Monatliches Archiv:

August 2017

Mareike Krügel

Sieh mich an

Beim Lesen dieses Buches habe ich die ganze Zeit auf diesen einen fesselnden Moment gehofft, den wir doch alle kennen. Zum Beispiel wie stark die Mutter ist, wie sie alleine mit ihren Kindern zurechtkommt. Doch stattdessen entdeckt sie das Etwas und sieht darin ihr Todesurteil.

Darum gehts

Ein Tag im Leben einer 40-jährigen Frau. Katharina ist Mutter, Ehefrau, fanatische Listenschreiberin und Besitzerin eines Etwas. Dieses Buch handelt von einem einzigen Tag in ihrem Leben. Natürlich ist es ein aufregender Tag, mit viel Chaos und unerwarteten Situationen. Sie muss sich immerhin mit einem abgetrennten Daumen und brennenden Trocknern herumschlagen.

Spoilerfreie Rezension

Noch hinzu kommen viele Anekdoten aus dem Leben der Mutter. Sie erinnert sich immer wieder an ihre Jugend, an das Kennenlernen mit ihrem Mann und an die Zeiten als junge Mutter. Schließlich schaut Katharina ja auch dem Tod ins Auge.

Man könnte meinen, es ist ein Buch über das Leben und den Tod. Eine Geschichte einer toughen, beeindruckenden Frau, die dem Leser ein Vorbild für solche Situationen sein kann. Ich gebe zu, deswegen habe ich mich für dieses Buch entschieden, denn ich habe auf eine beeindruckende, spannende und fesselnde Geschichte gehofft. So fing sie auch an und ich möchte nicht behaupten, dass sie es nicht auch zwischendurch war.

Die Charaktere in diesem Buch sind sehr verschieden und toll durchdacht. Die beiden Kinder zum Beispiel. Der große Bruder hat gerade seine erste Freundin, widmet sich, wie schon seine Mutter, der Musik und weiß genau was er will. Die kleine Schwester ist etwas schwieriger. Schon am Anfang der Geschichte wird man mit ihr konfrontiert und auch mir kamen als erstes die Gedanken an ADHS in den Kopf. Sie ist aufmüpfig, hibbelig und ihre Mutter ist mit ihr völlig überfordert. Noch dazu kommen die Nachbarn, die zwar verrückt aber liebenswert sind.

Von ihrem Ehemann Costas lernt man nur ihre Sicht kennen. Natürlich fällt diese nicht sehr gut aus. Schließlich führen sie eine Wochenendbeziehung und halten diese auch nur durch regelmäßige Streitereien am Leben.

Natürlich betont sie mehrfach, wie schrecklich ihre Mutter und Großmutter schon in jungen Jahren starben. Deshalb traut sie sich nicht zum Arzt. Ihr Mann weiß auch nichts von dieser Vergangenheit und sie weiß ja schon was auf sie zukommen wird. Chemo, Bestrahlung, Glatze – das dieses Etwas auch einfach nur ein harmloser Knoten sein könnte, kommt ihr nicht einmal in den Sinn.

Unter anderen ist dies auch der Grund, warum ich so lange an diesem Buch gesessen habe. Trotz der geringen Seitenzahl habe ich ewig gebraucht, es zu lesen. Ich habe kein Interesse gehabt, zu wissen, wie es weitergeht. Immer wenn es spannend wurde, wurde eine elend lange Nebengeschichte eingeworfen, die meistens nichts mehr mit der eigentlichen Handlung zu tun hatte. Oder aber die Protagonistin hat sich ihren Tod vorgestellt. Für mich unbegreiflich, wie man mit zwei Kindern so egoistisch sein kann, denn auch das Thema Selbstmord ging ihr des Öfteren durch den Kopf.

Was ich aber dennoch einwerfen möchte ist, dass dieses Buch in Schleswig-Holstein spielt. Die Protagonistin lebte damals in Lübeck und heute in Kiel. Auch Flensburg (die Stadt in der ich lebe), Leck und ein bisschen Dänemark kommen vor, was mich zwischendurch wieder ein bisschen aufwecken konnte.

Zitate aus dem Buch

„Ich werde nach und nach weniger werden, mich immer mehr von der Person entfernen, die ich jetzt bin. Und irgendwann werden auch die anderen einsehen und begreifen, was mir jetzt schon klar ist, weil es verborgen in meinem Inneren längst schon begonnen hat: dass es ans Sterben geht.“

„So wie Helli zwischen Wut und Eifer, höchster Freude und tiefster Verzweiflung, guten Absichten und finsteren Racheplänen hin- und herpendelte, so sauste ich wie eine Flipperkugel zwischen meinen Gefühlen ihr gegenüber herum.“

„Ich sehe mich selbst auf der Bettkante sitzen, und ich sehe die Entschlossenheit in meinem Körper, die Leere in meinem Blick, und ich weiß, dass es dort tatsächlich hätte zu Ende sein können, dass ein düsterer, tragischer Teil meiner selbst, ganz ironiefrei zu allem bereit gewesen ist.“

Fazit

Zusammengefasst ist es ein Buch, welches ich leider nicht weiterempfehlen würde. Natürlich hat es witzige, spannende und erfrischende Stellen (wer ist schließlich nicht von einem abgetrennten Daumen gefesselt?), doch haben mich ihre Sturheit und die ewigen Anekdoten einfach zu sehr genervt.

Rund ums Buch

Sieh mich an • Mareike Krügel • Piper • 2017 • 256 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • ISBN: 978-3-492-05855-1 • Preis: €20.00 • Buch kaufen


Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Piper Verlag und Vorablesen zur Verfügung gestellt.
Interessiert euch diese Thematik?

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Lauren Oliver

Als ich Dich suchte

Als ich Dich suchte hat mich bereits das erste Mal im Buchladen angelächelt, als es Anfang des Jahres erschien. Aber so richtig durchringen, es letztendlich zu kaufen, konnte ich mich nicht. Da ich regelmäßig auf arvelle unterwegs bin, das ist ein wunderbares Buch-Portal, welches Mängelexemplare zu günstigen Preisen vertreibt, werde ich regelmäßig auf Bestseller und Neuheiten aufmerksam. Und da fand ich das Buch wieder. Das Cover finde ich wunderschön. Die Farbgebung, die aussergewöhnliche Schrift und der Klappentext haben es mir dann leicht gemacht, das Buch bei mir einziehen zu lassen.

Darum gehts

Die Schwestern Nick und Dara könnten unterschiedlicher nicht sein, aber dennoch sind sie nicht zu trennen. Doch nachdem Dara Parker, den besten Freund Nick küsst, ist es zunächst vorbei mit den Beiden.  Sie sprechen nicht mehr miteinander. An ihrem Geburtstag verschwindet Dara spurlos. Und da sie schon das zweite Mädchen ist, das in der Gegend vermisst wird, bekommt es Nick mit der Angst zu tun. Sie muss ihre Schwester finden.

Spoilerfreie Rezension

Da ich selbst große Schwester bin, fand ich einen Familien-Roman besonders ansprechend. Denn davon habe ich bislang sehr wenige gelesen. Wahrscheinlich sind es kaum mehr als eine Handvoll. Es wurde also Zeit. Ich war zu Beginn etwas verwirrt, weil ich mit dem Namen „Nick“ immer einen Mann verband und erst einmal verinnerlichen musste, dass es sich hierbei um ein Mädchen handelt. Zauberhaft schön finde ich den Anfang des Buches, genauer gesagt Seite 7. In diesem Text fand ich mich selbst wieder und hätte diese Zeilen nicht besser formulieren können (siehe Zitat).

Der Schreibstil der bekannten Autorin Lauren Oliver spricht mich grundsätzlich sehr an. Ich mag ihre einfachen, dennoch durchdachten und wortgewandten Texte. Nick und Dara sind Schwestern, was die beiden stark miteinander verbindet, sie sind aber ebenso Freunde. Leider kommt es zum großen Krach zwischen den Beiden, in deren Verlauf sie sich „verlieren“.  Das fand ich beim Lesen sehr tragisch, vor allem, weil es mir so sinnlos erscheint. Der Grund viel zu belanglos, dafür dass die beiden Schwestern sind. Dennoch hat mich die Geschichte sehr mitgenommen und emotional auch berührt. Die Suche nach Dara ist teils beängstigend und teils sehr beklemmend. Es ist ein furchtbarer Gedanke, wenn ein Familienmitglied vermisst wird.

Schon weil es hier nicht um einen klassischen Liebesroman geht, sondern viel mehr um die Geschichte zweier Schwestern, hat das Buch mich gefangen. Ich war ziemlich schnell durch mit den 368 Seiten und am Ende durchaus traurig, dass es vorbei war.

Zitat aus dem Buch

„Das Komische daran, beinahe gestorben zu sein, ist, dass anschließend alle meinen, du müsstest ununterbrochen auf dem Glückstrip sein, Schmetterlinge im grünen Gras nachjagen oder in jeder Ölpfütze auf dem Highway einen Regenbogen entdecken. „Es ist ein Wunder“, sagen sie dann mit erwartungsvollem Blick, als hättest du ein großes Geschenk erhalten, und wehe, du enttäuschst Oma und schneidest eine Grimasse, wenn du das Paket auspackst und einen unförmigen, ausgeleierten Pullover darin findest. So ähnlich ist das ganze Leben: voller Löcher, ausgefranster Stellen, Möglichkeiten, hängenzubleiben. Unbequem und kratzig. Ein Geschenk, um das du nie gebeten hast, das du dir nie gewünscht hast, nie haben wolltest. Ein Geschenk, von dem alle erwarten, du müsstest es gerne tragen, Tag für Tag, selbst wenn du lieber im Bett bleiben und nichts tun würdest. Die Wahrheit ist: Man braucht keinerlei Talent dafür, beinahe zu sterben, genauso wenig wie dafür, beinahe zu leben.“

Fazit

Manche Stellen sind mir etwas zu stumpf , insgesamt kann ich euch das Buch aber unbedingt ans Herz legen, was ich hiermit tue.

Rund ums Buch

Als ich Dich suchte • Lauren Oliver • Carlsen • 2017 • 368 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • Originaltitel: Vanishing Girls • Übersetzung: Katharina Diestelmeier • ISBN: 978-355-158-351-2 • Preis: €19.99 • Buch kaufen


Wie hat euch „Als ich Dich suchte“ gefallen und wollen die, die es noch nicht kennen, das Buch noch lesen?

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