31. Oktober 2017

Niemand verschwindet einfach so

Gelesen habe ich Niemand verschwindet einfach so bereits im Spätsommer. Und endlich, endlich kann ich es rezensieren. Da ich so viele tolle Bücher seitdem las, kam es leider bisher zu kurz. Ich kann euch sagen, dass es ein Buch ist, welches noch lange in meinem Gedächtnis bleiben wird. Die Geschichte ist so authentisch, so abgrundtief böse und gleichzeitig wohl genau deshalb so menschlich, dass sie mich vollends in ihren Bann zog.

Darum gehts

Elyria ist die Hauptprotagonistin und Erzählerin der Geschichte. Elyria ist verzweifelt, immer auf der Suche nach der eigenen Identität und rastlos. Sie verlässt ihren Mann von einen Tag auf den anderen, löst ein One-Way-Ticket nach Neuseeland und verschwindet. Es beginnt eine abenteuerliche Reise auf der Suche nach sich selbst.

Spoilerfreie Rezension

Hach, ich könnte nur schwärmen. Wirklich wenige Bücher haben mich bisher so berührt wie dieses. Und das liegt vor allem daran, dass es so wahnsinnig klug ist. So authentisch und menschlich. Obwohl es gleichzeitig so bitterböse ist. Aber das macht uns Menschen aus. In uns allen steckt ein wildes Biest. Davon bin ich nicht nur nach Beendigung von Niemand verschwindet einfach so überzeugt.

Literarisch ist der Autorin ein Meisterwerk gelungen. Ich habe das halbe Buch markiert, weil die Zitate unter die Haut gehen, aufrütteln und schockieren. Der Schreibstil fesselt von Beginn an und ist in einer ganz besonderen Weise geschrieben, sodass ein Weglegen des Buches nahezu unmöglich scheint. Ich habe es an zwei Tagen im August durchgelesen und war danach noch tagelang „angegriffen“ davon.

Die Sehnsucht und die Suche der Protagonistin nach ihrem Selbst ist allgegenwärtig. Ihre Persönlichkeit mag zunächst befremdlich auf den Leser wirken, aber ziemlich schnell wird klar, dass wir alle solche Gedanken in uns tragen. Hausieren geht damit wohl kaum jemand, von diesen dunklen Seiten aber, bin ich überzeugt. Und das macht die Geschichte und das ganze Buch so faszinierend.  Die schonungslose Ehrlichkeit und die Abgründe menschlicher Existenz.

Dass Elyria sich entscheidet, abzuhauen, ihrem alten Leben den Rücken zu kehren, ist mir nicht immer ganz begreiflich. Dennoch gelingt es der Autorin Lacey auf beeindruckende und erschütternde Weise, Elyria´s Rastlosigkeit zu verdeutlichen. Der Hauptcharakter ist häufig fern von Gut und Böse und immer getrieben von Selbstzweifeln und der Suche nach der eigenen Identität.  Dabei schockten mich grausame Kindheitserlebnisse und teilweise das gegenwärtige Denken der jungen Frau.

Zitate im Buch

„Ich war ein menschlicher Trugschluss, sinnlos und deplatziert, ein schlechter Witz, eine Pointe ohne Landeplatz.“

„Steckt nicht jeder auf diesem Planeten oder zumindest jeder auf diesem Planeten namens „Ich“ zwischen zwei Impulsen fest, dem Wunsch wegzugehen, als wäre alles nie geschehen, und dem Wunsch, ein guter, liebender, liebevoller, geliebter Mensch zu sein, bei dem alles ohne Weiteres Sinn ergibt?“

„Und das Biest in einem, das wilde Biest in jedem von uns, möchte es einfach nur hinter sich bringen, es kann die Spannung nicht ertragen, auf der Welt herumzulaufen, so als würden wir immer auf der Welt herumlaufen, denn das werden wir nicht, es kommt ein Krebs, eine Krankheit, eine Stimme im Kopf, die aus dem Fenster springen will, jemand mit einer Waffe, ein tragisches Unglück oder ein wilder Haufen fleischfressender Bakterien, die sich als Erstes dein Gesicht vornehmen.“

Fazit

Nicht für jeden wird Niemand verschwindet einfach so ein Meilenstein sein. Ich denke, das besonders der Charakter von Elyria sehr polarisieren wird. Ich aber war – ohne Umschweife – begeistert.

Rund ums Buch

Niemand verschwindet einfach so • Catherine Lacey • Originaltitel: Nobody Is Ever Missing • Aufbau • 2017 • 266 Seiten • Hardcover • Übersetzung: Bettina Abarbanell • ISBN: 978-3-351-03680-5 • Preis: €22.00 • Buch kaufen


Vielen Dank an den Aufbau-Verlag für das Lesesexemplar. 
Habt ihr „Niemand verschwindet einfach so“ gelesen und wenn nicht, könnte es euch interessieren? 

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26. Oktober 2017

Die Frauen von Salem

Manche Bücher möchte man lesen, weil einem der Klappentext interessant erscheint. Möglicherweise unterstricht der Cover dies und die Neugier ist geweckt. Meistens sogar ist das der einzige Grund, warum ich ein Buch lesen möchte. Eines zu lesen, nur weil es auf anderen Blogs, im Internet und bei Freunden und Bekannten gehyped wird, war nie mein Ding. Auf Die Frauen von Salem stieß ich rein zufällig. Die Aufmachung sprach mich an und ich hatte mal wieder Lust auf einen gruseligen Roman.

Darum gehts

Unerschütterliche Morde an drei Frauen geschahen im Jahr 1989. Die Geschichte spielt zwischen 2014 und 2015. Die junge Protagonistin Callie Cahill, das kleine Mädchen, welches die einzige Augenzeugin ist, kehrt an den Ort des Verbrechens zurück und möchte gemeinsam mit Rafferty die Morde aufklären, die inzwischen fünfundzwanzig Jahre zurückliegen. Ihre enge Vertraute Rose Whelan, von der sie lange glaubte, sie sei tot, wird verdächtigt. Callie will nicht wahrhaben, dass der einzige Mensch, den sie noch zu ihrer Familie zählt, ihre eigene Mutter und deren Freundinnen, welche sich „Die Göttinnen“ nannten, tötete.

Spoilerfreie Rezension

Ich muss, ohne zu spoilern, vorwegnehmen, dass dieser Roman sich neben der Suche nach einem Mörder, hauptsächlich mit Hexerei und Magie befasst. Dies war mir zuvor nicht bewusst und normalerweise hätte ich das Buch unter diesen Umständen wohl nicht weiterlesen wollen. Zu viel Mystik und Fantasy ist nichts für mich. Da ist es wiederum eine große Bereicherung für diesen Blog, dass Jenni dem Fantasy-Genre sehr zugeneigt ist.

Salem wurde mir als Leser sehr schnell als Hexenstadt verdeutlicht. Nicht nur an Halloween sind Begriffe wie Zauberei und Hexerei im Umlauf. Salem rühmt sich schier zweifelhaften Image, eine Hexenstadt zu sein. Viele Touristen weltweit fühlen sich angezogen und besuchen die vielen Hexen-Veranstaltungen in Salem und vor allem das bekannte Treiben an Halloween.

Die Autorin war mir nicht bekannt. Der Schreibstil liest sich meist flüssig und ansprechend. Obwohl das Buch über 600 Seiten hat, war ich relativ schnell durch. Die sechsundvierzig Kapitel werden mit einem Zitat eingeleitet. Die Idee finde ich sehr gut. Der Titel hätte meines Erachtens nach eher Die Hexen von Salem heißen müssen, um dem Leser direkt zu implizieren worum es geht. Das fehlte mir etwas. Die Protagonisten wirken allesamt sehr gut ausgearbeitet und „fertig“. Besonders Callie mochte ich auf Anhieb. Viele sind nicht das, was sie scheinen. Selbst auf den letzten Seiten war ich noch einige Male überrascht, aufgrund der vielen Beziehungen der Charaktere untereinander und der Irrungen und Wirrungen.

Zitate im Buch

„Es gibt keine einzige Kultur, und es gibt einziges Individuum ohne Vorteil gegen jene, die sie als „anders“ betrachten.“

„Wenn es stimmt, dass zukünftige Ereignisse ihren Schatten vorauswerfen, so hinterlassen zurückliegende Ereignisse auf jeden Fall einen Abdruck.“

Fazit

Im Großen und Ganzen fand ich die Handlung sehr spannend beschrieben. Die Idee und auch die Umsetzung lassen wenig Raum für eine negative Bewertung. Dennoch entspricht das Buch nicht ganz meinem Geschmack, da mir Hexerei, aufgrund meines geringen Interesses dafür, einfach nicht liegt. Ich grusele mich aber gern, weswegen ich oft sehr gespannt war, wie es mit den Ermittlungen voran geht. Für alle, die gerne dickere Bücher lesen, Fantasy mögen und sich gerne gruseln ist Die Frauen von Salem sicher ein gutes Buch.

Rund ums Buch

Die Frauen von Salem • Brunonia Barry • Originaltitel: The Fifth Petal • btb • 2017 • 608 Seiten • Taschenbuch • ISBN: 978-3-442-71436-0 • Preis: €9.99 • Buch kaufen


Mein Dank für das Rezensionsexemplar geht an den btb-Verlag!
Habt ihr schon von dem Buch gehört und kennt ihr weitere Bücher der Autorin?

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24. Oktober 2017

Wolkenschloss

Ich bin seit der Edelsteintrilogie ein sehr großer Fan von Kerstin Gier und somit sehr gespannt gewesen, endlich ihr neustes Buch Wolkenschloss lesen zu können. Wolkenschloss ist wieder ein Jugendbuch, welches mit viel Witz und Liebe geschrieben ist. Hier ist zwar nicht so viel von der Magie spürbar, wie man es von den anderen Jugendbüchern von Kerstin Gier gewohnt ist, doch wird dies durch eine gute Portion Krimi aufgefüllt.

Darum gehts

Fanny ist der Hauptcharakter des Buches und mir sehr sympathisch.  Sie handelt immer aus vollem Herzen heraus und stellt sich selbst hinter die anderen. Sogar ihr Leben. Sie ist 17 Jahre alt, hat gerade die Schule abgebrochen und ist nun Jahrespraktikantin im luxuriösen Wolkenschloss.

Spoilerfreie Rezension

Ich war einige Male sehr beeindruckt von Fanny´s Einfallsreichtum und ihrem Durchhaltevermögen. Wären mir am ersten Tag die Kinder, auf die ich hätte aufpassen müssen, abhanden gekommen, hätte ich definitiv anders reagiert. Die Mitarbeiter im Hotel sind für Fanny wie eine zweite Familie. Sie sind sehr herzlich und immer für sie da. Doch auch diese haben ihre Geheimnisse.

Die Geschichte ist, wie nicht anders von Kerstin Gier zu erwarten war, sehr schön geschrieben. Man konnte sich beim Lesen einfach berieseln lassen und war direkt in der Welt des Wolkenschlosses gefangen, so dass man am liebsten selber dort einchecken mochte.

Einen Kritikpunkt habe ich trotzdem. Ich habe, dafür das es von dieser Autorin ist, relativ lange an dem Buch gelesen, da das Gefühl von gewohnter Gier-Spannung nicht so recht auftreten wollte. Vielleicht habe ich etwas Anderes erwartet. Ich habe auf die Magie gewartet, darauf, dass ich verzaubert werde und eine neue Welt kennen lernen darf.

Zwar habe ich das Wolkenschloss kennengelernt, doch fühlte ich mich da eher so, als würde ich Mäuschen in Fannys leben spielen dürfen. Natürlich habe ich beim Lesen immer wieder auflachen müssen, ich habe mit ihr um ihr Herz gebangt und sie auch in meines geschlossen. Doch konnte ich einfach keinen Moment ausmachen, in dem das Buch ein besonderes wurde.

Zitate aus dem Buch

„Es könnte doch auch sein, dass ihr euch völlig missverstanden habt. Vielleicht hat er gar nicht gemerkt, dass du ihm dein Herz geschenkt hast. Weil du es nur ganz still und heimlich hinter ihm abgelegt hast, anstatt es ihm liebevoll in den Arm zu legen.“

Fazit

Wolkenschloss ist eine süße Geschichte, um sich an einem verregneten Tag mit der Decke auf das Sofa zu kuscheln. Es bringt einem zum Lachen, und man kann mitfiebern. Doch wer etwas lesen möchte, mit dem es einem wie bei der Edelsteintrilogie ergeht, sollte doch zu einem anderen Buch greifen.

Rund ums Buch

Wolkenschloss • Kerstin Gier • Fischer FJB • 2017 • 464 Seiten • Hardcover • ISBN: 978-3-841-44021-1 • Preis: €20.00 • Buch kaufen


Habt ihr „Wolkenschloss“ gelesen und konnte es die Kerstin-Gier-Leser unter euch überzeugen?

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