August2017

Wir Tiere

Ich freue mich sehr darüber, heute ein Buch rezensieren zu dürfen, welches mir von Randomhouse zur Verfügung gestellt wurde. Dabei handelt es sich um Wir Tiere von Justin Torres. Das Interesse am Buch hat sich durch die Handlung selbst ergeben. Ich fand den Klappentext schon sehr faszinierend und wusste, dass es sich um ein kluges Buch handeln musste. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Darum gehts

Wir Tiere erzählt von der Kindheit dreier Brüder. Die Mutter ist eine Weiße, der Vater Puerto-Ricaner. Beide stammen aus Brooklyn. Die Eltern streiten sich und sie verstehen sich. Es ist mal fröhlich und heiter, mal bitter und ernst.

Spoilerfreie Rezension

Beim Klappentext bleibt vieles offen. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Man weiß lediglich, dass es sich um Brüder handelt, welche die Geschichte erzählen, die Handlung bestimmen. Und man ahnt, zumindest ging es mir so, dass es wild wird. Wild und laut und leidenschaftlich.

Trotz der Kürze des Buches (168 Seiten), baut der Autor auf viel Tiefgründigkeit. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des jüngsten Bruders. Er ist zu Beginn sechs Jahre alt und bleibt im Buch namenlos. Seine älteren Brüder Joel und Manny hingegen werden namentlich erwähnt. Durch die starken und teilweise aggressiven Auseinandersetzungen der Eltern untereinander, was den Kindern nicht vorenthalten bleibt, gehen auch diese häufig gewalttätig miteinander um. Zum Ende hin wird aus dem „wir“ ein „ich“ und so hinterließ das Buch Spuren in meinem Herzen.

Der Schreibstil von Justin Torres liest sich flüssig und klar. Durch viele detaillierte Beschreibungen, gelingt es ihm, die Handlungen der Kinder sehr lebendig zu gestalten, sodass ich mich in die Geschichte gut hineinversetzen konnte. Gleichzeitig schreibt er sehr klug und tiefgründig, weswegen ich das Buch kaum weglegen konnte. Viele Passagen habe ich zwei oder dreimal gelesen, um die Stimmung in mich aufzunehmen. Mir gefällt die Länge der Kapitel, die recht überschaubar sind. Das macht das Lesen aber sehr angenehm. Jedes Kapitel hat einen eigenen Titel, welcher einen Hinweis auf den Inhalt darstellt. Der Autor macht auf gesellschaftskritische Themen wie Gewalt in der Familie, Armut, Rassismus und Sexualität aufmerksam. Dies gibt der Geschichte ihren Charakter.

Zitat aus dem Buch

„Ma setzte sich auf die Bettkante, atmete laut und langsam und verzieh mir. Sie rief mich, ich solle mich auf ihren Schoß setzen, ich gehorchte, und wir atmeten zusammen. Dann sang Ma mein Lieblingslied, eins über eine Frau mit Federn und Orangen und Jesus Christus, der übers Wasser wandelt. Mein Kopf reichte bis an ihre Schulter, aber sie wiegte mich und summte dort, wo sie die Wörter vergessen hatte. „Versprich mir“, sagte sie, „versprich mir, dass du immer sechs bleibst“. „Wie denn?“ – „Ganz einfach. Du bist nicht sieben; du bist sechs plus eins. Und nächstes Jahr wirst du sechs plus zwei. Einfach so, für immer“.

Fazit

Das Ende hat mich völlig überrascht. Und gleichzeitig wahnsinnig betrübt. Es ist aber alles in allem ein Ende, welches begeistert. Weil es bei mir als Leserin einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, nicht so schnell in Vergessenheit gerät. Für alle, die etwas härtere Kost ertragen, ist es sicher ein interessantes und faszinierendes Buch.

Informationen zum Buch

Wir Tiere • Justin Torres • btb • 2015 • 168 Seiten • Taschenbuch • Originaltitel: We, the animals • Übersetzung: Peter Torberg • ISBN: 978-3-442-74955-3 • Preis: €9.99 • Buch kaufen


Ich bedanke mich beim btb-Verlag und Randomhouse für das Rezensionsexemplar!
Könnte euch das Buch gefallen oder kennt ihr es bereits?

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Eine Ewigkeit ohne Dich

Das Buch Eine Ewigkeit ohne Dich durfte ich im Rahmen einer Leserunde bei Instagram lesen. Zuvor habe ich die Autorin Jill Noll, wenn auch nur durch Nachrichten, kennenlernen dürfen, weswegen hier in Zukunft noch öfter Beiträge zu ihr und ihren Büchern kommen werden – seid also gespannt!

Darum gehts

Ava ist siebzehn Jahre alt. Nach einer schrecklichen Nacht taucht ihr mysteriöser Retter auf. Beide wollen nichts mehr, als zusammen zu sein und genau das gestaltet sich schwierig.

Spoilerfreie Rezension

Der Schreibstil ist flüssig und unglaublich angenehm zu lesen. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive erzählt, was es, wie ich finde, noch einfacher macht. Ich weiß, dieses Buch hat nicht viele Seiten, doch habe ich diese einfach nur so weggelesen. Zum Schluss habe ich mich selbst ein wenig stoppen müssen, weil ich einfach nicht wollte, dass die Geschichte endet.

Es beginnt mit einem ganz normalen Tag im Leben eines Teenagers. Das erste Date, das erste Mal verknallt und eine Protagonistin, die sich erfrischender Weise ihr Alter entsprechen benimmt. Sie ist unsicher, aufgeregt und ein echter kleiner Trottel. Ich finde, dass gerade in Jugendbüchern die Protagonistinnen gerne stark und selbstbewusst rüberkommen. Natürlich sollen die Leser auch eine Art Vorbild darin erkennen, doch finde ich die Entwicklung, die Ava in diesem Buch durchläuft noch viel motivierender. Dazu aber später mehr.

Dieses Date verläuft nicht wie erwartet. Ganz im Gegenteil. Das Wort Alptraum trifft es ziemlich genau und Jill hat es so präzise in Worte fassen können, dass ich sogar Angst hatte, weiter zu lesen. Zum Glück kommt der geheimnisvolle Retter Lio zur Hilfe und so konnte auch ich wieder aufatmen.

Natürlich gibt es noch mehr Charaktere. Avas beste Freundin zum Beispiel. Jess ist ein typisches Mädchen, die viel mehr Erfahrung hat und Ava mit Rat und Tat beiseite steht. Sie ist ein richtiger Fels in der Brandung. Avas Eltern halten sich in der Geschichte sehr zurück, was ich zwar am Anfang etwas fragwürdig fand, doch nimmt es im Laufe des Buches einen gute Form an und lässt mich auch ein paar Vermutungen anstellen.

Zitate aus dem Buch

„Doch dann grinste er mich an. „Du hast von mir geträumt? Und deine Fantasie hat mich doch noch zu so was wie einem Superhelden gemacht?“ Er blieb kurz stehen und musterte mich. „Das gefällt mir beides ziemlich gut.“

„Es gab so vieles, was ich noch nicht wusste… Vage nahm ich wahr, wie mein Körper nach und nach zu kribbeln begann und die Gedanken in meinem Kopf immer wirrer wurden. Kaum noch greifbar. Bis ich schließlich wegdämmerte.“

Rund ums Buch

Eine Ewigkeit ohne Dich • Jill Noll 2017 • 320 Seiten • Taschenbuch • ISBN: 978-3-947-33600-5 • Preis: €9.99 • Buch kaufen


Ich bedanke mich bei Jill Noll für das Rezensionsexemplar!
Dieses Buch ist wirklich empfehlenswert und für alle, die Jill Noll noch nicht kennen, holt es unbedingt nach, es lohnt sich!

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Sieben Jahre später

Es gibt Bücher, die tun es einem einfach an . Sofort. So erging es mir gestern. Innerhalb von fünf Stunden hatte ich den Roman Sieben Jahre später von Guillaume Musso durch. Das ist für mich wahrlich Rekordzeit. Ich muss zugeben, dass ich im Zug saß und sich die Strecke von Berlin nach Freiburg wahnsinnig zieht und lesen da eine willkommene Ablenkung ist, dennoch hat es ein Buch lange nicht geschafft, dass ich unbedingt dran bleiben wollte. Ich war richtig traurig, als ich „schon“ in Mannheim mit dem Buch fertig war und die folgenden anderthalb Stunden nicht mehr weiterlesen konnte. Es handelt sich bei Sieben Jahre später um einen Spontankauf, weshalb ich umso glücklicher war, dass es mir so gut gefiel.

Darum gehts

Nikki und Sebastian könnten nicht unterschiedlicher sein. Beide leben im amerikanischen New York, haben sich aber seit sieben Jahren nicht mehr gesehen. Und das, obwohl sie Zwillinge haben. Jeremy und Camille. Während der Sohn bei seiner Mutter lebt, wohnt Camille bei Sebastian. Beide führen sehr gegensätzliche Leben. Sebastian ist ein erfolgreicher und weltbekannter Geigenbauer, während Nikki sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Er legt großen Wert auf Regeln, kontrolliert sogar das Handy seiner Tochter und ortet diese, während Jeremy bei Nikki viele Freiheiten genießt. Camille ist auf einer anerkannten Schule, geht  mit ihrem Vater regelmäßig auf kulturelle Veranstaltungen und wird in ihren Talenten gefördert. Jeremy hingegen interessiert sich für Poker und Graffiti.

Spoilerfreie Rezension

Um einmal beim Cover anzufangen; es ist so gelungen. Ich mag die Fotografie auf Vorder-und Rückseite. Am Anfang des Buches,  Im inneren, kann man außerdem die Seiten aufklappen, sodass zum Einen die Sicht von Nikki, als auch die von Sebastian deutlich wird. Das ist hier wirklich sehr schön gemacht. Die Kapitel sind sehr kurz, was mir besonders gefiel. Denn es fällt mir so viel leichter ein Buch zu lesen. Wenn die einzelnen Kapitel sich zu sehr in die Länge ziehen, bin ich schnell raus und hier war es möglich, die sehr kurzen Abschnitte zu verinnerlichen und so nicht den Handlungsstrang zu verlieren.

Die Idee, die hinter der Handlung steckt, finde ich außergewöhnlich und sehr gut umgesetzt. Die familiäre Situation hat mich sehr berührt. Denn Zwillinge zu trennen, finde ich sehr bedenklich. Die Vorstellung von meiner Schwester- und wir sind keine Zwillinge- getrennt aufzuwachsen, stelle ich mir im Nachhinein schrecklich vor. Nikki wurde von Sebastian nach der Trennung vor vollendete Tatsachen gestellt. Und bevor sie beide Kinder verlieren würde, entschied sie sich dafür, dass Jeremy bei ihr leben würde und Camille bei Sebastian. Eine sehr harte Entscheidung. Im Buch wird immer wieder deutlich, dass Camille ihrem Vater viel näher steht. Was kein Wunder ist, denn Jeremy lebt bei seiner Mutter. Dennoch finde ich es sehr emotional zu sehen, wie wenig Sebastian von seinem Sohn weiß und dass er ihn immer mit seiner Mutter in Verbindung bringt, die er nicht mehr sehen will. Somit ist auch das Verhältnis zwischen Vater und Sohn äußerst angespannt. Sebastian scheint, bis Jeremy verschwindet, kein großes Interesse an seinem Sohn zu haben.

Nikki und Sebastian sind sich 1996 das erste Mal  begegnet. Zur Weihnachtszeit in einem New Yorker Einkaufszentrum. Dort wollte Nikki gerade einen Kaufhausdiebstahl begehen, als Sebastian sie dabei sah und  sich auf den ersten Blick in sie verliebte. Einige Zeit später treffen sich beide in Paris wieder und es beginnt eine leidenschaftliche Liaison. Das Einzige, was Nikki und Sebastian allerdings miteinander verbindet ist ein Buch, das beide sehr mögen. In allen anderen Bereichen finden sich keinerlei Gemeinsamkeiten. Für mich grenzte es deshalb an ein Wunder, dass die Beiden überhaupt ein Paar wurden und Kinder bekamen. Aber genau das ist es wohl, was diese rührende Geschichte so besonders macht.

Ich darf an dieser Stelle nicht vergessen zu erwähnen, dass das Buch eigentlich das Thriller-Genre bedient. Das vergaß ich beim Lesen aber immer wieder. Die gemeinsame Suche nach dem Sohn Jeremy, der offenbar in großen Schwierigkeiten steckt, bringt die Eltern einander wieder näher. Gewalt und Mord spielen in Sieben Jahre später auch eine Rolle. Für mich war die Liebesgeschichte von Nikki und Sebastian jedoch die eigentliche Handlung. Sie stehen vor der schwierigen Aufgabe, an einem Strang zu ziehen, obwohl sie nichts mehr füreinander übrig haben und müssen sich sehr gefährlichen und halsbrecherischen Aktionen aussetzen um ihren Sohn wieder zu finden. Und dann verschwindet auch noch Camille.

Zitate aus dem Buch

„Er verstand die Menschen nicht mehr, er verstand die Jugend nicht mehr, er verstand die Welt nicht mehr. Alles brachte ihn zur Verzweiflung und erschreckte ihn. Die Welt tanzte am Rande des Abgrunds, überall lauerte Gefahr.“

„Eines Morgens sind wir fischen gegangen, nur wir beide, und er hat mir erzählt, wie er meine Mutter kennen gelernt hat. Warum er sich unsterblich in sie verliebt hat, wie er ihr nach Paris gefolgt ist und wie es ihm gelungen ist, sie zu erobern. Ich erinnere mich an den Satz „Wenn du jemanden wirklich liebst, ist keine Festung uneinnehmbar“. Das klingt gut, aber ich bin nicht sicher, dass es stimmt.“

Fazit

Ich möchte euch das Buch wirklich empfehlen. Es ist so authentisch, sehr emotional und nahm mich sofort für sich ein. Die sehr bittere Geschichte, die am Anfang heftigen Dialoge zwischen Nikki und Sebastian, das Verschwinden von Jeremy und was am Ende hinter allem steckt, ist sehr bewegend. Guillaume Musso schafft es, einen spannenden Thriller zu schreiben, in dem die Liebesgeschichte überwiegt. Mit viel Action und ebenso viel Romantik ist ein grandioses Buch gelungen.

Rund ums Buch

Sieben Jahre später • Guillaume Musso • Pendo • 2013 • 416 Seiten • Taschenbuch • Originaltitel: 7 ans aprés • Übersetzung: Eliane Hagedorn, Bettina Runge • ISBN: 978-3-86612-317-5 • Preis: €14.99 • Buch kaufen


Habt ihr „Sieben Jahre später“ gelesen und wie gefiel es euch?

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Sieh mich an

Beim Lesen dieses Buches habe ich die ganze Zeit auf diesen einen fesselnden Moment gehofft, den wir doch alle kennen. Zum Beispiel wie stark die Mutter ist, wie sie alleine mit ihren Kindern zurechtkommt. Doch stattdessen entdeckt sie das Etwas und sieht darin ihr Todesurteil.

Darum gehts

Ein Tag im Leben einer 40-jährigen Frau. Katharina ist Mutter, Ehefrau, fanatische Listenschreiberin und Besitzerin eines Etwas. Dieses Buch handelt von einem einzigen Tag in ihrem Leben. Natürlich ist es ein aufregender Tag, mit viel Chaos und unerwarteten Situationen. Sie muss sich immerhin mit einem abgetrennten Daumen und brennenden Trocknern herumschlagen.

Spoilerfreie Rezension

Noch hinzu kommen viele Anekdoten aus dem Leben der Mutter. Sie erinnert sich immer wieder an ihre Jugend, an das Kennenlernen mit ihrem Mann und an die Zeiten als junge Mutter. Schließlich schaut Katharina ja auch dem Tod ins Auge.

Man könnte meinen, es ist ein Buch über das Leben und den Tod. Eine Geschichte einer toughen, beeindruckenden Frau, die dem Leser ein Vorbild für solche Situationen sein kann. Ich gebe zu, deswegen habe ich mich für dieses Buch entschieden, denn ich habe auf eine beeindruckende, spannende und fesselnde Geschichte gehofft. So fing sie auch an und ich möchte nicht behaupten, dass sie es nicht auch zwischendurch war.

Die Charaktere in diesem Buch sind sehr verschieden und toll durchdacht. Die beiden Kinder zum Beispiel. Der große Bruder hat gerade seine erste Freundin, widmet sich, wie schon seine Mutter, der Musik und weiß genau was er will. Die kleine Schwester ist etwas schwieriger. Schon am Anfang der Geschichte wird man mit ihr konfrontiert und auch mir kamen als erstes die Gedanken an ADHS in den Kopf. Sie ist aufmüpfig, hibbelig und ihre Mutter ist mit ihr völlig überfordert. Noch dazu kommen die Nachbarn, die zwar verrückt aber liebenswert sind.

Von ihrem Ehemann Costas lernt man nur ihre Sicht kennen. Natürlich fällt diese nicht sehr gut aus. Schließlich führen sie eine Wochenendbeziehung und halten diese auch nur durch regelmäßige Streitereien am Leben.

Natürlich betont sie mehrfach, wie schrecklich ihre Mutter und Großmutter schon in jungen Jahren starben. Deshalb traut sie sich nicht zum Arzt. Ihr Mann weiß auch nichts von dieser Vergangenheit und sie weiß ja schon was auf sie zukommen wird. Chemo, Bestrahlung, Glatze – das dieses Etwas auch einfach nur ein harmloser Knoten sein könnte, kommt ihr nicht einmal in den Sinn.

Unter anderen ist dies auch der Grund, warum ich so lange an diesem Buch gesessen habe. Trotz der geringen Seitenzahl habe ich ewig gebraucht, es zu lesen. Ich habe kein Interesse gehabt, zu wissen, wie es weitergeht. Immer wenn es spannend wurde, wurde eine elend lange Nebengeschichte eingeworfen, die meistens nichts mehr mit der eigentlichen Handlung zu tun hatte. Oder aber die Protagonistin hat sich ihren Tod vorgestellt. Für mich unbegreiflich, wie man mit zwei Kindern so egoistisch sein kann, denn auch das Thema Selbstmord ging ihr des Öfteren durch den Kopf.

Was ich aber dennoch einwerfen möchte ist, dass dieses Buch in Schleswig-Holstein spielt. Die Protagonistin lebte damals in Lübeck und heute in Kiel. Auch Flensburg (die Stadt in der ich lebe), Leck und ein bisschen Dänemark kommen vor, was mich zwischendurch wieder ein bisschen aufwecken konnte.

Zitate aus dem Buch

„Ich werde nach und nach weniger werden, mich immer mehr von der Person entfernen, die ich jetzt bin. Und irgendwann werden auch die anderen einsehen und begreifen, was mir jetzt schon klar ist, weil es verborgen in meinem Inneren längst schon begonnen hat: dass es ans Sterben geht.“

„So wie Helli zwischen Wut und Eifer, höchster Freude und tiefster Verzweiflung, guten Absichten und finsteren Racheplänen hin- und herpendelte, so sauste ich wie eine Flipperkugel zwischen meinen Gefühlen ihr gegenüber herum.“

„Ich sehe mich selbst auf der Bettkante sitzen, und ich sehe die Entschlossenheit in meinem Körper, die Leere in meinem Blick, und ich weiß, dass es dort tatsächlich hätte zu Ende sein können, dass ein düsterer, tragischer Teil meiner selbst, ganz ironiefrei zu allem bereit gewesen ist.“

Fazit

Zusammengefasst ist es ein Buch, welches ich leider nicht weiterempfehlen würde. Natürlich hat es witzige, spannende und erfrischende Stellen (wer ist schließlich nicht von einem abgetrennten Daumen gefesselt?), doch haben mich ihre Sturheit und die ewigen Anekdoten einfach zu sehr genervt.

Rund ums Buch

Sieh mich an • Mareike Krügel • Piper • 2017 • 256 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • ISBN: 978-3-492-05855-1 • Preis: €20.00 • Buch kaufen


Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Piper Verlag und Vorablesen zur Verfügung gestellt.
Interessiert euch diese Thematik?

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Als ich Dich suchte

Als ich Dich suchte hat mich bereits das erste Mal im Buchladen angelächelt, als es Anfang des Jahres erschien. Aber so richtig durchringen, es letztendlich zu kaufen, konnte ich mich nicht. Da ich regelmäßig auf arvelle unterwegs bin, das ist ein wunderbares Buch-Portal, welches Mängelexemplare zu günstigen Preisen vertreibt, werde ich regelmäßig auf Bestseller und Neuheiten aufmerksam. Und da fand ich das Buch wieder. Das Cover finde ich wunderschön. Die Farbgebung, die aussergewöhnliche Schrift und der Klappentext haben es mir dann leicht gemacht, das Buch bei mir einziehen zu lassen.

Darum gehts

Die Schwestern Nick und Dara könnten unterschiedlicher nicht sein, aber dennoch sind sie nicht zu trennen. Doch nachdem Dara Parker, den besten Freund Nick küsst, ist es zunächst vorbei mit den Beiden.  Sie sprechen nicht mehr miteinander. An ihrem Geburtstag verschwindet Dara spurlos. Und da sie schon das zweite Mädchen ist, das in der Gegend vermisst wird, bekommt es Nick mit der Angst zu tun. Sie muss ihre Schwester finden.

Spoilerfreie Rezension

Da ich selbst große Schwester bin, fand ich einen Familien-Roman besonders ansprechend. Denn davon habe ich bislang sehr wenige gelesen. Wahrscheinlich sind es kaum mehr als eine Handvoll. Es wurde also Zeit. Ich war zu Beginn etwas verwirrt, weil ich mit dem Namen „Nick“ immer einen Mann verband und erst einmal verinnerlichen musste, dass es sich hierbei um ein Mädchen handelt. Zauberhaft schön finde ich den Anfang des Buches, genauer gesagt Seite 7. In diesem Text fand ich mich selbst wieder und hätte diese Zeilen nicht besser formulieren können (siehe Zitat).

Der Schreibstil der bekannten Autorin Lauren Oliver spricht mich grundsätzlich sehr an. Ich mag ihre einfachen, dennoch durchdachten und wortgewandten Texte. Nick und Dara sind Schwestern, was die beiden stark miteinander verbindet, sie sind aber ebenso Freunde. Leider kommt es zum großen Krach zwischen den Beiden, in deren Verlauf sie sich „verlieren“.  Das fand ich beim Lesen sehr tragisch, vor allem, weil es mir so sinnlos erscheint. Der Grund viel zu belanglos, dafür dass die beiden Schwestern sind. Dennoch hat mich die Geschichte sehr mitgenommen und emotional auch berührt. Die Suche nach Dara ist teils beängstigend und teils sehr beklemmend. Es ist ein furchtbarer Gedanke, wenn ein Familienmitglied vermisst wird.

Schon weil es hier nicht um einen klassischen Liebesroman geht, sondern viel mehr um die Geschichte zweier Schwestern, hat das Buch mich gefangen. Ich war ziemlich schnell durch mit den 368 Seiten und am Ende durchaus traurig, dass es vorbei war.

Zitat aus dem Buch

„Das Komische daran, beinahe gestorben zu sein, ist, dass anschließend alle meinen, du müsstest ununterbrochen auf dem Glückstrip sein, Schmetterlinge im grünen Gras nachjagen oder in jeder Ölpfütze auf dem Highway einen Regenbogen entdecken. „Es ist ein Wunder“, sagen sie dann mit erwartungsvollem Blick, als hättest du ein großes Geschenk erhalten, und wehe, du enttäuschst Oma und schneidest eine Grimasse, wenn du das Paket auspackst und einen unförmigen, ausgeleierten Pullover darin findest. So ähnlich ist das ganze Leben: voller Löcher, ausgefranster Stellen, Möglichkeiten, hängenzubleiben. Unbequem und kratzig. Ein Geschenk, um das du nie gebeten hast, das du dir nie gewünscht hast, nie haben wolltest. Ein Geschenk, von dem alle erwarten, du müsstest es gerne tragen, Tag für Tag, selbst wenn du lieber im Bett bleiben und nichts tun würdest. Die Wahrheit ist: Man braucht keinerlei Talent dafür, beinahe zu sterben, genauso wenig wie dafür, beinahe zu leben.“

Fazit

Manche Stellen sind mir etwas zu stumpf , insgesamt kann ich euch das Buch aber unbedingt ans Herz legen, was ich hiermit tue.

Rund ums Buch

Als ich Dich suchte • Lauren Oliver • Carlsen • 2017 • 368 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • Originaltitel: Vanishing Girls • Übersetzung: Katharina Diestelmeier • ISBN: 978-355-158-351-2 • Preis: €19.99 • Buch kaufen


Wie hat euch „Als ich Dich suchte“ gefallen und wollen die, die es noch nicht kennen, das Buch noch lesen?

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