Wir Tiere

Ich freue mich sehr darüber, heute ein Buch rezensieren zu dürfen, welches mir von Randomhouse zur Verfügung gestellt wurde. Dabei handelt es sich um Wir Tiere von Justin Torres. Das Interesse am Buch hat sich durch die Handlung selbst ergeben. Ich fand den Klappentext schon sehr faszinierend und wusste, dass es sich um ein kluges Buch handeln musste. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Das verrät der Klappentext

Wir wollten mehr. Wir schlugen mit den Löffeln gegen die leeren Schüsseln; wir waren hungrig. Wir wollten mehr Krach, mehr Spaß. Wir wollten Beats; wir wollten Rock. Wir wollten Muskeln an unseren dürren Armen. Wir hatten Vogelknochen, hohl und leicht, und wir wollten mehr Gewicht. Wir waren sechs schnappende Hände, sechs trampelnde Füße; wir waren Brüder im Kampf um mehr.


Beim Klappentext bleibt vieles offen. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Man weiß lediglich, dass es sich um Brüder handelt, welche die Geschichte erzählen, die Handlung bestimmen. Und man ahnt, zumindest ging es mir so, dass es wild wird. Wild und laut und leidenschaftlich. Wir Tiere erzählt von der Kindheit dreier Brüder. Die Mutter ist eine Weiße, der Vater Puerto-Ricaner. Beide stammen aus Brooklyn. Die Eltern streiten sich und sie verstehen sich. Es ist mal fröhlich und heiter, mal bitter und ernst.

Trotz der Kürze des Buches (168 Seiten), baut der Autor auf viel Tiefgründigkeit. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des jüngsten Bruders. Er ist zu Beginn sechs Jahre alt und bleibt im Buch namenlos. Seine älteren Brüder Joel und Manny hingegen werden namentlich erwähnt. Durch die starken und teilweise aggressiven Auseinandersetzungen der Eltern untereinander, was den Kindern nicht vorenthalten bleibt, gehen auch diese häufig gewalttätig miteinander um. Zum Ende hin wird aus dem „wir“ ein „ich“ und so hinterließ das Buch Spuren in meinem Herzen.

Ma setzte sich auf die Bettkante, atmete laut und langsam und verzieh mir. Sie rief mich, ich solle mich auf ihren Schoß setzen, ich gehorchte, und wir atmeten zusammen. Dann sang Ma mein Lieblingslied, eins über eine Frau mit Federn und Orangen und Jesus Christus, der übers Wasser wandelt. Mein Kopf reichte bis an ihre Schulter, aber sie wiegte mich und summte dort, wo sie die Wörter vergessen hatte. „Versprich mir“, sagte sie, „versprich mir, dass du immer sechs bleibst“. „Wie denn?“ – „Ganz einfach. Du bist nicht sieben; du bist sechs plus eins. Und nächstes Jahr wirst du sechs plus zwei. Einfach so, für immer“.

Der Schreibstil von Justin Torres liest sich flüssig und klar. Durch viele detaillierte Beschreibungen, gelingt es ihm, die Handlungen der Kinder sehr lebendig zu gestalten, sodass ich mich in die Geschichte gut hineinversetzen konnte. Gleichzeitig schreibt er sehr klug und tiefgründig, weswegen ich das Buch kaum weglegen konnte. Viele Passagen habe ich zwei oder dreimal gelesen, um die Stimmung in mich aufzunehmen. Mir gefällt die Länge der Kapitel, die recht überschaubar sind. Das macht das Lesen aber sehr angenehm. Jedes Kapitel hat einen eigenen Titel, welcher einen Hinweis auf den Inhalt darstellt. Der Autor macht auf gesellschaftskritische Themen wie Gewalt in der Familie, Armut, Rassismus und Sexualität aufmerksam. Dies gibt der Geschichte ihren Charakter.

Das Ende hat mich völlig überrascht. Und gleichzeitig wahnsinnig betrübt. Es ist aber alles in allem ein Ende, welches begeistert. Weil es bei mir als Leserin einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, nicht so schnell in Vergessenheit gerät. Für alle, die etwas härtere Kost ertragen, ist es sicher ein interessantes und faszinierendes Buch.


Ich bedanke mich beim btb-Verlag und Randomhouse für das Rezensionsexemplar!
Könnte euch das Buch gefallen oder kennt ihr es bereits?

Informationen zum Buch

Wir Tiere • Justin Torres • btb • 2015 • 168 Seiten • Taschenbuch • Originaltitel: We, the animals • Übersetzung: Peter Torberg • ISBN: 978-3-442-74955-3 • Preis: €9.99 • Buch kaufen

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Eine Ewigkeit ohne Dich

Das Buch Eine Ewigkeit ohne Dich durfte ich im Rahmen einer Leserunde bei Instagram lesen. Zuvor habe ich die Autorin Jill Noll, wenn auch nur durch Nachrichten, kennenlernen dürfen, weswegen hier in Zukunft noch öfter Beiträge zu ihr und ihren Büchern kommen werden – seid also gespannt!

Das verrät der Klappentext

Bevor eine zunächst harmlose Nacht für die 17-jährige Ava zu einem schrecklichen Alptraum werden kann, taucht ein mysteriöser Retter auf. In seiner Gegenwart erwachen Gefühle in Ava, die sie noch nie zuvor gespürt hat. Und auch Lio, ihren Retter, scheint es immer wieder in ihre Nähe zu ziehen. Doch obwohl sie beide es mehr wollen als alles andere, können sie nicht zusammen sein. Denn ein Geheimnis steht zwischen ihnen. Größer und älter als Ava es sich jemals ausmalen könnte.


Der Schreibstil ist flüssig und unglaublich angenehm zu lesen. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive erzählt, was es, wie ich finde, noch einfacher macht. Ich weiß, dieses Buch hat nicht viele Seiten, doch habe ich diese einfach nur so weggelesen. Zum Schluss habe ich mich selbst ein wenig stoppen müssen, weil ich einfach nicht wollte, dass die Geschichte endet.

Doch dann grinste er mich an. „Du hast von mir geträumt? Und deine Fantasie hat mich doch noch zu so was wie einem Superhelden gemacht?“ Er blieb kurz stehen und musterte mich. „Das gefällt mir beides ziemlich gut.“

Es beginnt mit einem ganz normalen Tag im Leben eines Teenagers. Das erste Date, das erste Mal verknallt und eine Protagonistin, die sich erfrischender Weise ihr Alter entsprechen benimmt. Sie ist unsicher, aufgeregt und ein echter kleiner Trottel. Ich finde, dass gerade in Jugendbüchern die Protagonistinnen gerne stark und selbstbewusst rüberkommen. Natürlich sollen die Leser auch eine Art Vorbild darin erkennen, doch finde ich die Entwicklung, die Ava in diesem Buch durchläuft noch viel motivierender. Dazu aber später mehr.

Es gab so vieles, was ich noch nicht wusste… Vage nahm ich wahr, wie mein Körper nach und nach zu kribbeln begann und die Gedanken in meinem Kopf immer wirrer wurden. Kaum noch greifbar. Bis ich schließlich wegdämmerte.

Wie schon im Klappentext verraten, verläuft dieses erste Date nicht wie erwartet. Ganz im Gegenteil. Das Wort Alptraum trifft es ziemlich genau und Jill hat es so präzise in Worte fassen können, dass ich sogar Angst hatte, weiter zu lesen. Zum Glück kommt der geheimnisvolle Retter Lio zur Hilfe und so konnte auch ich wieder aufatmen.

Natürlich gibt es noch mehr Charaktere. Avas beste Freundin zum Beispiel. Jess ist ein typisches Mädchen, die viel mehr Erfahrung hat und Ava mit Rat und Tat beiseite steht. Sie ist ein richtiger Fels in der Brandung. Avas Eltern halten sich in der Geschichte sehr zurück, was ich zwar am Anfang etwas fragwürdig fand, doch nimmt es im Laufe des Buches einen gute Form an und lässt mich auch ein paar Vermutungen anstellen.


Ich bedanke mich bei Jill Noll für das Rezensionsexemplar!
Dieses Buch ist wirklich empfehlenswert und für alle, die Jill Noll noch nicht kennen, holt es unbedingt nach, es lohnt sich!

Informationen zum Buch

Eine Ewigkeit ohne Dich • Jill Noll 2017 • 320 Seiten • Taschenbuch • ISBN: 978-3-947-33600-5 • Preis: €9.99 • Buch kaufen

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Sieben Jahre später

Es gibt Bücher, die tun es einem einfach an . Sofort. So erging es mir gestern. Innerhalb von fünf Stunden hatte ich den Roman Sieben Jahre später von Guillaume Musso durch. Das ist für mich wahrlich Rekordzeit. Ich muss zugeben, dass ich im Zug saß und sich die Strecke von Berlin nach Freiburg wahnsinnig zieht und lesen da eine willkommene Ablenkung ist, dennoch hat es ein Buch lange nicht geschafft, dass ich unbedingt dran bleiben wollte. Ich war richtig traurig, als ich „schon“ in Mannheim mit dem Buch fertig war und die folgenden anderthalb Stunden nicht mehr weiterlesen konnte. Es handelt sich bei Sieben Jahre später um einen Spontankauf, weshalb ich umso glücklicher war, dass es mir so gut gefiel.

Das verrät der Klappentext

Nikki und Sebastian sind geschieden – und glücklich darüber. Doch als ihr Sohn Jeremy spurlos verschwindet, müssen sie sich zusammen auf die Suche nach ihm machen. Auf ihrer atemlosen Verfolgungsjagd stellen sie sich den schwierigsten Herausforderungen: rätselhaften Botschaften, skrupellosen Gegnern – und ihren eigenen Gefühlen.


Um einmal beim Cover anzufangen; es ist so gelungen. Ich mag die Fotografie auf Vorder-und Rückseite. Am Anfang des Buches,  Im inneren, kann man außerdem die Seiten aufklappen, sodass zum Einen die Sicht von Nikki, als auch die von Sebastian deutlich wird. Das ist hier wirklich sehr schön gemacht. Die Kapitel sind sehr kurz, was mir besonders gefiel. Denn es fällt mir so viel leichter ein Buch zu lesen. Wenn die einzelnen Kapitel sich zu sehr in die Länge ziehen, bin ich schnell raus und hier war es möglich, die sehr kurzen Abschnitte zu verinnerlichen und so nicht den Handlungsstrang zu verlieren.

Die Idee, die hinter der Handlung steckt, finde ich außergewöhnlich und sehr gut umgesetzt. Nikki und Sebastian könnten nicht unterschiedlicher sein. Beide leben im amerikanischen New York, haben sich aber seit sieben Jahren nicht mehr gesehen. Und das, obwohl sie Zwillinge haben. Jeremy und Camille. Während der Sohn bei seiner Mutter lebt, wohnt Camille bei Sebastian. Beide führen sehr gegensätzliche Leben. Sebastian ist ein erfolgreicher und weltbekannter Geigenbauer, während Nikki sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Er legt großen Wert auf Regeln, kontrolliert sogar das Handy seiner Tochter und ortet diese, während Jeremy bei Nikki viele Freiheiten genießt. Camille ist auf einer anerkannten Schule, geht  mit ihrem Vater regelmäßig auf kulturelle Veranstaltungen und wird in ihren Talenten gefördert. Jeremy hingegen interessiert sich für Poker und Graffiti.

Er verstand die Menschen nicht mehr, er verstand die Jugend nicht mehr, er verstand die Welt nicht mehr. Alles brachte ihn zur Verzweiflung und erschreckte ihn. Die Welt tanzte am Rande des Abgrunds, überall lauerte Gefahr.

Die familiäre Situation hat mich sehr berührt. Denn Zwillinge zu trennen, finde ich sehr bedenklich. Die Vorstellung von meiner Schwester- und wir sind keine Zwillinge- getrennt aufzuwachsen, stelle ich mir im Nachhinein schrecklich vor. Nikki wurde von Sebastian nach der Trennung vor vollendete Tatsachen gestellt. Und bevor sie beide Kinder verlieren würde, entschied sie sich dafür, dass Jeremy bei ihr leben würde und Camille bei Sebastian. Eine sehr harte Entscheidung. Im Buch wird immer wieder deutlich, dass Camille ihrem Vater viel näher steht. Was kein Wunder ist, denn Jeremy lebt bei seiner Mutter. Dennoch finde ich es sehr emotional zu sehen, wie wenig Sebastian von seinem Sohn weiß und dass er ihn immer mit seiner Mutter in Verbindung bringt, die er nicht mehr sehen will. Somit ist auch das Verhältnis zwischen Vater und Sohn äußerst angespannt. Sebastian scheint, bis Jeremy verschwindet, kein großes Interesse an seinem Sohn zu haben.

Nikki und Sebastian sind sich 1996 das erste Mal  begegnet. Zur Weihnachtszeit in einem New Yorker Einkaufszentrum. Dort wollte Nikki gerade einen Kaufhausdiebstahl begehen, als Sebastian sie dabei sah und  sich auf den ersten Blick in sie verliebte. Einige Zeit später treffen sich beide in Paris wieder und es beginnt eine leidenschaftliche Liaison. Das Einzige, was Nikki und Sebastian allerdings miteinander verbindet ist ein Buch, das beide sehr mögen. In allen anderen Bereichen finden sich keinerlei Gemeinsamkeiten. Für mich grenzte es deshalb an ein Wunder, dass die Beiden überhaupt ein Paar wurden und Kinder bekamen. Aber genau das ist es wohl, was diese rührende Geschichte so besonders macht.

Eines Morgens sind wir fischen gegangen, nur wir beide, und er hat mir erzählt, wie er meine Mutter kennen gelernt hat. Warum er sich unsterblich in sie verliebt hat, wie er ihr nach Paris gefolgt ist und wie es ihm gelungen ist, sie zu erobern. Ich erinnere mich an den Satz „Wenn du jemanden wirklich liebst, ist keine Festung uneinnehmbar“. Das klingt gut, aber ich bin nicht sicher, dass es stimmt.

Ich darf an dieser Stelle nicht vergessen zu erwähnen, dass das Buch eigentlich das Thriller-Genre bedient. Das vergaß ich beim Lesen aber immer wieder. Die gemeinsame Suche nach dem Sohn Jeremy, der offenbar in großen Schwierigkeiten steckt, bringt die Eltern einander wieder näher. Gewalt und Mord spielen in Sieben Jahre später auch eine Rolle. Für mich war die Liebesgeschichte von Nikki und Sebastian jedoch die eigentliche Handlung. Sie stehen vor der schwierigen Aufgabe, an einem Strang zu ziehen, obwohl sie nichts mehr füreinander übrig haben und müssen sich sehr gefährlichen und halsbrecherischen Aktionen aussetzen um ihren Sohn wieder zu finden. Und dann verschwindet auch noch Camille.

Ich möchte euch das Buch wirklich empfehlen. Es ist so authentisch, sehr emotional und nahm mich sofort für sich ein. Die sehr bittere Geschichte, die am Anfang heftigen Dialoge zwischen Nikki und Sebastian, das Verschwinden von Jeremy und was am Ende hinter allem steckt, ist sehr bewegend. Guillaume Musso schafft es, einen spannenden Thriller zu schreiben, in dem die Liebesgeschichte überwiegt. Mit viel Action und ebenso viel Romantik ist ein grandioses Buch gelungen.


Habt ihr „Sieben Jahre später“ gelesen und wie gefiel es euch?

Informationen zum Buch

Sieben Jahre später • Guillaume Musso • Pendo • 2013 • 416 Seiten • Taschenbuch • Originaltitel: 7 ans aprés • Übersetzung: Eliane Hagedorn, Bettina Runge • ISBN: 978-3-86612-317-5 • Preis: €14.99 • Buch kaufen

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