Monatliches Archiv:

April 2018

Laura Kneidl

Berühre mich. Nicht

Ich habe schon des Öfteren geschrieben, dass ich dem New Adult Genre immer schon skeptisch gegenüberstand und mich überwinden muss, bis ich ein Buch aus diesem Genre lese. Doch nachdem Mona Kasten mich mit ihrem Buch Save me angefixt hatte und der Hype um Berühre mich. Nicht so groß war, musste ich es einfach lesen und ich kann die vielen positiven Stimmen endlich verstehen. 

Darum gehts

Sage musste zu Hause in Maine Dinge durchmachen, die ich mir nicht vorzustellen vermag. Um ihrer persönlichen Hölle zu entkommen, beginnt sie ein Studium in Nevada. Dort möchte sie neu anfangen, doch kommt sie nicht von ihren bösen Dämonen los, sondern wird von einer starken Angst begleitet.
Doch als Sage ihren neuen Kollegen bei ihrem Studentenjob kennenlernt, trifft sie auf all ihre Ängste in Person. Doch ist Luca wirklich jemand, vor dem man sich fürchten sollte?

Spoilerfreie Rezension

Die Protagonistin ist ein sehr besonderer Charakter, da sie unter Angststörungen leidet, aber trotzdem eine unglaublich starke Persönlichkeit aufweist. Ich finde, die Thematik „Angststörungen“ immer schwierig in Büchern. Man muss dabei sehr sensibel vorgehen und aufpassen, dass man mit dem Geschriebenen Niemandem zu nahe tritt. Dies hat Laura Kneidl meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt. Ich konnte Sage gut verstehen, hätte in vielen Situationen ganz genauso gehandelt und fand ihre Gedankengänge klar und teilweise sogar sehr lehrreich.

Gleich am Anfang trifft Sage auf ihre größte Angst und auch dieser Charakter ist sehr  gelungen. Ich fürchte, ich habe mich beim Lesen ein wenig in Luca verliebt. Er ist ein wundervoll durchdachter Charakter, was auch für seine Schwester gilt.

Der Schreibstil ist durchgehend flüssig. Die Geschichte wurde nie langweilig oder wurde unnötig in die Länge gezogen. Die Seiten flogen nur so dahin und ich wollte gar nicht das es endet. Zum Glück habe ich auf den Rat Anderer gehört und den zweiten Band bereits gekauft, bevor ich mit dem Lesen begonnen habe. Ich sage nur so viel: Die Entschuldigung der Autorin am Ende des Buches ist gerechtfertigt.

Zitat aus dem Buch

„Ich habe keine Angst. Die Angst ist nicht real. In meinem Kopf wiederholte ich die Worte wieder und wieder in der Hoffnung, mein Verstand würde diese irrationale Empfindung eines Tages auslöschen. Nur war dieser Tag nicht heute.“

Fazit

Laura Kneidl hat mich mit dem Buch zum Lachen gebracht und zum Nachdenken. Und am Ende völlig zerstört. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Band und bin froh, dass ich Sage noch für einige Zeit begleiten darf.

Rund ums Buch

Berühre mich. Nicht • Laura Kneidl • LYX • 2018 • 459 Seiten • Paperback • ISBN: 978-37363-052-74 • Preis: €12.90 • Buch kaufen


Habt auch ihr „Berühre mich. Nicht“ gelesen? Wie gefiel euch das Buch?

Michela Marzano

Alles, was ich über die Liebe weiß

Ein Buch, welches sich voll und ganz der Liebe widmet. Die einen sind entzückt, die anderen finden es furchtbar kitschig. So weit die Meinungen darüber auseinander gehen, so unentschieden war auch ich vorher. Ich habe Alles, was ich über die Liebe weiß durch Zufall entdeckt und war aufgrund des Covers und dem Titels direkt neugierig. Besonders gefiel mir der Nachsatz Philosophie eines Gefühls. Welche Emotion, außer der Liebe bringt Freud und Leid so nah zusammen? 

Darum gehts

Die italienische Autorin Michela Marzano, welche mittlerweile in Frankreich lebt, schreibt über das stärkte Gefühl, dass wir Menschen empfinden können: die Liebe. Dabei lässt sie vor allem eigene Gedanken und Erfahrungen mit eben dieser einfließen und bezieht sich immer wieder auf große Wissenschaftler und Philosophen, welche sich in ihren Arbeiten auch der Faszination Liebe widmeten. Marzano lebt in einer glücklichen Beziehung zu ihrem Mann Jacques. Aber bis dahin war es ein weiter Weg.

Spoilerfreie Rezension

Das Buch ist angenehm leicht und liegt so schön in der Hand. Der Schutzumschlag mit dem floralen Cover ist sehr schön gestaltet und wirkt auf mich überhaupt nicht kitschig, sondern passend zum Thema einfach romanisch verspielt. Die Seiten sind etwas dicker, was ich persönlich sehr gerne mag. Die Autorin beginnt mit zwei Zitaten und berichtet nachfolgend über ihre eigenen Erfahrungen mit der Liebe. Über ihre Selbstzweifel, die eigene Erwartungshaltung, die sie immer wieder auf Jacques projizierte und die das Zusammenleben beider gehörig durcheinanderbrachte.

Mir gefallen die Intermezzos zwischen den Kapiteln, die alle einen eigenen Namen tragen. In den Intermezzos bezieht sich Marzano direkt auf berühmte Zitate und die Arbeiten großer Persönlichkeiten, die eines gemeinsam haben: sie alle haben ihre Wissenschaft oder aber einen Teil davon diesem einmaligen Gefühl gewidmet. Besonders gut gefallen mir die Ansichten von Zygmunt Bauman, einem britisch-polnischen Philosophen. Seine Argumentationen und Auffassungen über Beziehungen in der heutigen Zeit treffen es auf den Punkt. Viel zu oft werfen wir etwas weg ohne ihm Zeit zu geben und die wahre Schönheit eines Menschen zu erkennen.

Ich mochte die Länge des Buches. Bis zum Schluss habe ich es sehr gerne gelesen und war an einem Sonntag-Nachmittag durch. Nicht anders zu erwarten, habe ich so viel markiert, wie noch nie. Die Zitate sind einfach zu schön und treffend. Ich mochte die Schreibweise Marzanos durchgehend sehr und schätzte ihre selbstkritische und aufrichtige Art. Was tun wir nicht alles, um einen Menschen, für den wir fühlen, für uns zu gewinnen und wie sehr verlieren wir uns selbst manchmal dabei?

Zitat aus dem Buch

„Von der Liebe, die uns überfällt, wenn wir keine Erwartungen mehr haben. Dann macht sie sich plötzlich in deinem Herzen breit, wie eine Bombe mit Zeitzünder.“

„Noch in der größten Liebe gibt es viele Schattenbereiche, die niemals erhellt werden können.“

„Sie ist nicht austauschbar wie die Dinge und die Objekte; sie ist einzigartig und besonders, trotz ihrer vielen Fehler, sie ist manchmal unerträglich und immer unzulänglich.“

„Weil Zweifel und Unvollkommenheit zur Liebe dazugehören. Ja, die Liebe nimmt überhaupt erst ihren Anfang mit Zweifeln und Unvollkommenheiten.“

„Wir Frauen sind oft lächerlich. Manchmal sogar richtig erbärmlich. Wir schwärzen ganze Seiten, um alles zu sagen, was wir hätten sagen wollen. Seitenlange Schilderungen unserer Leiden, wie wir uns verraten und verlassen fühlen. Seitenlange Klagen, weil er nicht verstanden hat, wie zerbrechlich wir sind, weil er nichts gesehen hat, wie sehr wir uns bemüht haben, weil er sich über uns lustig gemacht hat. Aber jetzt wissen wir ja, dass er immer nur lügt. Und diesmal ist es wirklich die letzte Lüge gewesen.“

„Jacques weiß, dass ich anders bin. Und dass unsere Liebe zu einem großen Teil auf dem beruht, was nur wir allein vom anderen wissen. Und was alle anderen ausschließt.“

„In einer Welt, in der alles Konsum ist, würden selbst die Gefühle auf der Suche nach einer möglichen Befriedigung hohl und leer werden.“

„Heute gefällst du mir, morgen gefällst du mir nicht mehr. Heute sind wir zusammen, morgen verlasse ich dich. Ich benutze dich, und dann werfe ich dich weg. Wie alles andere auch.“

„Das zeitgenössische Individuum zieht es vor, keine Risiken mehr einzugehen. Und sich folglich auch nicht zu verlieben. Sich nicht gehen zu lassen. Nicht zu vertrauen.“

„Die Liebe kennt keine Verschnaufpause. Sie ist fordernd. Und es genügt ein Augenblick, und schon halten wir in unseren Händen nur noch die leere Hülle all dessen, was wir verloren haben.“

„Wenn so viel Liebe da ist, hält alles zusammen.“

Fazit

Kein Kitsch. Einfach ein wunderschön geschriebenes Buch über die Liebe und was sie mit einem macht. Über ein gewaltiges Gefühl, welches so viel Freude, aber auch Risiken birgt, wie wohl kaum eine andere Emotion. Ich denke, das jeder von Alles was ich über die Liebe weiß profitieren kann. Und wer das nicht tut, der wurde um viele spannende, neue Sichtweisen, traumhaft schöne und sehr ehrliche Zitate bereichert.

Rund ums Buch

Alles, was ich über die Liebe weiß : Philosophie eines Gefühls • Originaltitel: Tout ce que je sais de l’amour • Michela Marzano • Übersetzerin: Michaela Meßner • C. Bertelsmann • 2018 • 224 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • ISBN: 978-35701-0260-2 • Preis: €14.00 • Buch kaufen


Mein Dank geht an den Bertelsmann-Verlag und Randomhouse für das Rezensionsexemplar.
Könnt ihr mit einem philosophischen Buch über die Liebes etwas anfangen?

Neal Shusterman

Scythe – Hüter des Todes

Ich habe den Autor Neal Shusterman auf der Buchmesse in Leipzig getroffen. Dort hat er ein Interview gegeben und über diese Reihe gesprochen. Ich konnte nicht anders, als es mir zu kaufen. Die Thematik ist neu und fesselnd geschrieben. Ich konnte nicht aufhören, mich mit dem Buch zu befassen und musste allen um mir herum davon erzählen. 

Darum gehts

Eine Welt ohne Tod, Verbrechen und Naturkatastrophen. Die Menschen sind nahezu unsterblich und leben in einer perfekten Welt. Alles, was es über die Welt zu wissen gab, wurde herausgefunden. Das einzige, was den Frieden unterbricht sind die Scythe. Sie entscheiden, wer lange genug gelebt hat und beenden es. Ihre Aufgabe ist wichtig, doch ist es wirklich so einfach über Leben und Tod zu entscheiden?Citra und Rowan werden Lehrlinge der Scythe, doch wie soll man Lernen über Schicksale zu entscheiden?

Spoilerfreie Rezension

Ich finde die Vorstellung, dass die Menschheit unsterblich ist, ziemlich beängstigend. Noch mehr jedoch, dass es keine Regierung mehr gibt und alles von einem großen Computer entschieden wird. Alles, außer dem Tod. Citra und Rowen werden als Lehrlinge von Scythe Faraday ausgewählt und sollen von ihm alles über das töten, bzw. dem Nachlesen, wie es im Buch genannt wird, lernen. Citra und Rowen sind völlig unterschiedliche Charaktere, doch harmonieren sie perfekt miteinander. Ich kann mich noch immer nicht entscheiden, wen ich lieber mag und konnte beide immer gut verstehen.

Gelungen waren die vielen Geschichten von anderen Scythe, die mit Hilfe von Tagebucheinträgen immer wieder aufgegriffen wurden. Ich fand es immer spannend, zu lesen, wie unterschiedlich auch die Scythe sind und was sie so verschieden gemacht hat. Ich möchte gar nicht zu viel verraten, kann aber sagen, dass ich mich sehr auf den nächsten Teil freue, der zum Glück schon erschien ist und auch hier auf mich wartet.

Zitat aus dem Buch

„Du schaust hinter die Fassaden der Welt, Citra Terranova. Du würdest eine gute Scythe abgeben.“ Citra wich entsetzt zurück. „Das würde ich nie sein wollen.“ „Das“, sagte er, „ist die wichtigste Voraussetzung.“

Fazit

Dieses Buch hat mich zum Nachdenken gebracht und ich denke immer noch darüber nach. Es steht viel zwischen den Zeilen geschrieben, befasst sich nicht nur mit dem Tod, sondern auch der Politik und dem Verhalten der Menschen. Ich finde diese Welt gar nicht sehr weit hergeholt und sogar meine Meinung von dem großen Computer, der nun die Regierung bildet, hat sich um Laufe des Buches verändert. Eine absolute Leseempfehlung!

Rund ums Buch

Scythe – Die Hüter des Todes • Neal Shusterman • Übersetzer: Pauline Kurbasik & Kristian Lutze • Sauerländer • 2017 • 513 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-7373-5506-3 • Preis: €19.99 • Buch kaufen


Habt ihr das Buch bereits gelesen?