Dann schlaf auch du

Ich hatte selten so hohe Erwartungen an ein Buch, wie an dieses. Dann schlaf auch du von Leïla Slimani hat so viele Buchpreise abgesahnt, dass es nicht verwunderlich scheint, dass man sich vor dem Lesen besonders viel von dem verspricht, was einen wohl erwarten würde. Ich hatte im letzten Beitrag schon angekündigt, dass der Roman zu meinen Neuheiten im Bücherregal gehört und dass ich es demnächst lesen möchte. Nun ging es schneller als erwartet. Nicht mal einen Tag hat es gebraucht, das Buch zu verschlingen.

Was der Klappentext verrät

Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?

Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen – eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Wie mit unsichtbaren Fäden hält Louise die Familie zusammen, ebenso unbemerkt wie mächtig. In wenigen Wochen schon ist sie unentbehrlich geworden. Myriam und Paul ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich die fünfzigjährige Frau zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.


Der Schreibstil hat mich enttäuscht. Das muss ich ganz klar sagen. Ich hatte mir sehr viel mehr Faszination und persönliche Finesse versprochen. Aber da lag ich leider falsch. Möglicherweise liegt es aber an der Übersetzung. Damit ich nicht falsch verstanden werde: der Schreibstil ist keinesfalls unangenehm oder langweilig, nein. Er liest sich flüssig und leicht. Aber es fehlt eben das gewisse Etwas. Catherine Lacey hat mich zum Beispiel diesbezüglich zuletzt sehr gefesselt. Das war hier nicht der Fall.

Sie ist so perfekt, so rücksichtsvoll, dass es mich manchmal anwidert.

Die Idee hinter der Geschichte hat mich sofort neugierig gemacht. Ich habe Dann schlaf auch du nicht gelesen, weil es gerade so gehyped wird. Viel mehr finde ich die Storyline einfach genial. Eine Mischung aus Thriller und Roman. Es geht um eine französische Familie. Mutter, Vater und zwei kleine Kinder, welche in Paris leben. Myriam und Paul engagieren ein Kindermädchen für ihre Tochter Mila und ihren Sohn Adam. Die Nanny, Louise, scheint perfekt für die Familie zu sein. Schnell wird klar: zu perfekt. Hinter der Fassade bröckelt es gewaltig.

Das Buch erzählt am Anfang vom Ende. Das gefällt nicht jedem. Dafür muss man gemacht sein. Ich finde diese moderne Art der Erzählung nicht immer ansprechend, in diesem Fall aber hat sie mich voll und ganz beeindruckt. Im ersten Kapitel wird geschildert, was am Ende passiert. So erfährt man natürlich, wie alles endet, gleichzeitig ist man gespannt auf die menschlichen Abgründe des Kindermädchens und wie es dazu kam. Von der Autorin, aus meiner Sicht, wirklich gut umgesetzt.

Das Schicksal ist verschlagen, wie ein Reptil, es sorgt immer dafür, dass wir auf der falschen Seite landen.

Die Charaktere gefielen mir größtenteils sehr gut. Sie wirkten durchweg authentisch und die Handlungen waren meist nachvollziehbar.  An manchen Stellen sagte mir die Übersetzung nicht so recht zu. Aber das ist sicherlich auch nicht so einfach und gibt daher keinen Punktabzug. Ein wirklich spannender Roman mit einem guten Ende, den aber wirklich nur die lesen sollten, die etwas mehr verkraften können.


Ein großer Dank für das Rezensionsexemplar geht an den Luchterhand-Verlag.
Ist der Hype um „Dann schlaf auch du“ aus eurer Sicht berechtigt?

Informationen zum Buch

Dann schlaf auch du • Leïla Slimani • Luchterhand • Übersetzerin: Amelie Thoma • Originaltitel: Chanson Douce • 2017 • 224 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-630-87554-5 • Preis: €20.00 • Buch kaufen

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Kommentare

  1. bknicole am

    Ehrlich gesagt habe ich von diesem Buch noch gar nichts gehört – das ist somit trotz Hype an mir vorbeigegangen. Jedoch musste ich von der Storyline sofort an den Film „Emilie“ denken, der eine ähnliche Thematik behandelt, welchen ich aber auch noch nicht gesehen habe. Inhaltlich finde ich die Frage auf jeden Fall interessant, denn man kennt einen Menschen nie wirklich, sondern sieht nur das was dieser einem zeigen möchte.

    Danke auch für dein liebes Kommentar Neri.
    Da hast du Recht, das geht mir auch so. Bei mir ist es ja auch ganz klar ein Unentschieden, weil beide Anbieter tolle Inhalte zu bieten haben.

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