Frau Einstein

Auf das Buch war ich schon lange gespannt. Gerade weil es so viele neue Informationen enthalten soll. Die Rede ist von Frau Einstein von Marie Benedict. Das Leben der relativ unbekannten Mileva Maric, erster Ehefrau von Albert Einstein wird genauestens beleuchtet. Immerhin war sie maßgeblich am Erfolg Albert Einsteins beteiligt. Nicht zuletzt, weil sie an der Relativitätstheorie mitwirkte.

Darum gehts

Zum ersten Mal wird die Frau in den Mittelpunkt gerückt, die ganz entscheidend für den Erhalt des Nobelpreises für Albert Einstein war: seine erste Ehefrau Mileva Maric. Nicht nur sein größter Erfolg, die Relativitätstheorie, hat Einstein Maric zu verdanken. Auch weitere wissenschaftliche Errungenschaften hat Albert Einstein vor allem wegen ihrer mathematischen Berechnungen und ihrem Geist erlangen können.

Spoilerfreie Rezension

Ich war schon in den ersten Kapiteln ganz beeindruckt von der jungen Mileva Maric. Es gelang ihr als eine der ersten Frauen, studieren zu dürfen und sich zu den Besten ihres Fachs zu entwickeln. Und das ist gerade für die damalige Zeit bewundernswert. Maric hatte keinen größeren Wunsch, als erfolgreiche Wissenschaftlerin zu werden. Sie hat ihr Leben ganz der Mathematik und der Physik verschrieben. Ich mochte ihre Figur im Buch sehr. Benedict zeichnet eine sehr lebenslustige, strebsame und herzliche Mileva Maric, die einem einfach sympathisch sein muss.

Ich finde es unglaublich interessant und auch wichtig, dass wir endlich erfahren, dass hinter der weltbekannten Relativitätstheorie nicht nur eine Name stehen dürfte. Albert Einstein verbinde ich mit einem wahren Genie seines Faches. Nie wäre ich auf den Gedanken gekommen, dass er ohne die große Hilfe von Maric gar nicht hätte den Ruhm erlangen konnte, der ihm letztendlich zuteil wurde. Ab und an wunderte ich mich zwar schon, wie es ihm gelingen konnte, trotz schlechter Fähigkeiten in Mathematik eine solch bahnbrechende Theorie aufzustellen, die nicht zuletzt auf mathematischen Berechnungen basier. Jedoch war viel zu wenig über das Entstehen der Arbeit bekannt.

Maric galt als Mathematik-Ass und hat Albert Einstein wohl auch deshalb fasziniert. Ob die Verbindung zu ihr von Beginn an einem Plan folgte, ist unklar. Nach dem Lesen des Buches bin ich schockiert von dem Menschen Albert Einstein und könnte es mir tatsächlich vorstellen. Er wird als sehr feiger, egoistischer Mensch beschrieben, der seine kluge und wissbegierige Frau immer mehr in die Rolle der Haufrau drängt, um selbst wissenschaftlich erfolgreich arbeiten zu können. Immer wieder nutzt er die intellektuellen Fähigkeiten von Maric zu seinem eigenen Vorteil, während sie immer mehr in den Hintergrund rückt.

Der  Tod ihrer gemeinsamen Tochter Lieserl scheint Albert nicht lange zu beschäftigen. Maric hingegen leidet bis zu ihrem Lebensende unter dem sinnlosen Tod ihrer Tochter. Für mich war es erschütternd zu lesen, dass eine so unglaublich talentierte Frau sich zuletzt einzig dem Erfolg ihres Mannes verschreibt, ohne es selbst zu wollen. Maric steht am Ende ohne Abschluss dar, allein mit zwei kleinen Kindern, während Albert Einstein nur noch nach beruflichen Erfolgen strebt.

Die Autorin merkt an, sich zwar intensiv mit dem Leben der Einsteins beschäftigt zu haben und Daten und Orte wahrheitsgetreu erzählt zu haben. Gerade auf der zwischenmenschlichen Ebene aber,  wollte sie Albert und Mileva mehr Leben einhauchen um die Geschichte lebendiger für ihre Leser zu machen. Um das Leben des weltberühmten Mannes und seiner Frau zu dokumentieren, orientierte sie sich stark an die Briefwechsel von Albert Einstein und Mileva Maric im Werk Die Liebesbriefe 1897 – 1903 von Jürgen Renn und Robert Schulmann.

Zitate aus dem Buch

„Du bist ein Genie, aber in Herzensangelegenheiten versagst du völlig.“

„Als hätte er vollkommen vergessen, dass der Aufsatz, der nun für die Verleihung des Nobelpreises ins Rennen ging, im Grunde genommen mein Aufsatz war. {…} Der ganzen Welt gegenüber so zu tun, als stammte die Relativitätstheorie von ihm, war eine Sache – aber sich sogar mir gegenüber als ihr Urheber darzustellen, eine ganz andere.“

„Mich hatte schon lange niemand mehr als etwas anderes wahrgenommen denn Alberts Frau. Als Alberts scheue, seltsame, verkrüppelte Frau. Ja, das waren die Etiketten, die man mir im Tratsch überall, wo wir hinkamen, verpasst hatte.“

„Und am Allerwenigsten verzieh ich ihm, dass er mir eine gleichberechtigte Ehe und eine wissenschaftliche Partnerschaft versprochen und dieses Versprechen vor meiner gestern noch blutigen Nase gebrochen hatte.“

Fazit

Am Ende bleibt bei mir ein beklemmendes, trauriges Gefühl zurück. Vor allem, da ich nun weiss, dass Maric ihren wissenschaftlichen Durchbruch ihrer verstorbenen Tochter widmen wollte. Natürlich hat nicht alles im Buch genau so stattgefunden, im Kern ist die Handlung aber nicht erfunden. Es ist erwiesen, dass Mileva Maric entscheidend an der Relativitätstheorie mitarbeitete und für deren Erfolg ebenso hätte ausgezeichnet werden müssen. Albert Einstein hingegen, das geht aus den Briefen beider hervor, hat den Ruhm für sich allein haben wollen und drängte seine Frau immer mehr zurück.

Rund ums Buch

Frau Einstein • Marie Benedict • Kiepenheuer und Witsch • Originaltitel: The Other Einstein • Übersetzerin: Marieke Heimburger  • 2018 • 368 Seiten • Hardover mit Schutzumschlag• ISBN: 978-3-462-31725-1 • Preis: €16.99 • Buch kaufen


Mein großer Dank für das Buch geht an Lovely Books und den KiWi-Verlag.
Ein ergreifender Roman über die Frau, ohne die Albert Einstein wohl nie seine zahlreichen Preise für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhalten hätte. 

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Ich bin Neri, neunundzwanzig Jahre alt und lebe im wunderschönen Breisgau, nahe Freiburg. Ich habe meine Liebe zu Büchern eigentlich erst vor wenigen Jahren entdeckt. Obwohl ich als Kind einen Vorlesewettbewerb gewann, war Lesen damals eher eine Pflicht als Vergnügen. Mittlerweile kann ich mich in Büchern verlieren, mich mit den Charakteren identifizieren und dabei voll und ganz abschalten. Bücher haben etwas Magisches für mich. Im Winter kuschle ich mich am Liebsten unter eine dicke Decke und tauche in Geschichten ab.

2 comments

  1. Renate

    Hallo Neri,

    dieses Buch hat mir auch die Interesse geweckt, mal sehen wann ich es schaffe zu lesen. In jeden Fall deine Buchbesprechung hat mich überzeugt es auf meiner Wunschliste zu setzen. 🙂

    Liebst,
    Renate von Lebenslaunen Blog
    http://lebenslaunen.blogspot.de/

    Antworten
    1. Neri

      Es ist wirklich lesenswert, wenn auch oft erschütternd.

      Antworten

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