tragen. In den Intermezzos bezieht sich Marzano direkt auf berühmte Zitate und die Arbeiten großer Persönlichkeiten, die eines gemeinsam haben: sie alle haben ihre Wissenschaft oder aber einen Teil davon diesem einmaligen Gefühl gewidmet. Besonders gut gefallen mir die Ansichten von Zygmunt Bauman, einem britisch-polnischen Philosophen. Seine Argumentationen und Auffassungen über Beziehungen in der heutigen Zeit treffen es auf den Punkt. Viel zu oft werfen wir etwas weg ohne ihm Zeit zu geben und die wahre Schönheit eines Menschen zu erkennen.

Ich mochte die Länge des Buches. Bis zum Schluss habe ich es sehr gerne gelesen und war an einem Sonntag-Nachmittag durch. Nicht anders zu erwarten, habe ich so viel markiert, wie noch nie. Die Zitate sind einfach zu schön und treffend. Ich mochte die Schreibweise Marzanos durchgehend sehr und schätzte ihre selbstkritische und aufrichtige Art. Was tun wir nicht alles, um einen Menschen, für den wir fühlen, für uns zu gewinnen und wie sehr verlieren wir uns selbst manchmal dabei?

Zitat aus dem Buch

„Von der Liebe, die uns überfällt, wenn wir keine Erwartungen mehr haben. Dann macht sie sich plötzlich in deinem Herzen breit, wie eine Bombe mit Zeitzünder.“

„Noch in der größten Liebe gibt es viele Schattenbereiche, die niemals erhellt werden können.“

„Sie ist nicht austauschbar wie die Dinge und die Objekte; sie ist einzigartig und besonders, trotz ihrer vielen Fehler, sie ist manchmal unerträglich und immer unzulänglich.“

„Weil Zweifel und Unvollkommenheit zur Liebe dazugehören. Ja, die Liebe nimmt überhaupt erst ihren Anfang mit Zweifeln und Unvollkommenheiten.“

„Wir Frauen sind oft lächerlich. Manchmal sogar richtig erbärmlich. Wir schwärzen ganze Seiten, um alles zu sagen, was wir hätten sagen wollen. Seitenlange Schilderungen unserer Leiden, wie wir uns verraten und verlassen fühlen. Seitenlange Klagen, weil er nicht verstanden hat, wie zerbrechlich wir sind, weil er nichts gesehen hat, wie sehr wir uns bemüht haben, weil er sich über uns lustig gemacht hat. Aber jetzt wissen wir ja, dass er immer nur lügt. Und diesmal ist es wirklich die letzte Lüge gewesen.“

„Jacques weiß, dass ich anders bin. Und dass unsere Liebe zu einem großen Teil auf dem beruht, was nur wir allein vom anderen wissen. Und was alle anderen ausschließt.“

„In einer Welt, in der alles Konsum ist, würden selbst die Gefühle auf der Suche nach einer möglichen Befriedigung hohl und leer werden.“

„Heute gefällst du mir, morgen gefällst du mir nicht mehr. Heute sind wir zusammen, morgen verlasse ich dich. Ich benutze dich, und dann werfe ich dich weg. Wie alles andere auch.“

„Das zeitgenössische Individuum zieht es vor, keine Risiken mehr einzugehen. Und sich folglich auch nicht zu verlieben. Sich nicht gehen zu lassen. Nicht zu vertrauen.“

„Die Liebe kennt keine Verschnaufpause. Sie ist fordernd. Und es genügt ein Augenblick, und schon halten wir in unseren Händen nur noch die leere Hülle all dessen, was wir verloren haben.“

„Wenn so viel Liebe da ist, hält alles zusammen.“

Fazit

Kein Kitsch. Einfach ein wunderschön geschriebenes Buch über die Liebe und was sie mit einem macht. Über ein gewaltiges Gefühl, welches so viel Freude, aber auch Risiken birgt, wie wohl kaum eine andere Emotion. Ich denke, das jeder von Alles was ich über die Liebe weiß profitieren kann. Und wer das nicht tut, der wurde um viele spannende, neue Sichtweisen, traumhaft schöne und sehr ehrliche Zitate bereichert.

Rund ums Buch

Alles, was ich über die Liebe weiß : Philosophie eines Gefühls • Originaltitel: Tout ce que je sais de l’amour • Michela Marzano • Übersetzerin: Michaela Meßner • C. Bertelsmann • 2018 • 224 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • ISBN: 978-35701-0260-2 • Preis: €14.00 • Buch kaufen


Mein Dank geht an den Bertelsmann-Verlag und Randomhouse für das Rezensionsexemplar.
Könnt ihr mit einem philosophischen Buch über die Liebes etwas anfangen?

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