Sylvia Plath

Die Glasglocke

Unsere Rory Gilmore Reading Challenge geht immer weiter voran, was uns sehr freut. Jenni und ich wählen das jeweilige Buch für den anderen aus. So bewahren wir uns den Überraschungseffekt. Dieses Mal hat Jenni für mich Die Glasglocke von Sylvia Plath ausgewählt. Es gehört inzwischen zu den Klassikern der Literatur der Sechzigerjahre.

Darum gehts

Hauptsächlich geht es um die Lebenskrise der jungen Esther. Diese Krise entfaltet ihr ganzes Ausmaß ab ihrem vierwöchigen Aufenthalt in New York. Esther hat fortan mit starken Selbstzweifeln und Identitätsproblemen zu kämpfen, sodass der Wunsch nach dem Ende ihres Lebens immer weiter wächst.

Spoilerfreie Rezension

Hier eine Rezension zu verfassen, fällt mir sehr schwer. Vor dem Lesen habe ich mich mit der Autorin und ihrem Leben auseinander gesetzt, um vielleicht von Beginn an vieles besser zu verstehen. Plath war vor allem wegen ihrer Lyrik bekannt. Die Glasglocke blieb ihr einziger Roman.

Der sehr raue Schreibstil der Autorin mag ein Markenzeichen gewesen sein oder sollte die düstere Grundstimmung untermauern, war aber nichts für mich. Die Handlung hätte zweifelsohne Potenzial gehabt, spannungsreich und mitreißend zu sein. Ich hatte jedoch mit der Erzählweise von Plath meine Schwierigkeiten. Sie arbeitet mit vielfältigen Metaphern, was mir sehr zusagte, ich konnte mich jedoch mit den Charakteren, insbesondere mit Esther überhaupt nicht identifizieren.

Esther Greenwood ist mir durch die gesamte Geschichte hindurch unsympathisch. Die Abschätzigkeit, mit der sie ihre Mitmenschen straft und das zum Teil völlig ohne Grund, gingen mir zunehmend auf die Nerven. Im Laufe des Romans blieb ich immer öfter verwirrt zurück. Mir war nie ganz klar, was genau ihre Existenzkrise auslöste. Die Zeit in New York wird, entgegen dem, was der Klappentext vermuten lässt, nur in wenigen Kapiteln thematisiert.

Schnörkellos und tough schildert Plath die Aufenthalte der jungen Frau in psychiatrischen Kliniken und an ihr angewandte Schocktherapien. Esther macht keinen Hehl daraus, dass sie Suizidgedanken plagen und meist wirken diese Gedanken auf mich fast verherrlichend. Zwar berichtet Esther immer wieder davon, dass es schrecklich sei, nicht körperlich, sondern im Kopf krank zu sein, dennoch wirkte ihre Krise auf mich nie wirklich bedrohlich oder ernst.

Ihr Leben, abgegrenzt von dem zu sein, was um sie herum geschieht, bezeichnet sie als „Glasglocke“. Dieser Umstand jedoch, wird für meine Begriffe, viel zu wenig deutlich. Erst nach über der Hälfte des Buches, bekam ich eine Ahnung davon, wie sich Esther fühlen musste.

Die Glasglocke weist autobiografische Züge auf. Die Autorin lebte selbst in New York und hatte mit starken Depressionen zu kämpfen, die sie vermeintlich in diesem Buch auf ihre Protagonistin Esther projiziert. Vier Wochen nach dem Erscheinen ihres ersten und einzigen Romans, nahm sich Sylvia Plath das Leben. Sie gilt seit den Siebzigerjahren als Ikone der Frauenbewegung.

Zitate aus dem Buch

„Ein Mann, der will eine Gefährtin, und eine Frau, die will uneingeschränkte Sicherheit.“

„{…} denn egal, wo ich saß – ob auf dem Deck eines Schiffes oder in einem Straßencafé in Paris oder Bangkok-, immer saß ich unter der gleichen Glasglocke in meinem eigenen sauren Dunst.“

Fazit

Am Ende bleibt zu sagen, dass die Idee eine sicherlich gute war, die Handlung aber viel mehr Tragik vertragen hätte. Es handelt sich um eine bittere Lebenskrise einer jungen Frau, die mit Selbstmordgedanken zu kämpfen hat. Die Stimmung brachte diese Tragik, nach meinem persönlichen Empfinden, nicht rüber. Wenn man bedenkt, dass die Handlung nahezu auf wahren Begebenheiten der Autorin beruht, lässt mich Die Glasglocke dennoch, nachdenklich zurück.

Rund ums Buch

Die Glasglocke • Sylvia Plath • Suhrkamp • Originaltitel: The Bell Jar • Übersetzer: Reinhard Kaiser • 2005 • 262 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-51845-676-7 • Preis: €9.00 • Buch kaufen

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6 Kommentare

  • Reply
    Stephie
    19. Februar 2018 at 15:47

    Eine sehr schöne Rezension, die mich davon überzeugt hat, dass dieses Buch definitiv nichts für mich ist. Mit solchen Büchern kann ich meistens überhaupt nichts anfangen. Da widme ich mich dann doch lieber einem der anderen Klassiker, die noch auf meiner Leseliste stehen.

    • Reply
      Neri
      19. Februar 2018 at 19:26

      Danke für das Kompliment zunächst. Und ja, es ist harte Kost. Man sollte sich genau überlegen, ob man es lesen möchte. Und meins war es, wie duz ja gelesen hast, auch nicht.

  • Reply
    Jana
    21. Februar 2018 at 17:36

    Finde ich total cool, dass ihr jeweils für den anderen die Bücher aussucht, da kommt man bestimmt mal zu Büchern, die man sonst nicht gelesen hätte.

    Die Glackglocke will ich wegen der Challenge auch noch lesen, ist ja schade, dass es dir nicht gefallen hat 🙁 Mal sehen wie ich es finde, aber ich habe das in nächster Zukunft noch nicht in Planung.

    • Reply
      Neri
      22. Februar 2018 at 19:10

      Vielleicht gefällt es Dir ja. Es ist immerhin ein Klassiker.

  • Reply
    Mara Luna
    8. April 2018 at 21:23

    liebe neri, da haben wir etwa gleichzeitig zu diesem buch gegriffen… und wohl eine ähnliche Auffassung davon. mir sagte es auch viel weniger zu, als ich vorher dachte, was einerseits schade ist – aber vielleicht lag es auch an mir. habe meine Gedanken dazu heute veröffentlicht

    • Reply
      Neri
      8. April 2018 at 22:06

      Oh, da schaue ich sofort mal rein. Ich war ja auch völlig enttäuscht von dem Buch.

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