Gelesen

Halbjahresrückblick von Neri

Ich bin etwas spät dran mit meinem Teil des Halbjahresrückblicks. Dennoch möchte ich euch natürlich meine Lieblingsbücher der ersten Hälfte von 2018 nicht vorenthalten. Es fiel mir sehr schwer mich auf drei Bücher festzulegen, weil so viele tolle Werke darunter waren. Mir war aber wichtig, es Jenni gleichzutun und mich auf ebenfalls drei Bücher zu beschränken. Weiter unten findet ihr aber – kurz erwähnt – weitere tolle Bücher, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. 

Das erste Buch, über das ich schreiben möchte, ist auch das erste Buch, dass ich in diesem Jahr gelesen habe. Wer die Nachtigall stört von Harper Lee, hat mich geprägt wie lange schon kein Buch mehr. Versteht mich nicht falsch, Bücher prägen immer. Die einen mehr, die anderen weniger. Dieser Klassiker jedoch, hat mich nachdenklich zurück gelassen, wütend gemacht, mich zum Lachen gebracht, mir Tränen in die Augen getrieben und vor allem viel Zivilcourage vermittelt. Davon haben wir auch heute noch viel zu wenig.

Die Handlung spielt in den 1930er Jahren. Die Geschwister Scout und Jem leben mit ihrem Vater Atticus in den Südstaaten. Atticus ist Anwalt und hat es sich zur Aufgabe gemacht, jeden Menschen vor Gericht zu vertreten, der seine Hilfe braucht – unabhängig von seiner Hautfarbe, Religion und Herkunft. In den Dreißigerjahren war Rassismus in den Vereinigten Staaten groß geschrieben. Es gehörte quasi zum Alltag der schwarzen Bevölkerung. Als Atticus den schwarzen Landarbeiter Robinson vor Gericht vertritt, welcher bezichtigt wird, ein weißes Mädchen vergewaltigt zu haben, wird auch seinen Kindern erstmals bewusst, welche Tragweite der Rassismus in den USA mit sich bringt. Fortan versuchen Scout und Jem ihren Vater zu unterstützen und Robinsons Unschuld zu beweisen.

Das Buch hat mich durchweg aufgewühlt. Die Ereignisse in der Geschichte sind tragisch und deshalb umso wichtiger. Auch heute muss immer wieder auf die Missstände, den brutalen Rassismus der damaligen, aber auch heutigen Zeit, aufmerksam gemacht werden, von dem sich so viele Menschen konfrontiert sahen und immer noch sehen. Obwohl die Welt hier und da gerechter scheint, gibt es viele Menschen weltweit, die sich noch immer täglich Diskriminierungen aufgrund ihrer Herkunft ausgesetzt sehen.

Die Aussagen des Buches halte ich für unglaublich wichtig und sehr menschlich. Jeder von uns sollte sich bewusst machen, was Rassismus – vor allem für Betroffene – bedeutet und wie wir ihn gemeinsam bekämpfen können. Das Buch, vorwiegend seine Charaktere vermitteln viel Mut und Engagement im Kampf gegen Ungleichheit von Menschen. Ich kann diesen Klassiker jedem ans Herz legen.

Buch Nummer zwei ist der Thriller The Wife Between Us. Normalerweise bin ich diesem Genre gar nicht so sehr zugeneigt. Wenn ein Thriller aber gut geschrieben ist und die Handlung überzeugen kann, bin ich durchaus neugierig. Die beiden Amerikanerinnen Sarah Pekkanen und Greer Hendricks haben gemeinsam an dem Buch gearbeitet. Die durchweg düstere und spannende Atmosphäre der Geschichte ließ mich das Buch schwer aus der Hand legen.

Alles dreht sich um drei Frauen und denselben Mann . Es gibt nur eine Wahrheit. Vanessa führte das scheinbar perfekte Leben an der Seite ihres Mannes Richard. Seit der Scheidung von ihm, ist sie ein Schatten ihrer selbst. Das einzige, was sie am Leben hält, ist das Scheitern der Hochzeit ihres Ex-Mannes mit seiner Verlobten. Nellie dagegen schwebt im siebten Himmel. Sie ist die Frau, die Richard ausgewählt hat. Alles könnte so schön sein, wäre da nicht die Frau, die sie beobachtet.

Es war schwer, an dem Thriller vorbeizukommen, da Plakatwände, Kinowerbung und Anzeigen in Zeitschriften das Buch begeistert anpriesen. Obwohl mich gerade das oft abschreckt, war ich in diesem Fall doch gespannt auf das, was mich erwarten würde. Und ich wurde in keinster Weise enttäuscht. Der Roman punktet mit viel Tiefgang und lebendigen Charakteren. Die Handlung ist eine wahre Achterbahnfahrt an Emotionen. Liebe, Eifersucht und tiefer Hass prägen den Roman. Der wirklich beste Thriller, den ich bisher kenne.

Auf keinen Fall fehlen darf unter meinen Top drei der ersten Hälfte des Jahres Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden. Die Idee des Buches ist eine sehr inspirierende und für mich in jedem Fall ganz neue. Die kluge Schreibweise und die wichtigste Aussage des Autoren, dass wir Menschen nicht mehr wissen, was wirklich zählt im Leben, regte mich zum Nachdenken an. Wir leben in einer Überfluss-Gesellschaft und vergessen oft, was wir wirklich brauchen und was unverzichtbar ist.

Ein dreißigjähriger Japaner erfährt, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Nach der Diagnose fällt er in ein tiefes Loch, das aber nicht lange anhält, da ihm schon tags darauf der Teufel in Person seiner selbst erscheint. Dieser erklärt ihm, er könne sein Leben um jeweils einen Tag verlängern, wenn er alle vierundzwanzig Stunden etwas von der Welt verschwinden lässt. Zunächst keine schlechte Idee, wenn man bedenkt, wieviel Unnützes es gibt.

Ich habe mich selbst dabei ertappt, zu glauben, dass es eine Leichtigkeit wäre, täglich Dinge verschwinden zu lassen, um selbst am Leben zu bleiben. Nur kommt irgendwann die Erkenntnis, dass es das nicht wert sein kann. Könnte ich damit leben, anderen Menschen Dinge zu nehmen, um selbst nicht sterben zu müssen? Und wie weit könnte das gehen? Eine spannende Frage. Ein extrem gutes Buch.

Weitere Lieblingsbücher

Die Unruhigen von Linn Ullmann ansehen
Was in unseren Sternen steht von Catherine Isaac ansehen
Alles, was ich über die Liebe weiß von Michela Marzano ansehen
Als die Tage nach Zimt schmeckten von Donia Bijan ansehen


Dies sind also meine bisherigen Buchperlen in 2018. Ich bin gespannt, wie viele Bücher noch hinzukommen. 
Und welche Bücher haben euch in diesem Jahr bisher überzeugen können?
MerkenMerken
MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Gina Bucher

Der Fehler, der mein Leben veränderte

von Bauchlandungen, Rückschlägen und zweiten Chancen. Das ist der vollständige Titel des Buches, um das es geht. Fehler machen. Wer kennt es nicht? Jeder macht sie. Der eine mehr, der andere weniger. Aber Fehler bleiben menschlich. Die Autorin des Buches hat sich mit dem Phänomen befasst und sich die Fragen gestellt: warum machen wir Fehler, was sind die Konsequenzen dieser und wie unterschiedlich gehen wir damit um.

Darum gehts

In unserer Leistungsgesellschaft ist Scheitern ein Tabu. Aber jeder Mensch macht Fehler. Und deshalb will die Journalistin Gina Bucher in ihrem neuen Buch ergründen, wie andere damit umgehen. Was passiert in einem, sobald man erkennt, dass man einen Fehler mit ernsthaften Konsequenzen begangen hat? Wie betrachtet man sich danach morgens im Spiegel? Wie denkt man später über einen solchen Fehler nach, über Schuld und vielleicht auch über Reue? Wie reagiert das Umfeld darauf? Wie begegnet man den Konsequenzen? Und natürlich: Wie hat man sich durch diesen Fehler verändert? (Quelle: Piper)

Spoilerfreie Rezension

Die Thematik des Buches fand ich sofort spannend. Fehler gelten in unserer Gesellschaft häufig als Tabu. Und das, obwohl sie völlig menschlich und manchmal unumgänglich sind. Natürlich gibt es jene Fehler, die geringfügige Konsequenzen nach sich ziehen, die versehentlich geschehen und eben jene, die bewusst passieren, dem Betroffenen aber später die Augen öffnen und er sich seine „Tat“ als Fehler eingestehen muss. Gina  Bucher hat sich das Fehlermachen in diesem Buch zu Nutze gemacht, um auf ihre Fragen eine Antwort zu finden. Dabei befragt sie Menschen, die jenseits von Glanz und Ruhm stehen, mitten aus der Gesellschaft stammen und alle schon Fehler machten.

Cover und Klappentext finde ich solide für dieses Buch. Ich habe bisher kein ähnliches Werk gelesen und war deshalb neugierig, was mich erwarten würde. Toll finde ich, dass es hier um Menschen geht, die nahbar sind, die mitten aus dem Leben stammen und ihre Geschichten erzählen. Manche Erzählungen sind sehr bedrückend, schmerzhaft und heftig, sodass ich gar nicht wirklich auf eben diese vorbereitet schien. Im Grunde genommen vermittelt das Buch die Message, dass Menschen fallen, aber auch wieder aufstehen.

Die Schreibweise finde ich ansprechend und mir gefällt, dass die einzelnen Erlebnisse der Erzählenden immer wertfrei sind. Sie regen zum Nachdenken an, sind den Betroffenen oft eine Lehre gewesen und berühren bis ins Mark. Dabei werden verschiedene Lebensbereiche angeschnitten, wie Liebe, Beruf oder Finanzen.

Fazit

Mein erstes Sachbuch, dass mich gleich überzeugte. Scheitern ist menschlich und manchmal sogar nützlich. Insgesamt ein sehr gelungenes Werk von Bucher, welches nicht so schnell aus dem Kopf geht.

Rund ums Buch

Der Fehler, der mein Leben veränderte • Gina Bucher • Piper • 2018 • 256 Seiten • Hardcover mit Schutzumschlag • ISBN: 978-3-492-05599-4 • Preis: €22.00 • Buch kaufen


Ich danke dem Piper-Verlag für die Zustellung des Rezensionsexemplars.
Lest ihr Sachbücher?

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Donia Bijan

Als die Tage nach Zimt schmeckten

Ist es bei euch auch so unerträglich warm? Ich muss gestehen, dass ich mich wirklich schon sehr auf den Herbst freue, weil ich den Sommer im Süden schon sehr grenzwertig finde, was die Temperaturen anbelangt. Apropos Sommer. Das aktuelle Buch spielt hauptsächlich im iranischen Teheran und erzählt die Geschichte von Noor und ihrer Familie. Als die Tage nach Zimt schmeckten ist nicht nur eine emotionale Familiengeschichte, sondern auch eine Reise ins kulinarische Persien

Darum gehts

Noor lebt mit ihrem spanisch stämmigen Ehemann Nelson und der gemeinsamen Tochter Lily im US-amerikanischen San Francisco. Ursprünglich stammt Noor aus dem Iran und hat dort ihre Kindheit und Jugend verbracht. Besonders das Café Leila, welches ihr Vater sein Leben lang mit Leidenschaft betrieb, ist ihr in sehnlicher Erinnerung. Mit siebzehn Jahren wurden Noor und ihr Bruder von ihrem Vater in die USA geschickt um dort ein sicheres Leben führen zu können. Nach dreißig Jahren kehrt Noor in ihr Heimatland zurück.

Spoilerfreie Rezension

Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie aus dem Iran. Dabei werden vier Generationen beleuchtet. Die Hauptprotagonisten des Buches sind Noor und ihr Vater Zod, deren Perspektiven sich im Laufe der Geschichte abwechseln. Noor arbeitet in San Francisco als Krankenschwester und lebt mit Mann und Kind in einem schicken Haus. Als sie herausfindet, dass ihr Mann sie betrügt, will sie nur noch fliehen. Die Sehnsucht nach ihrem Vater und ihrem Heimatland, bewegen Noor dazu, gemeinsam mit ihrer Tochter in den Iran zu reisen. Dort muss sie feststellen, dass sich vieles geändert hat und ihr geliebter Vater todkrank ist.

Bijan erzählt auf sehr dramatische, beklemmende Weise von der Iranischen Revolution im Jahr 1979 und der Gegenwart im Jahr 2014. Noor emigriert mit siebzehn Jahren nach Amerika um dort ein besseres Leben führen zu können. Ihr Vater erhofft sich für seine Kinder dort eine Zukunft mit Perspektive. Noor ist anfangs dagegen, beugt sich aber dem Willen ihres Vaters. Noor liebt ihren Vater sehr und vergötterte auch ihre verstorbene Mutter, die während der Revolution ums Leben kam. Sie weiß lange nicht, weshalb ihre Mutter sterben musste. Als sie mit ihrer Tochter Lily in den Iran reist, muss sie am eigenen Leib erfahren, welche Einschränkungen die weibliche Bevölkerung hat.

Die Autorin vermittelt dem Leser eine große Sehnsucht und eine Art Hassliebe zum Land ihrer Eltern. Besonders der kulinarische Einfluss wird groß geschrieben und ich konnte die zubereiteten Gerichte im Café Leila fast auf der Zunge schmecken. Dieser Ort war und ist für Noor Rückzugsort und Heimat zugleich. Während der Titel des Buches viel Sinnlichkeit verspricht, wird einem die Heftigkeit und Brutalität der iranischen Revolution und deren Folgen für die Bevölkerung beim Lesen schnell bewusst.

Ich habe sofort in die Geschichte hineinfinden können und mochte die Erzählweise von Donia Bijan zweifelsohne sofort. Der Wechsel zwischen der glorreichen Vergangenheit ihrer Familie zwischen 1920 und 1979, der Emigration in die USA und die noch immer trostlose Gegenwart des Irans führten bei mir zu jeder Menge emotionaler Zerrissenheit. Besonders gut gelingt es Bijan, ihre Figuren lebendig darzustellen und ihnen eine einzigartige Persönlichkeit einzuhauchen. Zudem werden Orte und Geschehnisse äußerst authentisch und detailliert geschildert, sodass ich mich stets an den Ort des Geschehens versetzt fühlte.

Zitate aus dem Buch

„Warum glaubte sie, sie hätte keine Liebe verdient, warum ertrug sie das Leben wie einen Stein im Schuh…“

„Er konnte es nicht fassen, dass die Trauer einem die eigenen Fehler und Schwächen so vor Augen führte.“

„Es hätte ein düsterer Beginn für diese Ehe sein können, doch Liebe bedeutet auch Verheißung, und jene, die blieben, drängten sich unter ihren Schirm und umklammerten einander, damit die überwältigende Flut des Kummers sie nicht verschlang.“

„Was nützte einem das Gedächtnis, wenn es einen nur mit Reue erfüllte?“

„In der Einzelhaft verliert man das Zeitgefühl. Ohne den Tag, der in die Nacht übergeht, ohne Sonne, ohne Mond oder Sterne verschwindet ein Mensch.“

„Amerika war der Junge, der zu viel Eau de Cologne auflegt, und Noor war bis über beide Ohren in ihn verliebt.“

„Karim würde alles verlieren, was ihm wichtig war, ein Ozean würde sich zwischen ihn und seine erste Liebe drängen, und ihm blieb nichts außer einem dunkelblauen Sweatshirt.“

Fazit

Ein unglaublich berührender, ernsthafter und wachrüttelnder Roman über die Liebe zur Familie und zur Heimat, der nicht darauf verzichtet, die Grausamkeiten eines Landes und dem Schicksal der Menschen zu thematisieren, dabei aber immer den starken Lebenswillen der Protagonisten in den Vordergrund rückt und den Genuss nicht zu kurz kommen lässt.

Rund ums Buch

Als die Tage nach Zimt schmeckten • Donia Bijan • Originaltitel: The Last Days Of Café Leila • Ullstein • Originalverlag: Algonquin Books • 2018 • Übersetzerin: Susanne Goga-Klinkenberg • 384Seiten • Taschenbuch • ISBN: 978-3-548-29039-3 • Preis: €11.00 • Buch kaufen


Für das Rezensionsexemplar dank ich dem Team von Vorablesen.
Was haltet ihr von Büchern, die Familiengeschichten und viel Historie behandeln?

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken