Deutschland á la française

Deutschland á la Française ist vor wenigen Wochen in meinem Bücherregal eingezogen. Aber nur kurz. Fortan lag es auf meinem Nachttisch, denn ich habe das Buch verschlungen. Pascale Hugues ist Französin und lebt seit über 28 Jahren in Deutschland. Sie ist Korrespondentin und schreibt sowohl für französische, als auch deutsche Zeitungen. In diesem Buch geht es um typisch deutsche und französische Merkmale, die Macht der Sprachen, um Gemeinsamkeiten beider Länder, die Mentalitäten, politische Gegensätze und vor allem um persönliche Anekdoten der Autorin.

Was der Klappentext verrät

C´est la vie in Germany: zwei große Nationen und ihre kleinen Eigenheiten, charmant und witzig aus nächster Nähe beobachtet von Bestsellerautorin Pascale Hugues.

„Zwischen zwei Ländern zu leben heißt, zwei empfindliche kleine Antennen auf dem Kopf zu haben. Ständig registrieren sie die Unterschiede, was hier anders ist als dort. Da ich kein echtes Zuhause mehr habe, sind diese Antennen in beiden Ländern pausenlos aktiv. Sie zeichnen Überraschungen auf, Ticks, Eigenarten, nationale Mythen, Redewendungen, merkwürdige Straßenecken und, warum nicht, Klischées, die man entlarven oder bestätigen möchte. Und oft verlieren meine kleinen Antennen die Orientierung: Was ist deutsch, was ist französisch? Wie kann ich beides auseinanderhalten? Bin ich ein bisschen deutsch geworden? Wahrscheinlich schon.“ 

 

Frankreich hat mich schon immer interessiert. Besonders die Sprache hat es mir angetan. Keine hat diesen unverwechselbaren und charmanten Klang. Für mich persönlich ist es die mit Abstand Schönste und die, der ich am Liebsten lausche. Ich selbst spreche kein französisch. Dennoch lese ich häufig französische Kurzgeschichten, einfach, um die Worte auszusprechen und mich am Klang zu erfreuen. Da ich seit über einem Jahr in der Nähe der französischen Grenze lebe, ist Frankreich mir nun nicht nur geografisch näher, sondern auch im Herzen. Denn durch die kurze Entfernung, konnte ich das Elsass des Öfteren besuchen und bin seit dem ersten Besuch verliebt.

Andere Fehler können wir Franzosen ebenfalls nicht begreifen: ein Minister stürzt, weil er seine Putzfrau schwarz bezahlt. Na und! Bei uns kann man sich glücklich schätzen, wenn der Minister das Zimmermädchen in New York nicht zwingt, ihm einen zu blasen.

Als ich von dem Buch las und das hübsche Cover sah, war ich sofort gewillt, es zu lesen. Ich bin gebürtige Berlinerin und fand den Umstand, dass die französische Autorin seit langem in Berlin lebt, wunderbar. So konnte ich auch einiges über das Berlin erfahren, welches mir aufgrund meines Alters fremd ist und sah viele im Buch erwähnte und mir bekannte Ortschaften vor meinem inneren Auge und fühlte mich in meine Heimat zurück versetzt. Gleichzeitig erfährt man viel über das Elsass: die Herkunft der Autorin und inzwischen auch ein bisschen neue Heimat für mich.

Pascale Hugues schreibt mit sehr viel Humor und Charme. Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage durchgelesen, weil ich es so amüsant und interessant fand. Beim Lesen wird einem bewusst, welch große Unterschiede es zwischen beiden Ländern gibt und wie viele Gemeinsamkeiten Deutschland und Frankreich auch haben. Von Politik, beiden Sprachen, Kultur und Mentalität über persönliche Erlebnisse der Autorin ist alles dabei. Besonders schön finde ich, dass einem Deutschland als Land, als Heimat wieder näher gebracht wird, wenngleich das möglicherweise auch unbewusst geschieht. Unsere im Welt-Vergleich sehr loyale Politik, das Reichtum unserer Sprache und die Vielfalt unserer Geschichte wird deutlich und berührt.

Dem Tischmülleimer stehen Helfer zur Seite: der Mini-Staubsauger, der Tischfeger, der Krümelbesen. Ein ganzes Bataillon technischer Apparate, surrender Motoren, batteriebetriebener Maschinen brummt über den Tisch. Und ich fürchte mich vor dem Tag, an dem ein Dogmatiker des Umweltbundesamtes sich in den Kopf setzen wird, Mülltrennung auf dem Esstisch zu erzwingen: ein grüner Tischmülleimer für den Biomüll, ein gelber für die Joghurt- und Quarkbecher, ein grauer für die Glasflaschen. Nostalgisch denke ich an die unvernünftigen Zeiten zurück, als Hund und Katze sich unter dem Tisch um die Reste stritten.

Gleichsam erfährt man viel über das frühere und heutige Frankreich. Über Kindheitserinnerungen der Autorin an das Elsass, sprachliche Barrieren und die Anfangszeit in Deutschland 1989. Über Korruption, die Unterschiedlichkeit der Sprachen, Mülltrennung und die DDR ist alles dabei. Ein äußerst kluges, humorvolles Buch über zwei Länder, die so viel zu bieten haben und welche man hier neu kennen und lieben lernt.


Deutschland á la française | Pascale Hugues
Rowohlt | 2017 | 208 Seiten | Hardcover
Originaltitel: Was ist das? Chroniques d´uns Française á Berlin | Übersetzung: Elisabeth Thielicke
ISBN: 978-3-498-03032-2 | Preis: €19.95
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Wertung: ★ ★ ★ ★ ★


Ich bedanke mich beim Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar.
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5 thoughts on “Deutschland á la française

  1. Also mir geht es ja mit dem englischen Akzent so, da könnte ich stundenlang zuhören. Freut mich aber, dass dir das Buch so gut gefallen hat und so viele dir bekannter Orte enthielt, dass ist natürlich immer etwas schönes, wenn man liest und die Spielort selbst schon gesehen hat. Dadurch bekommt ein Buch ein ganz anderes Feeling ;).

    Dankeschön, dass hoffe ich auch <3, genauso wie ich natürlich hoffe, dass am Sonntag die Wahlbeteiligung höher als in den vergangenen Jahren liegt.

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