Monatliches Archiv:

März 2018

Andrea Kraft

Hummeln fliegen auch bei Regen

Depressionen sind auch in unserer heutigen Gesellschaft häufig immer noch ein Tabuthema. Ich oute mich an dieser Stelle als Betroffene. Ich selbst litt jahrelang an depressiven Episoden und weiß, was es bedeutet, dagegen ankämpfen zu wollen und die Verständnislosigkeit der Mitmenschen ertragen zu müssen, sowie immer wieder in ein tiefes Loch zu fallen. Die Beine sind schwer wie Blei, die Gedanken kreisen um immer gleiche Dinge, sodass der Kopf zu platzen droht. Für alles hatte ich eine super Ausrede: Ich war schließlich psychisch krank. Irgendwann lernte ich, dass Akzeptanz der Schlüssel ist und vor allem, dass Selbstmitleid keine Option sein darf. Durch „Hummeln fliegen auch bei Regen“ von Andrea Kraft, fühlte ich mich in die schwerste, aber auch wichtigste Zeit meines Lebens zurück versetzt und vor allem verstanden. 

Darum gehts

Hannah ist fünfunddreißig Jahre alt und depressiv. Sie leidet an Panikattacken und ihr fehlt jedes Vertrauen in eigene Stärken. Ihr gelingt es nicht sich aus dem Sumpf der tiefen Depression zu befreien und so bedauert sie ihr Schicksal fortwährend. Schon die kurze Entfernung vom Wohnzimmer ins Badezimmer zurückzulegen scheint schier unmöglich für Hannah. Angespornt durch ihre engsten Freundinnen fasst Hannah den Mut, ihr Leben zu leben. Ihre Träume, welche sie vor Jahren ihrem Tagebuch anvertraute, die aber schon fast verschüttet schienen, möchte sie endlich in die Tat umsetzen.

Spoilerfreie Rezension

Andrea Kraft gelingt es, den Leser mitzunehmen in die Welt einer Depressiven. Die Figur der Hannah erschien mir von Beginn an sehr authentisch und erinnerte mich an mich selbst in den schlimmsten Tagen der Depression. Die schweren Glieder, die Spannungskopfschmerzen verursacht durch ein Gedankenkarussell, welches nie stillstehen will und die tiefen Zweifel, welche sich in die eigene Seele gegraben haben.

Ich konnte mit Hannah mitfühlen. Von Anfang an empfand ich sie als eine Art Freundin, die das aussprach, was ich damals fühlte. Ich musste fast schmunzeln, wenn sie für jede Verabredung und jede kleine Herausforderung ihre Krankheit als Ausrede nutzte. Freunde und Familie reagieren nur noch entnervt, weil sie hilflos sind und weil Hannah´s Verhalten sie mürbe macht. So ergeht es wohl vielen mit dieser Erkrankung.

Kraft schreibt ehrlich, schonungslos und aufrüttelnd. Mir gefiel die Gnadenlosigkeit, mit welcher Hannah´s Freundinnen sie versuchen zurück ins Leben zu holen. Denn nur so kann es gelingen. Sich selbst zu bedauern ist keine Lösung. Und das wird Hannah immer wieder klar. Sie fliegt nach Mallorca, lernt auf dem Flug eine sehr inspirierende ältere Dame kennen, die ihr eigenes Kind verlor und wieder gelernt hat, das Leben zu lieben. Sie verliebt sich in Lukas, den sie noch aus Kindertagen kennt und hat endlich wieder Ziele.

Zitate aus dem Buch

„Man merkt, dass die Sonne untergeht und erschrickt trotzen, wenn es dunkel ist.“

„Immerhin konnte ich einen Selbstmordversuch aufweisen, was deutlich unterstrich, dass ich nur bedingt an meinem Leben hing.“

„Machen Sie es wie die Hummel. Biologisch betrachtet könnte diese genau genommen nicht fliegen, weil ihr Körper zu groß und ihre Flügel zu klein sind. Sie fliegt aber, weil sie sich keine Gedanken darüber macht, ob es möglich ist oder nicht.“

„Vielleicht fehlte mir aber auch einfach nur die Geduld für eine langfristige Depression.“

Fazit

Selten hat mich in den letzten Monaten ein Buch so begeistert wie dieses. Natürlich liegt das auch an dem persönlichen Bezug. Aber auch unabhängig davon schafft es Andrea Kraft den Charakteren Leben einzuhauchen, optimistisch und treffend zu formulieren und über Depression zu informieren. Dabei gelingt es ihr, einen lebensbejahenden Umgang zu beschreiben.

Rund ums Buch

Hummeln fliegen auch bei Regen • Andrea Kraft • Goldmann • 2018 • 416 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-442-22218-6 • Preis: €10.00 • Buch kaufen


Mein Dank für die kostenlose Bereitstellung des Buches geht an den Goldmann-Verlag und Randomhouse. 
„Hummeln fliegen auch bei Regen“ hat mich von der ersten Seite an fasziniert. Kennt es noch jemand von euch oder hat selbst Erfahrung mit Depressionen?

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Sarah J. Maas

Das Reich der sieben Höfe

Endlich habe auch ich den ersten Band von „Das Reich der Sieben Höfe“ gelesen und wundere mich über mich selber, warum ich so lange damit gewartet habe. Gut, ich stelle Bücher immer etwas weiter zurück, wenn der Hype bei Instagram und co. so stark ist, weil ich finde, dass dadurch einfach die Spannung und auch das Besondere an dem Buch genommen wird. Also hatte ich dieses Buch nun gut ein halbes Jahr unbeachtet im Regal stehen, bis ich es endlich in die Hände genommen habe. 

Darum gehts

Feyre, junge Jägerin wird entführt in das sagenumwobene Reich Fae. Dort ist nichts, wie es zunächst scheint. Feyre muss einen Weg finden um ihre Liebe zu retten. Sonst ist die ganze Welt verloren.

Spoilerfreie Rezension

Nachdem ich mit dem Buch begonnen habe, hat es jedoch gedauert, bis ich richtig in der Geschichte war. Dies lag zum Teil wieder an den Namen. Dies kenne ich schon von anderen Büchern der Autorin. Ich finde es toll, dass sie sich nicht beirren lässt und weiterhin Namen nimmt, die nicht geläufig sind und die auch anders ausgesprochen werden, als das, was man aus der Schreibweise entnehmen könnte. Doch stört das einfach meinen Lesefluss. Schon bei der Throne of Glass Reihe war es ein Problem für mich und nun war es nicht anders. Zum Glück hatte ich dann die Idee, mir das Hörbuch anzuhören. Hier würde ich erfahren, wie die Namen klingen sollen und tatsächlich hat es mir sehr geholfen. Ich habe das Buch also nicht komplett gelesen, einen Teil davon habe ich auch gehört.

Nun zum Buch: Feyre ist die Protagonistin und eine unglaublich starke Persönlichkeit. Ich wäre niemals so ruhig geblieben oder hätte gar versucht, mich so zusammen zu reißen, wenn ich in ihrer Situation gewesen wäre. Es tat mir teilweise richtig leid, was sie alles durchmachen musste und nicht nur einmal musste ich tief durchatmen, damit ich weiterlesen konnte. Dies lag jedoch auch daran, dass Sarah J. Maas weiß, wie sie mit Worten umzugehen hat. Sie hat eine magische Welt erschaffen, die wirklich besonders ist. Sie beschreibt die Handlungen und die Plätze so besonders, dass man das Gefühl hat, daneben zu stehen.

Zitate aus dem Buch

„Ich werde deine Knochen mit meinen Klauen zermalmen. Ich werde dein Mark schlürfen. Ich werde mich an deinem Fleisch laben. Ich bin das, was du fürchtest. Ich bin das, was dich schaudern lässt…“

„Bleib bei deinem High Lord, hatte der Suriel gesagt. Bleib bei ihm, verliebe dich in ihn und alles wird gut.“

Fazit

Allgemein möchte ich gar nicht so viel zum Inhalt sagen, nachdem der Klappentext auch so gut wie gar nichts preisgibt. Nur so viel: Auch, wenn es hier immer mal wieder Parallelen zu Märchen gibt, die zauberhaft und schön sein mögen, ist dieses Buch nicht zum Träumen geeignet. Es ist spannend, aufreiben, romantisch und es macht süchtig nach mehr!

Rund ums Buch

Das Reich der sieben Höfe • Sarah J. Maas • dtv • 2018 • 480 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-423-76163-5 • Preis: €19.95 • Buch kaufen


Auf den nächsten Teil bin ich sehr gespannt und freue mich darauf.

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Steven Uhly

Marie

Marie ist das erste Buch, welches mir vom Autoren Steven Uhly in die Hände fiel. Einigen wird sicher sein Erfolgsroman Glückskind geläufig sein. Der Klappentext hat meine Neugier geweckt und die Geschichte schien demnach viel Spannung bereitzuhalten. Es handelt sich um einen Familienroman, indem es vor allem um Vergangenheitsbewältigung geht.

Darum gehts

Frido, Chiara und Mira sind Geschwister und  leben mit ihrer überforderten Mutter in München. Die Eltern sind getrennt. Der Vater hat mittlerweile eine neue Partnerin und mit dieser ein weiteres Kind. Schon gleich zu Beginn wird klar, dass die Familienverhältnisse zerrüttet sind. Während Frido und Mira von ihrer Mutter zumindest beachtet werden, scheint Chiara für diese nur eine Nebenrolle zu spielen.

Egal wie undankbar und wenig mütterlich sich die Mutter Veronika ihren Kindern gegenüber verhält, die drei scheinen ihr nahezu alles zu verzeihen. Vor allem Frido und Chiara empfinden großes Mitleid für die eigene Mutter und versuchen, ihre Unzulänglichkeiten vor allem vor dem Vater und der Schule zu vertuschen. Die Verbundenheit zu ihrer Mutter ist für Frido und Chiara alles. Irgendwann gelingt das Verschleiern der familiären Probleme nicht mehr, auch weil sich Veronika im Badezimmer mit einer großen Scherbe absichtlich schwer verletzt und folgend längere Zeit im Krankenhaus verbringen muss. Die Kinder finden bei ihrem Vater und seiner neuen Familie wenig Halt und sind fortan zunächst auf sich allein gestellt.

Spoilerfreie Rezension

Die Schreibweise von Uhly sprach mich wenig an. Obwohl er mit großen Emotionen zu spielen versucht, konnten mich die Charaktere nie ganz überzeugen. Und das, obwohl die Geschichte eine sehr ergreifende ist. Die Figur der Mutter, Veronika, hat mich am Meisten verärgert. Bis zum Schluss konnte ich für das Geschehene und Verursachte durch ihre Person nicht umgehen. Ich ahnte, dass in der Vergangenheit etwas passiert sein muss, was vor allem Chiara betrifft. Der Titel Marie wird immer nur phasenweise verständlich, wird dem Buch im Gesamten aber viel zu wenig gerecht und ist letztendlich für mich nicht mit dem Buch identifizierbar.

Das Cover gefiel mir auf Anhieb. Die Farbgebung harmoniert gut miteinander und wirkt sehr ästhetisch auf mich. Ich mag die Kapitel-Gestaltung. Die einzelnen Abschnitte sind – ganz schlicht – und dennoch anders gehalten, als ich es bisher kannte. Jedes neue Kapitel beginnt mit einer grauen Seite, auf der die Ziffer steht. Der Schreibstil konnte mich, wie bereits erwähnt nie für sich einnehmen. Die versprochene „Bild- und Wortgewalt“ erreichte mich leider nicht.

Zitate aus dem Buch

„Sie tut es mit einem Gefühl von Verbundenheit und Fürsorge, mit jener unbedingten Loyalität, zu der nur Kinder fähig sind.“

„Die Kälte hat sich in ihrem Körper eingenistet wie ein Fremder, der für immer bleiben will.“

„Sie ist an ihr Bett gefesselt und muss sich selbst wahrnehmen. Und was sie wahrnimmt, erträgt sie kaum.“

Fazit

Mir wurde durch Marie auf jeden Fall wieder bewusst, wie eng und überlebenswichtig die Bindung von Kindern zu ihren Eltern ist und was Kinder bereit sind, für ihre Eltern zu leisten. Chiara liebt ihre Mutter bedingungslos, obwohl diese sie lange nicht wie eine Tochter lieben kann. Dennoch erfährt sie von Chiara eine Loyalität, wie sie wohl nur vom eigenen Kind kommen kann. Leider konnten mich Grundstimmung und Erzählstil aber nicht überzeugen, sodass ich am Ende froh war, das Buch beenden zu dürfen.

rund ums buch

Marie • Steven Uhly • btb • 2018 • 272 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-442-71552-7 • Preis: €10.00 • Buch kaufen


Ich danke dem btb-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Habt ihr eines von Uhlys Büchern gelesen? Und mögt ihr den Schreibstil?

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