Alles wird unsichtbar

New Yorker Bronx. 1970er Jahre. In dieser Zeit beginnt das Geschehen des Romans Alles wird unsichtbar von Gerry Hadden. Milano ist der Adoptivsohn afro-kubanischer Eltern. Es geht um einen folgenschweren Unfall, das Abrutschen in die Kriminalität, die Suche nach den eigenen Wurzeln und eine letzte Chance, zurück ins Leben zu finden.

Klappentext

Milano wächst in der Bronx der Siebziger auf. Als Adoptivsohn afro-kubanischer Eltern ist er der einzige spanischsprechende, bongospielende, fünfjährige Weiße weit und breit. Er ist anders als die Nachbarskinder, aber er ist glücklich. Bis zum Tag des Autounfalls.
Er erwacht im Krankenhaus und sein linker Arm ist unsichtbar geworden. Was Phantomschmerzen sind, begreift er erst nach und nach: als seine Mutter stirbt. Als sein Vater ihn wie Luft behandelt. Als er alles verliert, was ihm je wichtig war. Lakonisch und so unsentimental, dass es einem die Tränen in die Augen treibt, erzählt Hadden in seinem Debütroman die Geschichte eines Abstiegs, der im Jugendgefängnis endet. Doch Milano erhält eine zweite Chance und macht sich auf die Suche – nach den unsichtbaren Dingen, nach seinen Wurzeln, und nach seinem Platz in dieser seltsamen Welt.


Als einziger Weißer lebt Milano mit seinen Adoptiveltern in der Bronx. Er ist auch der einzige Junge in der Nachbarschaft, der spanisch spricht. Eigentlich ist Milano ein glückliches Kind. Er liebt seine musikalischen Eltern, die ihn adoptierten und genießt vor allem die bedingungslose Liebe seiner Mutter Miriam. Eines Tages allerdings geschieht ein fürchterlicher Unfall, bei welchem diese stirbt. Von dort an ist nichts mehr wie es war.

Milano wird ab dem Zeitpunkt von seinem Adoptivvater Hipolito geschnitten. Dieser gibt ihm die Schuld an dem Tod seiner geliebten Frau. Und obwohl er das Milano gegenüber nie äußert, lässt er es ihn täglich spüren. Völlig auf sich allein gestellt und auf elterlichen Liebesentzug, beginnt Milano krumme Dinge zu drehen. Immer dabei ist sein bester Freund. Obwohl beide des Öfteren erweicht werden, hören die kriminellen Machenschaften nicht auf. Im Gegenteil: der Kick, den Milano empfindet, wenn er etwas zerstört, lässt ihn weitermachen.

Entweder erwsachsen werden oder einen Weg finden, um zu sterben.

Irgendwann landet Milano in einem Jungendgefängnis. Man könnte meinen, das sei der Abstieg, das Ende. Aber genau hier fängt Milano an zu begreifen, dass es so nicht weitergehen kann. Dass das Leben mehr wert ist. Er verliebt sich zum ersten Mal, macht sich auf die Suche nach seiner leiblichen Mutter und seinem Onkel und der eigenen Identität. Er wünscht sich nichts sehnlicher als eine zweite Chance.

Die ersten Kapitel haben mich wahrlich mitgerissen. Die Geschichte von Milano ist spannend und emotional geschrieben. Seine Adoptiveltern scheinen sich wunderbar um ihn zu kümmern. Besonders Miriam kümmert sich aufopferungsvoll um den kleinen Jungen. Nach dem Unfall, bei dem diese stirbt, ist es erschreckend, fast grausam zu lesen, wie stiefmütterlich Milano fortan von seinem Adoptivvater behandelt wird. Schließlich ist er noch ein Kind.

Dass Milano auf die schiefe Bahn gerät, hat mich nicht allzu sehr verwundert. Ohne Liebe, ohne Halt und ohne jede Form von Erziehung und Regeln, lebt er quasi in den Tag hinein. Ganz auf sich allein gestellt. Die Trauer über den Tod von Miriam sitzt tief. Diese schlägt alsbald in Wut um und irgendwann gerät Milano tief in den Strudel der Kriminalität. Bis hierhin liest sich alles flüssig und nachvollziehbar.

Ab Mitte des Buches enttäuscht es mich immer mehr. Die Geschichte wirkt nicht mehr authentisch und oft wirr und die Charaktere sagen mir nicht mehr zu. Vieles wird nur kurz angeschnitten, später jedoch nochmals thematisiert, ohne dass ich den Sinn dahinter nachvollziehen kann. Obwohl die Idee und der Schreibstil sehr ansprechend auf mich wirkten, hat mich das Buch ab der Hälfte nicht mehr fangen können. Das Ende ist noch einmal sehr versöhnlich. Es ist nicht absehbar, was geschieht und es bietet viel Emotionen. Leider kam dieser positive Abschluss aber zu spät.


Mein Dank für das Rezensionsexemplar geht an den Piper-Verlag.
Ein aufrüttelndes, emotionales Buch mit schwachem Hauptteil. Kennt ihr „Alles wird unsichtbar“?

Informationen zum Buch

Alles wird unsichtbar • Gerry Hadden • Piper • Originaltitel: Home, In Pieces • Übersetzer: Stefanie Jacobs, Simone Jakob • 2017 • 352 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-492-05880-3 • Preis: €20.00 • Buch kaufen

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Kommentare

  1. Christine am

    Schade, dass es dich gerade in der zweiten Hälfte nicht mehr fesseln kann… so was ist ja immer schade, gerade wenn man anfangs mitfiebern konnte…

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