Die Glasglocke

Unsere Rory Gilmore Reading Challenge geht immer weiter voran, was uns sehr freut. Jenni und ich wählen das jeweilige Buch für den anderen aus. So bewahren wir uns den Überraschungseffekt. Dieses Mal hat Jenni für mich Die Glasglocke von Sylvia Plath ausgewählt. Es gehört inzwischen zu den Klassikern der Literatur der Sechzigerjahre.

Klappentext

„Es war ein verrückter, schwüler Sommer, dieser Sommer, in dem die Rosenbergs auf den elektrischen Stuhl kamen und ich nicht wusste, was ich in New York eigentlich wollte.“ Die Collegestudentin Esther Greenwood verbringt 1953 einen Monat als Volontärin einer Modezeitschrift in New York. Schonungslos protokolliert sie ihre Existenzkrise. 


Hier eine Rezension zu verfassen, fällt mir sehr schwer. Vor dem Lesen habe ich mich mit der Autorin und ihrem Leben auseinander gesetzt, um vielleicht von Beginn an vieles besser zu verstehen. Plath war vor allem wegen ihrer Lyrik bekannt. Die Glasglocke blieb ihr einziger Roman. Hauptsächlich erzählt sie in diesem Buch von der Lebenskrise der jungen Esther, welche nach ihrem Aufenthalt in New York ihr gesamtes Ausmaß erreicht.

Der sehr raue Schreibstil der Autorin mag ein Markenzeichen gewesen sein oder sollte die düstere Grundstimmung untermauern, war aber nichts für mich. Die Handlung hätte zweifelsohne Potenzial gehabt, spannungsreich und mitreißend zu sein. Ich hatte jedoch mit der Erzählweise von Plath meine Schwierigkeiten. Sie arbeitet mit vielfältigen Metaphern, was mir sehr zusagte, ich konnte mich jedoch mit den Charakteren, insbesondere mit Esther überhaupt nicht identifizieren.

Ein Mann, der will eine Gefährtin, und eine Frau, die will uneingeschränkte Sicherheit.

Esther Greenwood ist mir durch die gesamte Geschichte hindurch unsympathisch. Die Abschätzigkeit, mit der sie ihre Mitmenschen straft und das zum Teil völlig ohne Grund, gingen mir zunehmend auf die Nerven. Im Laufe des Romans blieb ich immer öfter verwirrt zurück. Mir war nie ganz klar, was genau ihre Existenzkrise auslöste. Die Zeit in New York wird, entgegen dem, was der Klappentext vermuten lässt, nur in wenigen Kapiteln thematisiert.

Schnörkellos und tough schildert Plath die Aufenthalte der jungen Frau in psychiatrischen Kliniken und an ihr angewandte Schocktherapien. Esther macht keinen Hehl daraus, dass sie Suizidgedanken plagen und meist wirken diese Gedanken auf mich fast verherrlichend. Zwar berichtet Esther immer wieder davon, dass es schrecklich sei, nicht körperlich, sondern im Kopf krank zu sein, dennoch wirkte ihre Krise auf mich nie wirklich bedrohlich oder ernst.

{…} denn egal, wo ich saß – ob auf dem Deck eines Schiffes oder in einem Straßencafé in Paris oder Bangkok-, immer saß ich unter der gleichen Glasglocke in meinem eigenen sauren Dunst.

Ihr Leben, abgegrenzt von dem zu sein, was um sie herum geschieht, bezeichnet sie als „Glasglocke“. Dieser Umstand jedoch, wird für meine Begriffe, viel zu wenig deutlich. Erst nach über der Hälfte des Buches, bekam ich eine Ahnung davon, wie sich Esther fühlen musste.

Die Glasglocke weist autobiografische Züge auf. Die Autorin lebte selbst in New York und hatte mit starken Depressionen zu kämpfen, die sie vermeintlich in diesem Buch auf ihre Protagonistin Esther projiziert. Vier Wochen nach dem Erscheinen ihres ersten und einzigen Romans, nahm sich Sylvia Plath das Leben. Sie gilt seit den Siebzigerjahren als Ikone der Frauenbewegung.

Am Ende bleibt zu sagen, dass die Idee eine sicherlich gute war, die Handlung aber viel mehr Tragik vertragen hätte. Es handelt sich um eine bittere Lebenskrise einer jungen Frau, die mit Selbstmordgedanken zu kämpfen hat. Die Stimmung brachte diese Tragik, nach meinem persönlichen Empfinden, nicht rüber.

Wenn man bedenkt, dass die Handlung nahezu auf wahren Begebenheiten der Autorin beruht, lässt mich Die Glasglocke dennoch, nachdenklich zurück. 


Informationen zum Buch

Die Glasglocke • Sylvia Plath • Suhrkamp • Originaltitel: The Bell Jar • Übersetzer: Reinhard Kaiser • 2005 • 262 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-51845-676-7 • Preis: €9.00 • Buch kaufen

Die Apfelprinzessin

Ich habe mich sehr gefreut, als ich erfuhr, dass es eine neue Buchreihe von Maya Shepherd geben wird und habe mir Die Apfelprinzessin direkt vorbestellt, als dies möglich war. Und hier folgt auch schon meine Rezension. Am Ende freuen wir uns wieder über euer Feedback.

Klappentext

Dieses Buch beginnt nicht mit ES WAR EINMAL, denn auf diese Weise fangen all die Lügen an, die Wilhelm und Jacob in die Welt gesetzt haben. Dies ist kein Märchen, sondern eine wahre Geschichte. Es heißt, die Bösen werden bestraft und die Guten leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Das Leben ist aber nicht schwarz-weiß und gewiss nicht glücklich. Rot ist die Farbe, die über das Schicksal bestimmen wird. Die Lüge ist oft nicht von der Wahrheit zu unterscheiden, am wenigsten, wenn die Wahrheit zu schrecklich ist, um sie glauben zu wollen.

Schneewittchen ist nicht die naive und hilflose Prinzessin, die sie vorgibt, zu sein. Es ist leicht, an ihre Unschuld zu glauben, wenn sich ihre großen Augen mit Tränen füllen und ihre unermessliche Schönheit einem den Atem raubt.

Als das Buch endlich ankam, war ich zunächst einmal von der wunderschönen Verarbeitung des Covers beeindruckt. Natürlich musste ich auch direkt in das Buch hineinlesen und habe die 130 Seiten in einem Rutsch inhaliert. Während der Geschichte, gibt es hier und da nochmals eine Überraschung mit einem Bild oder einem Gedicht und auch der Schreibstil war, wie nicht anders zu erwarten einfach nur toll.

Als Leser wechselt man immer zwischen der Gegenwart (hier 2012) und der Vergangenheit hin und her und erfährt ganz nebenbei noch einiges über das Thema Märchen. Ich weiß, dass es gerade ein großer Trend ist, Märchenadaptionen zu schreiben, welchen ich sehr kritisch gegenüberstehe. Wem es auch so geht, der sollte es dennoch mit Die Apfelprinzessin versuchen. Ich kann es jedem ans Herz legen.

Ein unangenehmes Schweigen breitete sich in dem kleinen Zimmer aus. Draußen krächzte ein Rabe, bevor er davonflog. Der Baum war nun leer. Die Vögel hatten genug gesehen und gehört.

Maya schafft es, trotz der geringen Seitenzahl, den Leser in eine Welt zu verführen, die er nicht mehr verlassen will. Und das Beste: Mit Band 1 ist noch lange nicht Schluss. Aktuell schreibt Maya nämlich an Band 13. Die Bände werden Monat für Monat erscheinen und ihre Leser weiter in dieser fantastischen Welt treiben lassen.

Ich hingegen war nur ein Mädchen, das gerade mal soweit schauen konnte, wie die Fenster des Anwesens es zuließen. Selbst ein Schritt in den Wald, der unser ganzes Land umgab, war für mich unerreichbar.

Nicht zu vergessen ist das Schlusswort der Autorin. Hier gibt es einige Informationen, die wirklich interessant sind und das Buch noch zauberhafter machen.

Eine absolute Leseempfehlung von mir!


Informationen zum Buch

Die Apfelprinzessin – Die Grimm-Chroniken Band 1 • Maya Shepherd • Sternensandverlag •  2018 • 146 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-90682-970-8 • Preis: €8.95€ • Buch kaufen

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Porträt einer Ehe

Viele Bücher, das erwähnte ich schon oft, finden den Weg zu mir auch und vor allem deshalb, weil mich ihr Cover beeindruckt, mir der Klappentext zusagt. Ich gebe wenig darauf, ob besagtes Buch gehyped oder von seinen Kritikern zerfleischt wird. Mir ist es wichtig, selbst einen unbeeinflussten Eindruck zu gewinnen. Gerade habe ich Porträt einer Ehe von Robin Black zu Ende gelesen und kann vorweg sagen, dass ich viel mehr erwartet habe.

Klappentext

Augusta und Owen sind von der Großstadt Philadelphia aufs Land gezogen, wo sie ein ruhiges Leben führen, wo sie Raum für sich und ihre Kunst haben, Gus als Malerin, Owen als Schriftsteller. Doch ihre Verletzungen konnten sie nicht zurücklassen: Gus hatte eine Affäre, und nun versuchen die beiden, ihre Ehe zu retten. Als ins nächstgelegene Haus eine neue Mieterin einzieht, ändert sich das stille, isolierte, vorsichtige Leben des Paars grundlegend . 

Aufmerksam auf das Buch bin ich durch das Bloggerportal von Randomhouse geworden. Das Cover spricht für sich: Eine rote Blüte, umgeben von Rissen. Letztere stehen für die Ehe der Protagonisten Augusta und Owen. Die Beiden sind Ende vierzig und seit Jahren verheiratet. Um ihre Beziehung zu kitten und die schmerzliche Vergangenheit hinter sich zu lassen, ziehen die Großstädter aus Philadelphia aufs Land. Dort leben sie zunächst in einsamer Umgebung in einem Farmhaus. Nur umgeben von Natur und einem leerstehenden Nachbarhaus.

In einer Ehe laufen oft zwei Gespräche nebeneinander ab. Das, das man gerade führt, und das, das man gerade nicht führt. Manchmal weiß man nicht einmal, wann dieses zweite, stillschweigende, begonnen hat.

Der Schreibstil sagte mir sofort zu. Black schreibt sehr einfühlsam, dennoch tough und ehrlich. Mir gefiel auch die psychologische Note.  Die vorsichtigen Formulierungen, welche die Risse in der Ehe von Augusta und Owen beschreiben, scheinen den Leser schonen zu wollen. Die Figuren werden jedoch nur unzulänglich gezeichnet. Owen blieb mir bis zum Ende ein kleines Rätsel. Mir war lange nicht ganz klar, was genau denn nun „den Riss“ verursacht hat. Denn obwohl sehr schnell zur Sprache kommt, das Augusta Owen betrogen hat, liegt dieser Vertrauensbruch Jahre zurück und beide scheinen noch immer verliebt und wieder glücklich.

Die Idylle, in der das Ehepaar gegenwärtig lebt, wird durch die neue Nachbarin Allison zunächst nicht getrübt. Die beiden Frauen freunden sich an, verbringen viel Zeit miteinander und laden sich gegenseitig zum Essen ein. Owen ist meist dabei. Die Figur der Allison nervte mich schon nach kurzer Zeit und mir war nicht klar, welche Rolle sie in den Geschehnissen spielen sollte. Auch ihre Vergangenheit wird für meine Begriffe viel zu sehr ausgeschmückt und bekommt eine Wichtigkeit, die sie nicht verdient.

Was nutzte es, sich Sorgen zu machen, wenn man nie wissen konnte, welche Kugel auf das eigene Herz gerichtet war?

Die eigentliche Veränderung wird durch die Tochter von Allison herbeigeführt. Die zweiundzwanzigjährige verliebt sich in Owen. Getragen wird die Story weiterhin hauptsächlich von den vermeintlichen Eheproblemen des Paares, die für meinen Geschmack zu stark erscheinen. Die Verletzungen durch die Affäre von Augusta konnte ich als Leserin wahrnehmen, eine zerrüttete Ehe, konnte ich jedoch zu keiner Zeit erkennen.

Der Tod der Schwester von Augusta und der schlechte Gesundheitszustand ihres Vaters kommen immer wieder zur Sprache, spielen für den Handlungsverlauf aber keine entscheidende Rolle. Die Unzufriedenheit Owens bezüglich seiner stagnierenden Schriftstellerkarriere, ging mir zunehmen auf den Geist und ich war gegen Ende froh, dass das Buch endete.  Mir erschloss sich nicht genau, wohin die Autorin den Leser führen wollte. Die Idee ist interessant, die Umsetzung verliert sich zu sehr in Nebensächlichkeiten und das Ende ist vorhersehbar und absurd.

Wir sind eine Lebensaufgabe, nicht wahr?

„Porträt einer Ehe“ konnte mich nicht überzeugen. Habt ihr es gelesen und wie gefiel es euch?


Informationen zum Buch

Porträt einer Ehe • Robin Black • btb • Originaltitel: Forgiving • 2018 • Übersetzerin: Brigitte Heinrich • 320 Seiten • Paperback • ISBN: 978-3-44271-589-3 • Preis: €10.00€ • Buch kaufen

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