Sieh mich an von Mareike Krügel

 *Rezensionsexemplar  

Beim Lesen dieses Buches habe ich die ganze Zeit auf diesen einen fesselnden Moment gehofft, den wir doch alle kennen. Zum Beispiel wie stark die Mutter ist, wie sie alleine mit ihren Kindern zurechtkommt. Doch stattdessen entdeckt sie das Etwas und sieht darin ihr Todesurteil.

Mareike Krügel
Sieh mich an
Roman
1. August 2017
Piper Taschenbuch, 256 Seiten
€ 20.00 
ISBN 978-3-492-05855-1

Klappentext

Man kann ja nicht einfach sterben, wenn die Dinge noch ungeklärt sind. Das denkt Katharina, seit sie vor Kurzem das Etwas in ihrer Brust entdeckt hat. Niemand weiß davon und das ist auch gut so. Denn an diesem Wochenende soll ein letztes Mal alles wie immer sein. Und so entrollt sich das Chaos eines ganz normalen Freitags vor ihr. Während sie aber einen abgetrennten Daumen versorgt, ihren brennenden Trockner löscht und sich auf den emotional nicht unbedenklichen Besuch eines Studienfreundes vorbereitet, beginnt ihr Vorsatz zu bröckeln und sie stellt sich große Fragen: Ist alles so geworden, wie sie wollte? Ihre Musik, ihre Kinder, ihre Ehe mit dem in letzter Zeit viel zu abwesenden Costas? Als der Tag fast zu Ende ist, beschließ sie, endlich ihr Geheimnis mit jemanden zu teilen, den sie liebt. 

Ein Tag im Leben einer 40-jährigen Frau. Katharina ist Mutter, Ehefrau, fanatische Listenschreiberin und Besitzerin eines Etwas. Dieses Buch handelt von einem einzigen Tag in ihrem Leben. Natürlich ist es ein aufregender Tag, mit viel Chaos und unerwarteten Situationen. Wie schon im Klappentext verraten, muss sie sich mit abgetrennten Daumen und brennenden Trocknern herumschlagen. Anders könnte man diese Seitenzahl auch nicht füllen.

Noch hinzu kommen viele Anekdoten aus dem Leben der Mutter. Sie erinnert sich immer wieder an ihre Jugend, an das Kennenlernen mit ihrem Mann und an die Zeiten als junge Mutter. Schließlich schaut Katharina ja auch dem Tod ins Auge.

Man könnte meinen, es ist ein Buch über das Leben und den Tod. Eine Geschichte einer toughen, beeindruckenden Frau, die dem Leser ein Vorbild für solche Situationen sein kann. Ich gebe zu, deswegen habe ich mich für dieses Buch entschieden, denn ich habe auf eine beeindruckende, spannende und fesselnde Geschichte gehofft. So fing sie auch an und ich möchte nicht behaupten, dass sie es nicht auch zwischendurch war.

Die Charaktere in diesem Buch sind sehr verschieden und toll durchdacht. Die beiden Kinder zum Beispiel. Der große Bruder hat gerade seine erste Freundin, widmet sich, wie schon seine Mutter, der Musik und weiß genau was er will. Die kleine Schwester ist etwas schwieriger. Schon am Anfang der Geschichte wird man mit ihr konfrontiert und auch mir kamen als erstes die Gedanken an ADHS in den Kopf. Sie ist aufmüpfig, hibbelig und ihre Mutter ist mit ihr völlig überfordert. Noch dazu kommen die Nachbarn, die zwar verrückt aber liebenswert sind.

Ich werde nach und nach weniger werden, mich immer mehr von der Person entfernen, die ich jetzt bin. Und irgendwann werden auch die anderen einsehen und begreifen, was mir jetzt schon klar ist, weil es verborgen in meinem Inneren längst schon begonnen hat: dass es ans Sterben geht.

Von ihrem Ehemann Costas lernt man nur ihre Sicht kennen. Natürlich fällt diese nicht sehr gut aus. Schließlich führen sie eine Wochenendbeziehung und halten diese auch nur durch regelmäßige Streitereien am Leben.

Natürlich betont sie mehrfach, wie schrecklich ihre Mutter und Großmutter schon in jungen Jahren starben. Deshalb traut sie sich nicht zum Arzt. Ihr Mann weiß auch nichts von dieser Vergangenheit und sie weiß ja schon was auf sie zukommen wird. Chemo, Bestrahlung, Glatze – das dieses Etwas auch einfach nur ein harmloser Knoten sein könnte, kommt ihr nicht einmal in den Sinn.

So wie Helli zwischen Wut und Eifer, höchster Freude und tiefster Verzweiflung, guten Absichten und finsteren Racheplänen hin- und herpendelte, so sauste ich wie eine Flipperkugel zwischen meinen Gefühlen ihr gegenüber herum.

Unter anderen ist dies auch der Grund, warum ich so lange an diesem Buch gesessen habe. Trotz der geringen Seitenzahl habe ich ewig gebraucht, es zu lesen. Ich habe kein Interesse gehabt, zu wissen, wie es weitergeht. Immer wenn es spannend wurde, wurde eine elend lange Nebengeschichte eingeworfen, die meistens nichts mehr mit der eigentlichen Handlung zu tun hatte. Oder aber die Protagonistin hat sich ihren Tod vorgestellt. Für mich unbegreiflich, wie man mit zwei Kindern so egoistisch sein kann, denn auch das Thema Selbstmord ging ihr des Öfteren durch den Kopf.

Zusammengefasst ist es ein Buch, welches ich leider nicht weiterempfehlen würde. Natürlich hat es witzige, spannende und erfrischende Stellen (wer ist schließlich nicht von einem abgetrennten Daumen gefesselt?), doch haben mich ihre Sturheit und die ewigen Anekdoten einfach zu sehr genervt.

Ich sehe mich selbst auf der Bettkante sitzen, und ich sehe die Entschlossenheit in meinem Körper, die Leere in meinem Blick, und ich weiß, dass es dort tatsächlich hätte zu Ende sein können, dass ein düsterer, tragischer Teil meiner selbst, ganz ironiefrei zu allem bereit gewesen ist.

Was ich aber dennoch einwerfen möchte ist, dass dieses Buch in Schleswig-Holstein spielt. Die Protagonistin lebte damals in Lübeck und heute in Kiel. Auch Flensburg (die Stadt in der ich lebe), Leck und ein bisschen Dänemark kommen vor, was mich zwischendurch wieder ein bisschen aufwecken konnte.

Interessiert euch diese Thematik?

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Ich bin Jenni, fünfundzwanzig Jahre alt und komme aus dem hohen Norden. Wo andere ihre Punkte sammeln, sammle ich Bücher. Außerdem bin ich Mitbewohnerin von drei kleinen Kätzchen. Meine Liebe zu Büchern entstand erst vor einigen Jahren. Durch eine tolle Freundin, wurde mir eine neue Welt eröffnet, die ich nicht wieder verlassen möchte. Am Liebsten lese ich Jugend- und Fantasybücher. Neben meinem Studium darf ich außerdem in einem Buchladen arbeiten. Zwar bleibt am Ende nickt viel von meinem Lohn über, doch wer könnte sich da schon zusammen reißen?!

5 comments

  1. Christine

    Ich habe vor kurzem schon in einer Zeitschrift etwas über das Buch gelesen und fand die Thematik eigentlich sehr interessant. Nur haben es solche Bücher auf oftmals an sich, dass sie mich dann vom Thema her reizen würden, der Stil oder die Geschichte an sich dann allerdings arg ziehen…
    Dein Eindruck bestätigt mich dann leider doch eher darin die Finger davon zu lassen.

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    1. Neri

      Manchmal hapert es dennoch an der Umsetzung. Aber jeder hat ja eine andere Auffassung.

      Reply
  2. Yvonne

    Hach. Schön. Neri <3
    Ich hab Dich wieder gefunden!!
    Nach der Rückkehr aus meinem Urlaub war Dein Blog leider einfach weg :/
    Ganz liebe Grüße, Yvonne

    Reply
    1. Neri

      Oh, wie toll! Schön, dass Du mich gefunden hast, liebe Yvonne! Ich habe Dir auch geschrieben und freue mich, dass Du nun auf Leselaunen gestoßen bist!

      Reply
  3. -Leselust Bücherblog-

    Hallo Jenni,
    Von dem Buch habe ich bisher nur Gutes gehört und finde es sehr erfrischend, jetzt auch mal eine etwas kritische Stimme zu hören. Deine Bewertung macht mich jetzt noch neugieriger auf das Buch. Scheint so, als müsste ich mir selbst eine Meinung bilden. Und dass das Buch in SH spielt, ist natürlich noch ein zusätzlicher Anreiz. 😉
    Danke für die schöne und differenzierte Buchvorstellung.
    Liebe Grüße, Julia

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